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Junge Dressurreiterin Léonie Guerra: Mit hartem Training zum Erfolg

Léonie Guerra trainiert zwei bis drei Stunden pro Tag im Grabser Dressurzentrum. Daneben besucht sie täglich das Fitnessstudio. Ferien oder Ausgang gönnt sie sich nicht. Der Erfolg ist ihre Belohnung.
Alexandra Gächter
Mit ihrem Pferd Atnon gewann Léonie Guerra dreimal in Folge die Schweizermeisterschaft der Junioren-Dressurreiter (2016, 2017, 2018). (Bild: PD)

Mit ihrem Pferd Atnon gewann Léonie Guerra dreimal in Folge die Schweizermeisterschaft der Junioren-Dressurreiter (2016, 2017, 2018). (Bild: PD)

Das Reiterstübli ist voll mit Pokalen, Medaillen und Turnierfotos. An prominenter Stelle hängt ein Bild an der Wand, das Dressurreiter Otto Hofer in den Achtzigerjahren an den Olympischen Spielen zeigt. Insgesamt drei Olympiamedaillen durfte der Grabser mit nach Hause nehmen.

Im von ihm gegründeten Dressurzentrum trainiert er nun seit vielen Jahren seine Enkelin Léonie Guerra auf Elitepferden. Perfekte Bedingungen also für die 18-jährige Liechtensteinerin. Wer nun denkt, dass mit einem Toptrainer und Toppferden der Weg nach ganz oben ohne grossen Effort möglich ist, irrt gewaltig. Léonie Guerra legt eiserne Disziplin an den Tag. Sieben Tage die Woche, 52 Wochen im Jahr und das seit mehreren Jahren. Jeden Tag arbeitet sie an ihrer körperlichen Fitness und ihren reiterlichen Fähigkeiten. Ferien gönnt sie sich nicht. Auf einer Party war sie noch nie, Ausgang kennt sie nicht, auch ausreiten geht sie nicht. «Ich trainiere mit meinem Opi täglich drei bis vier Pferde. Und egal, ob es sieben Uhr morgens oder spät in der Nacht ist, das tägliche Fitnesstraining gehört dazu.»

Innige Beziehung zu Pferden

So hart Léonie Guerra auch trainiert, so weich wird sie, wenn sie von ihren Pferden erzählt: «Ich liebe meine Pferde und zeige es ihnen», sagt die junge Frau, als sie den Stall betritt. Kaum ist sie bei Turnierpferd Mocca angekommen, legt dieser seinen Kopf in ihre Arme und schmust mit seiner Reiterin. «Obwohl ich keines meiner Pferde bevorzuge, habe ich eine besondere Beziehung zu Mocca. Ihn reite ich seit sechs Jahren. Er ist ein sehr dominantes Pferd. Zu mir hat er so viel Vertrauen, dass er mich ohne Sattel reiten lässt.» Auch zum 74-jährigen Trainer Otto Hofer hat Mocca eine innige Beziehung. Er folgt ihm ohne Halfter auf Schritt und Tritt.

Turnierpferd Mocca reitet Léonie Guerra seit sechs Jahren. Die beiden verbindet eine besondere Beziehung. Mit ihm kann sie ohne Sattel Dressurlektionen reiten. (Bild: PD)

Turnierpferd Mocca reitet Léonie Guerra seit sechs Jahren. Die beiden verbindet eine besondere Beziehung. Mit ihm kann sie ohne Sattel Dressurlektionen reiten. (Bild: PD)

«Vertrauen ist die Essenz von allem und ist für den Erfolg unabdingbar», sagt Léonie Guerra. Dass bei ihr und ihrem Umfeld in den vergangenen Jahren alles gestimmt hat, zeigt der Blick auf ihre Erfolge: Léonie ­Guerra ist dreifache Schweizer Meisterin bei den Junioren. Sie gewann mit ihrem Pferd Atnon 2016, 2017 und 2018. «Die beiden Titelverteidigungen waren schwer. Ich stand unter Druck und musste mir den Sieg ­erkämpfen. Geschenkt wird einem nichts.» Léonie Guerra weist ausserdem Siege bei internationalen Dressurturnieren und gute Platzierungen bei den Europameisterschaften der Junioren auf. Im Februar dieses Jahres schaffte sie den Sprung auf Platz 2 der Junioren-Weltrangliste.

Erstmals Turnierluft schnupperte Léonie ­Guerra im Alter von elf Jahren. Es war ein regionales Turnier für Erwachsene, das sie mit Abstand gewann. Auch ihr erstes internationales Turnier, das sie mit 14 Jahren bestritt, gewann sie auf Anhieb. «Das war ein sehr schöner und unerwarteter Erfolg», erinnert sie sich. Aber selbst das professionellste Umfeld, das härteste Training und die besten Pferde führen allein noch nicht zum Erfolg. «Ganz essenziell ist, dass man gute Sponsoren hat , welche nachhaltig unterstützen.» Während rund acht Wochen im Jahr ist Léonie Guerra für ihre Turniere unterwegs. Pro Monat ergibt das etwa ein bis zwei Turniere. Die internationalen Turniere sind mit sehr viel Aufwand verbunden. «Vor der Abreise ist es stressig. Für die zwei Turnierpferde und die vier mitreisenden Personen muss ein Berg von Pferde- und Reiterequipment gepackt und im Lastwagen verstaut werden. Wir nehmen Gepäck für alle möglichen Notfall­szenarien mit.» Dennoch: Einmal konnte Léonie Guerra krankheits­halber nicht starten und musste in Ungarn ihre Rückreise antreten. ­Zimperlich ist die junge Frau aber nicht.

Konzentration aufrechterhalten

Zu internationalen Turnieren reist das Team 12 bis 14 Stunden. Bei längeren Distanzen wird in zwei Etappen gefahren und unterwegs übernachtet. Grossvater Otto Hofer fährt in einem separaten Auto zusammen mit seiner Frau mit zum Turnier. Während der Grossvater seine Enkelin fachlich unterstützt, ist die Omi die gute Seele, die auf dem Turnier für die ­nötige Ruhe sorgt. «Ohne meine Omi wären wir alle nervös. Sie erdet uns und ist deshalb unverzichtbar.»

Der 74-jährige Otto Hofer trainiert und unterstützt seine 18-jährige Enkelin Léonie Guerra. (Bild: PD)

Der 74-jährige Otto Hofer trainiert und unterstützt seine 18-jährige Enkelin Léonie Guerra. (Bild: PD)

Im Frühling, wenn wegen der Winterpause die nötige Routine fehlt, kann ein grosses Turnier bei der Liechtensteinerin etwas Nervosität auslösen. Die grosse Kunst besteht dann darin, die eigene Nervosität nicht auf das Pferd zu übertragen. «Wichtig ist, dass man nicht hektisch wird und alles sehr bedacht macht. Man darf sich nicht aufregen, wenn etwas nicht funktioniert, und muss das Pferd für seine Bemühungen loben.» Auch das Pferd muss sich erst mit der neuen Umgebung vertraut machen. Äussere Einflüsse können sich negativ auf Pferd und Reiter auswirken. «Die Aufgabe des Trainers und Reiters ist es, das Pferd zu beruhigen und die Harmonie zwischen den beiden aufrechtzuerhalten.» Während der Turnierwoche nimmt sich das Team jeden Abend eine Auszeit. «Wir gehen in ein Hotel, welches möglichst nahe beim Turniergelände ist, und essen alle zusammen in einem Restaurant mit gutem Ambiente. Abends muss ich weg vom Turnier­gelände und vom Stall, um abschalten zu können. Auch achten wir darauf, dass das Hotel einen Fitnessraum hat, damit keine Trainingslücke entsteht.»

Zu Hause angekommen, gönnen sie sich keine Pause. Grossvater Otto Hofer stürzt sich kaum daheim wieder in die Arbeit, und Léonie Guerra muss den verpassten Schulstoff nachholen. «Das ist manchmal etwas stressig.» Übernächstes Jahr möchte Léonie Guerra die Matura abschliessen. Sie besucht das Euregio-Gymnasium in Romanshorn und pendelt mit dem Zug dorthin. Wegen des weiten Weges muss sie bereits frühmorgens das Haus verlassen.

Als wäre es ein Tanz

Von der Schule abschalten kann Léonie Guerra am besten, wenn sie Dressur reitet. «Wenn ich bei meinen Pferden bin, blende ich alles andere aus. Diese absolute Präsenz ist das Schönste an der Arbeit mit den Pferden.» Dressurreiten beschreibt sie als eine Sportart, die Kraft, Ausdauer und Konzentration erfordert, aber auch Balance und Eleganz, um mit dem Pferd jede Figur so leicht und anmutig aussehen zu lassen, als wäre sie ein Tanz.

Léonie Guerras Turnierpferde Atnon, Mocca und Benvenuto werden nur von ihr und Otto Hofer trainiert. Atnon wird in Zukunft vielleicht das Turnierpferd von Léonie Guerras jüngerer Schwester Anaïs. Diese ist gerade mal zwölfjährig und hat vor kurzem die Dressurlizenz bestanden. Auch sie trainiert mit ihrem Grossvater, steht aber noch am Anfang ihrer Karriere. Fokus und Gefühl Otto Hofer fördert die Pferde zusammen mit seiner Schülerin Léonie ­Guerra. Eine Methode, die Otto Hofer anwendet, ist die Arbeit an der Doppellonge. «Diese Methode führt mit wenig Druck auf Pferd und Reiter schneller zu einem positiven Resultat.»

Ob mit oder ohne Doppellonge, entscheidend ist, dass Reiter und ­Trainer jederzeit völlig auf das Pferd ­fokussiert sind. Neben dem Fokus ist das Gefühl des Reiters ausschlag­gebend für den Erfolg. «Die Technik kann man erlernen, aber das Gefühl muss einem in die Wiege gelegt werden. Pferd und Reiter müssen zusammen eine Einheit bilden, nur dann ist man in der Lage, rechtzeitig zu agieren.»

Léonie Guerra liebt alle ihre Pferde gleich. (Bild: Katja Stuppia)

Léonie Guerra liebt alle ihre Pferde gleich. (Bild: Katja Stuppia)

Nächstes Jahr steht der Sprung in die Kategorie Junge Reiter an. Theoretisch könnte Léonie Guerra ab übernächstem Jahr bereits in die ­Kategorie U25 aufsteigen, obwohl sie dann erst 20 Jahre alt ist. Im Jahr dar­auf könnte dann bereits der Aufstieg in die Elite stattfinden. Damit rückt die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris in greifbare Nähe. Auch wenn die Karriereleiter steil ist – Léonie Guerra ist auf dem besten Weg dazu, in die Fussstapfen ihres bekannten Grossvaters Otto Hofer zu treten.

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