Eine Wildhauserin will mit bemalten Steinen Freude bereiten

«CH Rocks – Original» heisst eine Facebook-Gruppe, bei der sich alles ums Steinebemalen und -verstecken dreht.

Corinne Hanselmann
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Mit speziellen Acrylmalstiften bemalt Nadja Hauser die Steine.

Mit speziellen Acrylmalstiften bemalt Nadja Hauser die Steine.

Seit einigen Monaten entwickelt sich das Steinemalen und -verstecken zum neuen Hobby tausender Schweizerinnen und Schweizer. Diesen Trend ausgelöst hat die im vergangenen Sommer von einem Ehepaar aus dem Raum Winterthur gegründete Facebook-Gruppe «CH Rocks – Original». Sie hat mittlerweile über 38000 Mitglieder. Viele von ihnen bemalen Steine und verstecken sie irgendwo im Dorf, in der Stadt oder in der Natur. In der Hoffnung, dass die kleinen Kunstwerke den Findern ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Das Ehepaar ist im USA-Urlaub auf dieses ihnen bislang unbekannte Hobby, das «Rocken» (Englisch für Steine bemalen und verstecken; rock heisst auf Deutsch Stein), gestossen.

Wie die vielen Einträge von gemalten oder gefundenen Steinen im sozialen Netzwerk zeigen, liessen sich auch Leute aus dem W&O-Gebiet vom «Virus» anstecken.

Kunterbunt sind die Steine, die Nadja Hauser bemalt und versteckt. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Kunterbunt sind die Steine, die Nadja Hauser bemalt und versteckt. (Bilder: Corinne Hanselmann)

Über 30 Steine versteckt, aber noch keinen gefunden

Mit Stiften bemalt Hauser die Steine.

Mit Stiften bemalt Hauser die Steine.

Eine von ihnen ist Nadja Hauser aus Wildhaus. Im September hat ihr eine Freundin von «CH Rocks» erzählt und sie in die Facebook-Gruppe eingeladen. «Ich fand es auf Anhieb eine coole Sache und bin seither auch dabei», erzählt Nadja Hauser. Sie rüstete sich mit Malstiften aus und hat seither schon über 30 Steine bemalt und versteckt. Auf die Rückseite schreibt sie jeweils einen Hinweis auf die Facebook-Gruppe «CH Rocks – Original». Denn wenn der Finder dort ein Foto vom Stein postet, sei das für den Künstler eine ganz besondere Freude, sagt Nadja Hauser. «Etwa fünf meiner Steine sind dort wieder aufgetaucht. Ich denke aber, dass die meisten Steine von jemandem gefunden werden. Wenn sie demjenigen nur ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, war es das schon wert.»

Manchmal ergibt sich durch die Form des Steins ein Motiv.

Manchmal ergibt sich durch die Form des Steins ein Motiv.

Selber einen Stein gefunden hat sie übrigens noch nicht. «Aber irgendwann laufe auch ich noch an einen heran», sagt Hauser und lacht. Doch was macht für sie den Reiz an diesem Hobby aus? «Ich finde es lässig, weil es nur darum geht, jemand anderem eine Freude zu machen und es steckt nicht noch eine Charity-Aktion oder sonst etwas dahinter. Ich könnte mir vorstellen, dass es deshalb den Nerv der Zeit getroffen hat und sich so viele beteiligen.»

«Offenbar liegt den Leuten doch noch etwas daran, einfach mal jemand anderem etwas Gutes zu tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten.»

Wer einen Stein findet, kann ihn entweder behalten oder wieder neu verstecken.

Die Steine enthalten einen Hinweis auf die Facebook-Gruppe.

Die Steine enthalten einen Hinweis auf die Facebook-Gruppe.

Die 33-Jährige, die aus Zürich stammt und seit 3,5 Jahren in Wildhaus wohnt, sitzt gerade auf der Terrasse und malt an einem Stein. «Zuerst grundiere ich mit einer Farbe. Nachher kann ich mit Acrylmalstiften darauf malen», sagt sie und kramt in einer Kiste nach dem richtigen Stift. Manchmal gebe die Steinform schon vor, was daraus werden soll, sagt Hauser und zeigt einen als Speck bemalten Stein, ein Brot und einen Schuh. Sonst male sie einfach nach Lust und Laune. «Wenn es mir nach dem ersten Bemalen nicht gefällt, male ich einfach noch einmal drüber.»

Oft versteckt sie die Steine auf dem Hundespaziergang

Wenn die Steine fertig sind, grundiert Hauser sie mit einem Lack, damit sie widerstandsfähiger sind gegen das Wetter. Steine zum Bemalen sammelt sie meistens an der Thur. Oft nimmt sie einen bemalten Stein mit, wenn sie mit Hund Sämi auf einen Spaziergang geht, und legt ihn dann in Wildhaus und Umgebung zum Beispiel auf ein Bänkli, an eine Bushaltestelle oder auf eine Mauer.

«Oft gebe ich dem Stein noch ein Küsschen, bevor ich ihn verstecke, und wünsche mir, dass er jemandem eine Freude macht.»