Mit Investitionen aus der Defizitfalle: Die Pizolbahnen planen ein Panoramarestaurant mit Hotel auf dem Plateau und ein Leuchtturmprojekt als Ausflugsziel

Masterplan der Pizolbahnen: Wie soll es weitergehen, wenn die Unterstützungsvereinbarungen mit Kanton und Gemeinden wegfallen. Abklärungen haben ergeben, dass ein kostendeckender Betrieb nur möglich ist, wenn grosse Investitionen getätigt werden, welche zusätzliches Gästeaufkommen im Sommer und Winter ermöglichen.

Hans Bärtsch
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Unabdingbar für ein grenzenloses Skivergnügen am Pizol sind Schneekanonen. Das Beschneiungsprojekt 4.0 steht im Raum.

Unabdingbar für ein grenzenloses Skivergnügen am Pizol sind Schneekanonen. Das Beschneiungsprojekt 4.0 steht im Raum.

Bild: PD

Wäre Corona nicht gewesen, mit dem abrupten Lockdown Mitte März, die Pizolbahnen hätten ein sehr ansehnliches Resultat erzielt im Ge- schäftsjahr 2019/20 (per Ende April). Sogar ein solches «in der Nähe des ausgezeichneten Vorjahresergebnisses», wie es im soeben veröffentlichten Geschäftsbericht heisst. Mit dem vorzeitigen Saisonabbruch und dem leicht tieferen Sommergeschäft 2019 resultierte nun ein Betriebsertrag von 7,8 Millionen Franken, was zum Vorjahr einem Minus von elf Prozent gleichkommt.

Tiefe Spuren hat der Lockdown im Wintergeschäft hinterlassen: Der Umsatz ging um 13,6 Prozent auf 5,1 Millionen Franken zurück, die Ersteintritte um 22 Prozent auf rund 186000.

Ein Gewinn dank einiger spezieller Einnahmen

Unterm Strich wird ein Gewinn von 272000 Franken (Vorjahr: 1,3 Millionen) gezeigt. Dies dank eines tieferen Personalaufwands, welcher auf die erhaltenen Kurzarbeitszeitentschädigungen zurückzuführen ist. Und auf der Ertragsseite dank der zweiten von sechs Beitragstranchen von Kanton und Gemeinden in Höhe von total 840000 Franken. Ohne diese Beiträge würden die Pizolbahnen einen Verlust von 568000 Franken ausweisen.

Wie abhängig ein Bergbahnbetrieb von äusseren Einflüssen ist, zeigte der vergangene Winter exemplarisch. Der Mangel an Naturschnee konnte nur mit technischer Beschneiung ausgeglichen und damit ein akzeptables Pistenangebot geschaffen werden. Und die Ausrüstung der Pistenfahrzeuge mit Schneehöhenmessgeräten ermöglichte es, das Maximum aus den vorhandenen, knappen Schneemengen herauszuholen.

Der Lockdown hat im Wintergeschäft Spuren hinterlassen.

Der Lockdown hat im Wintergeschäft Spuren hinterlassen.

Michel Canonica

Mit der jetzigen Beschneiungsinfrastruktur ist es aber noch längst nicht getan, weshalb Verwaltungsrat und Geschäftsleitung das Beschneiungsprojekt 4.0 lancierten.

Dieses soll im Endausbau auf der Strecke Maienberg–Furt–Gaffia–Pizolhütte–Laufböden–Pardiel–Schwamm eine 30 Meter breite und 60 Zentimeter dicke Schneedecke ermöglichen. Verwaltungsratspräsident Markus Oppliger schreibt im Geschäftsbericht:

«Mit grosser Freude haben wir den Rückzug sämtlicher Einsprachen zur Kenntnis genommen.»

Der Eingang der Baubewilligung sei «nur noch eine Zeitfrage».

Finanzierung stellt eine Herausforderung dar

Die grosse Herausforderung dieses auf zehn Jahre etappierbaren, 13 Millionen Franken teuren Projektes sei die Finanzierung. Gegner würden immer dessen Grösse kritisieren. Wolle man jedoch am Pizol den Skibetrieb langfristig aufrechterhalten und nicht von extremen Schwankungen abhängig sein, komme man um diese Investition nicht herum.

Die wichtigsten Teilprojekte seien der Speichersee Twärchamm sowie die Leitungen nach Pardiel sowie in Richtung Furt. Damit werde gewährleistet, dass die bestehenden Anlagen in den Bereichen Schwamm–Pardiel und Gaffia–Maienberg mit ausreichenden Wassermengen versorgt wer-den können, heisst es.

Ziel: Keine Unterstützung mehr von aussen

Mit diesem Investitionsvorhaben wären wir beim Masterplan Pizol. Kanton und Gemeinden haben ihre Unterstützungsbeiträge im Zeitraum 2018 bis 2023 mit dem Auftrag an die Verantwortlichen verbunden, aufzuzeigen, «wie die Pizolbahnen eigenständig und ohne Unterstützung von aussen betrieben werden können». Unter Beizug von Branchenspezialisten der Grischconsulta AG in Maienfeld ist besagter Masterplan entstanden. Die wichtigsten Schlussfolgerungen daraus lauten:

  • Kurz- bis mittelfristig, das heisst mit der heutigen Anlagenstruktur der Pizolbahnen, ist ein nachhaltig kostendeckender Betrieb nicht möglich, ausser in Jahren mit einem aussergewöhnlich guten Sommer sowie einem Winter mit langen Schönwetterperioden und sehr viel Naturschnee von Weihnachten bis April (wie zum Beispiel im Geschäftsjahr 2018/19).
  • Ein kostendeckender Betrieb ist nur möglich, wenn grosse Investitionen getätigt werden, welche zusätzliches Gästeaufkommen im Sommer und Winter ermöglichen.
  • Für den Sommer ist die Realisierung eines Leuchtturmprojektes erforderlich, welches den Charakter eines klassischen Ausflugsziels hat, zum Beispiel Naturpark Pizol (Biodiversität).
  • Für die langfristige Sicherung des Wintergeschäfts ist die Umsetzung des Beschneiungsprojektes 4.0 zwingend notwendig.
  • Das Pizolplateau (Bereich zwischen Laufböden und Pizolhütte) muss durch ein geschlossenes Fahrbetriebsmittel (Gondel) möglichst umsteige- und barrierefrei erreichbar sein, entweder auf der Achse Wangs–Furt–Pizolplateau oder auf der Achse Bad Ragaz–Mittelsäss–Pizolplateau (ab Mittelsäss mit Abzweiger nach Pardiel).
  • Andere Erschliessungen als über die vorstehend beschriebenen Achsen, wie zum Beispiel eine V-Variante oder eine Y-Variante, sind zu teuer und lassen sich nicht kostendeckend darstellen, ausser Furt oder Pardiel werden nicht mehr angeschlossen.
  • An der Endstation der Bahn auf dem Pizolplateau muss ein Panoramarestaurant mit Hotelzimmern erstellt werden.
  • Bis zur Realisierung der obigen Investitionen fallen nach wie vor Defizite an.

Ob und wie diese Vorhaben finanziert werden können, ist heute offen. Oppliger schreibt:

«Aus diesem Grunde müssen die bestehenden Unterstützungen der Gemeinden bis zu deren Ablauf im Jahre 2023 neu geregelt werden.»

Erste Gespräche dazu würden im Rahmen eines runden Tisches mit sämtlichen «Einheimischen»-Gemeinden erfolgen. Zu diesen gehören Bad Ragaz, Vilters-Wangs, Mels, Sargans, Pfäfers und Wartau. Diese leisten zurzeit einen jährlichen Beitrag von total 540000 Franken. Vom Kanton fliesst im Zeitraum 2018 bis 2020 ein Betrag von insgesamt 900000 Franken an die Pizolbahnen. Es sind – siehe den eingangs erwähnten Jahresabschluss 2019/20 – überlebenswichtige Beträge.

Hinweis: Die Generalversammlung der Pizolbahnen AG findet am Samstag, 31.Oktober, um 16 Uhr in der Sporthalle Bad Ragaz statt. Coronabedingt wird der Anlass aufs juristisch Notwendige beschränkt.