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Mit «künstlicher» Befruchtung einen guten Äschen-Bestand erhalten

Der Fischereiverein Werdenberg sorgt in seiner Brut- und Aufzuchtanlage am Böschengiessen dafür, dass er selbst und andere in ihren Gewässern genügend gesunde Äschen einsetzen können. Am Samstag hat er dafür das «Streifen» durchgeführt.
Thomas Schwizer
Im vorderen Becken werden erwachsene Äschen sortiert und fürs Abstreifen im hinteren Bereich vorbereitet. (Bilder: Thomas Schwizer)

Im vorderen Becken werden erwachsene Äschen sortiert und fürs Abstreifen im hinteren Bereich vorbereitet. (Bilder: Thomas Schwizer)

Je sechs Rundstrombecken und Hälterungsgräben weist die von Fachstellen anerkannte Aufzuchtanlage des Fischereivereins Werdenberg am Böschengiessen zwischen Buchs und Sevelen auf. Mit der Realisierung der Anlage neben dem Werdenberger Binnenkanal wurde 1999 begonnen.

Weil der Bestand an Äschen hier nicht mehr so war wie gewünscht, hat der Bund später zur Rettung dieser einheimischen Fischart den Werdenberger Binnenkanal zum Äschengewässer mit nationaler Bedeutung erklärt.

Über 1000 Stunden Fronarbeit pro Jahr

Die Äsche ist im Jahr 2007 von Natur- und Umweltschutzverbänden zum Schweizer Fisch des Jahres erklärt worden. Sie zu retten und ihren Bestand wieder zu erhöhen, war das Ziel des Fischereivereins Werdenberg, als er seine Fischzuchtanlage vorwiegend auf die Aufzucht dieser Fischart umstellte.

Heute ist er einer der wenigen erfolgreichen Äschenzüchter mit Muttertierhaltung in der Schweiz. Jährlich leisten die Mitglieder für die Aufzucht über 1000 Stunden Fronarbeit. Die Aufzuchtanlage am Böschengiessen wird mit Bachwasser betrieben, das auch in heissen Sommern recht konstante Temperaturen aufweist.

Für die genetische Auffrischung wird der Mutterstamm durch Jungäschen aus der Brutanlage ergänzt. Diese stammen aus Eiern von Wildfängen aus den Vereinsgewässern.

«Künstliche» Befruchtung zur Qualitätssteigerung

Ein gutes Dutzend Mitglieder des Fischereivereins Werdenberg hat vergangenen Samstag das Äschenstreifen durchgeführt. Dabei werden die Eier der Muttertiere mit sanftem Druck «gewonnen» und mit den Spermien der männlichen Tiere vermischt.

Innert wenigen Stunden wachsen die befruchteten Eier sichtbar heran. In sogenannten «Zugergläsern» und in Langstrombecken werden die Jungfische danach zu vier bis acht Zentimeter grossen Sömmerlingen aufgezogen.

10000 bis 30000 Jungfische pro Jahr angestrebt

Die Absicht ist es, jährlich in der eigenen Brutanlage zwischen 10000 und 30000 Jungfische zu züchten. Diese Zahl ist aber durch diverse Umstände starken Schwankungen ausgesetzt, erklären Christian Schwendener als Leiter Fischzucht und Marcel Göldi als Obmann der Anlage.

Dank der Schulung erkennt der Fachmann gleich, ob die Eier eine gute Qualität haben.

Dank der Schulung erkennt der Fachmann gleich, ob die Eier eine gute Qualität haben.

So haben beispielsweise die Wassertemperatur und Trockenheit einen starken Einfluss auf das Laichverhalten. Im vergangenen Jahr konnten nur etwa 4000 Sömmerlinge gezüchtet werden.

Nicht alle Eier haben eine gute Qualität

Beim Äschenstreifen vom Samstag stellten Schwendener und Göldi fest, dass längst nicht alle Muttertiere gesunde Eier tragen. Für die Befruchtung durch die ebenfalls vor Ort «gewonnenen» Spermien männlicher Tiere werden nur die gesunden Eier verwendet, denn der Bestand an Jungfischen soll kräftig und widerstandsfähig sein. Es erfolgt also eine bewusste Qualitätsauslese.

Heute wird dank Schulungen und Erfahrungen feiner selektioniert als in den Anfängen der Äschenzucht. Die Eier der Wildfänge seien normalerweise qualitativ besser. Beim Laichen in den Freigewässern erlebt aber wegen der natürlichen Fressfeinde nur etwa jedes 20. Jungtier das Erwachsenenalter, ist von den beiden Fachleuten zu erfahren. Werde die Brut in der Aufzuchtanlage gepflegt, sei der Erfolg deutlich grösser, betonen Schwendener und Göldi.

«Das Beispiel Rüthi zeigt: Renaturierungen am Binnenkanal wirken sich positiv auf den Bestand der anspruchsvolleren einheimischen Fischarten aus.» (Fredi Fehr, ehemaliger Fischereiaufseher)

Eier sind in rund 30 Sekunden befruchtet

Beim Streifen werden die Eier und Spermien routiniert und sanft aus den Fischleiben gedrückt. Danach werden Spermien und Eier vermischt. Die Eier der Äschen sind innerhalb von rund 30 Sekunden befruchtet. Innert vier Monaten wachsen die Jungfische zu Sömmerlingen heran.

Dann ist der richtige Zeitpunkt, um die Jungfische in den eigenen Pachtgewässern auszusetzen, aber auch an andere Fischereivereine vom Bodensee bis in den Kanton Graubünden zu liefern. Diese reservieren jeweils eine bestimmte Anzahl der Sömmerlinge. In schlechten Zuchtjahren fällt die Lieferung allerdings entsprechend tiefer aus.

Renaturierung wirkt sich positiv aus

Der Bestand an Äschen hat sich in den vergangenen Jahren weitgehend erholt. Dazu tragen auch Renaturierungen am Bachbett der Äschengewässer Rheintaler und Werdenberger Binnenkanal positiv bei.

Der ehemalige Fischereiinspektor Fredi Fehr war als Vertreter des kantonalen Amtes für Natur, Jagd und Fischerei beim Streifen der Äschen am Samstag dabei. Er verweist auf die Erfahrungen mit der Renaturierung des Rheintaler Binnenkanals bei Rüthi vor zirka 15 Jahren. Damals habe man dort keine einheimischen Bachforellen gefunden, heute seien diese, ohne Einsetzen, gegenüber den wenig anspruchsvollen Regenbogenforellen sogar in der Überzahl. Unterschlupf- und Rückzugsorte, kiesiger Grund, geschützte Bereiche mit wenig Strömung: das brauchen auch Jungäschen, um sich positiv zu entwickeln.

Deshalb ist Fehr überzeugt, dass auch die bereits erfolgten und geplanten Renaturierungen am Werdenberger Binnenkanal sich auf den Bestand der einheimischen Fischarten positiv auswirken. Der Hitze- und Trockensommer 2018 hat in Teilen des Bodensees zu einem Massensterben von Äschen geführt, weil die Wassertemperatur für sie zu hoch wurde.

Eine Veränderung stellt Marcel Göldi vom Fischereiverein Werdenberg auch im Werdenberger Binnenkanal fest. Hier macht er eine immer stärkere Verbreitung der Fischart Barbe aus, denn diese halte sich gerne in wärmerem Wasser auf. (ts)

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