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Bauarbeiter erhalten Mineralwasser und «Büezertäscha»

Baumeister tragen in den Sommermonaten eine grosse Verantwortung für ihr Personal und werden dieser mit verschiedenen Massnahmen gerecht. Weitere Regulierungen durch die Suva würden nur die Arbeit erschweren.
Armando Bianco
Arbeit an der Sonne und auf der Baustelle: Schutzmassnahmen stehen im Mittelpunkt. (Bild: Benjamin Manser)

Arbeit an der Sonne und auf der Baustelle: Schutzmassnahmen stehen im Mittelpunkt. (Bild: Benjamin Manser)

Die Suva, grösster Unfallversicherer in der Schweiz, hat letzte Woche mehrere Schutzmassnahmen bekanntgegeben, welche ab dem 1. Januar 2019 für alle Arbeiter, die im Freien arbeiten, obligatorisch sind. Damit will man vor allem dem Hautkrebs entgegen wirken, die Suva spricht von täglich drei Fällen in der Schweiz (siehe Kasten).

Für den Schweizerischen Baumeisterverband (SBV) und vom W&O angefragte Baumeister in der Region gehen die obligatorischen Schutzmassnahmen zu weit, die Kritik daran fällt teils heftig aus. «Wir geben die Mitarbeiter seit vielen Jahren gratis Mineralwasser und Sonnencremen ab. Auch werden unsere Mitarbeiter mit UV-geschützten Arbeitskleidern, Suva-Sonnenbrillen, Helmen und Caps durch das Unternehmen ausgerüstet. In Hitzeperioden ermöglichen wir unseren Arbeitern auf der Baustelle, Pausen im Schatten und eine flexible Anpassung der Arbeitszeiten», sagt Ronny Toldo, Mitglied der Gruppenleitung der Toldo Strassen- und Tiefbau AG in Sevelen. Er zielt damit auf die Regulierungen der Suva ab, welche nicht nötig und praxisfremd seien, «denn sie erschweren das sichere Arbeiten unter Verkehr und im Bereich von Baumaschinen.»

Freiwillig Arbeit um die Mittagszeit vermeiden

Von April bis September müssen alle Bauarbeiter bei Tätigkeiten an der Sonne ein T-Shirt tragen. Zudem werden Bauhelme und Mützen mit Nackenschutz und Sonnenblende vorgeschrieben, das gilt für die Monate Juni und Juli. Weiter weisst die Suva in einer speziellen Broschüre darauf hin, dass man alle unbedeckten Haustellen von April bis September wiederholt mit Sonnencreme einreiben muss. Zudem empfiehlt die Suva, auf freiwilliger Basis die Arbeitsplätze bei Sonneneinstrahlung generell abzuschatten, allenfalls auch Arbeiten zwischen 11 und 15 Uhr an der Sonne zu vermeiden.

Der wirksame Schutz vor starker Sonneneinstrahlung sei ein wichtiges Thema, äussert sich der SBV in einer Medienmitteilung. Mit den neuen Regulierungsmassnahmen schiesse die Suva aber übers Ziel hinaus. «Regulierungen aus dem Elfenbeinturm, wie ein obligatorischer Nackenschutz sind aus der Optik des SBV realitäts- und praxisfremd.» Die Baubranche sei generell seit Jahrzehnten stark sensibilisiert für den Arbeiterschutz, so wie kaum eine andere Branche im Land. Dieser Haltung kann sich Robert Geisser, Geschäftsführer von LG Bau in Werdenberg, anschliessen: «Ich stehe zu 100 Prozent hinter diesen Aussagen. Unsere Angestellten bekommen Schutzkleidung, Sonnenbrillen und Sonnencreme. Da müsste man sich ja auch die Frage stellen, wer die Arbeiter denn in ihrer Freizeit ‘kontrolliert’, schliesslich halten Menschen sich auch ausserhalb der Arbeit an der Sonne auf.»

«Entsprechend hoch ist die Eigenverantwortung»

Werner Marty jun., Geschäftsführer der Marty Bauleistungen AG in Azmoos, stellt das Empfinden des Arbeitnehmers an oberste Stelle, wie er auf Anfrage sagt. «Alle Arbeitnehmer erhielten letztes Jahr im Dezember eine neue persönliche Schutzausrüstung und Arbeitskleider in einer eigens entwickelten ‹Büezertäscha›. Weiter wurde jedem Arbeitnehmer in einem persönlichen Gespräch mit der Geschäftsleitung mitgeteilt, dass sie die Arbeiten bei einer aus ihrer Sicht möglichen Unfallgefahr sofort unterbrechen müssen, auch wenn der direkte Vorgesetzte keine mögliche Unfallgefahr sieht und sich an den Abteilungsleiter wenden muss.

Eigenverantwortung und Sensibilisierung werden auch beim Bauunternehmen Toldo hoch gewichtet, wie Ronny Toldo schildert. «Als verantwortungsbewusster Arbeitgeber setzt man generell grosses Augenmerk auf die Einhaltung der Vorschriften und Empfehlungen der Suva. Unsere Mitarbeiter werden regelmässig in den Unfall- und Gesundheitsschutz geschult, dementsprechend hoch sei die Eigenverantwortung.»

Warum in Liechtenstein kein Thema?

Die neuen Suva-Massnahmen hinterlassen bei Werner Marty jun. viele offene Fragen. «Vermutlich geht es nicht um den Schutz der Arbeitnehmer, sondern um eine Verschiebung der Kosten von den Krankenkassen zur Suva, welche auf dem Rücken der Arbeitnehmer im Bauhauptgewerbe ausgetragen wird», führt er aus. Er fragt sich auch, warum das in Liechtenstein kein Thema sei, ob ein Nackenschutz nicht zu einem Hitzestau führe, und ob die Suva diese Massnahmen dank ihrer Einsparungen bezahlen werde. Aus übergeordneter Sicht meint er: «Gibt es nicht wichtigere Themen, welche betreffend Arbeitssicherheit von der Suva zu regeln sind?»

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