Milliardenverlust für Thyssenkrupp: Auch der Standort Eschen ist betroffen

Die Coronakrise setzt Thyssenkrupp zusätzlich zu. Auch der Standort in Eschen mit der Presta ist davon betroffen.

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Der Standort der Thyssenkrupp Presta in Eschen wird langsam wieder hochgefahren.

Der Standort der Thyssenkrupp Presta in Eschen wird langsam wieder hochgefahren.

Bild: Archiv

(jka/awp) Der in der Krise steckende Stahl- und Industriekonzern Thyssenkrupp ist im zweiten Quartal des bis Ende September laufenden Geschäftsjahres 2019/20 noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Die negativen Folgen der Coronapandemie belasteten vor allem das Automobil- sowie das Stahlgeschäft. Dazu machten sich Kosten für die Neuausrichtung bemerkbar. So summierte sich das Minus im Konzern von Januar bis Ende März auf 948 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres – also zusammen mit dem vierten Quartal 2019 – fiel damit ein Verlust von insgesamt 1,3 Milliarden Euro an. Besserung ist dabei nicht in Sicht.

Auch der Standort der Thyssenkrupp Presta in Eschen wurde von der Krise getroffen. Laut Konrad Böcker, Head of Communications der Sparte Automotive Technology, können die Finanzzahlen allerdings nicht auf einzelne Standorte heruntergebrochen werden.

«Es ist aber klar, dass auch die Thyssenkrupp Presta AG derzeit unter dem Coronavirus und den damit verbundenen Stillständen der Kundenwerke rund um den Globus leidet.»

Der Standort in Eschen liege unter den Planzahlen. «Die Frage ist, wie schnell die Autokonjunktur wieder anspringt und die Produktion wieder hochgefahren werden kann», erklärt Böcker.

Nur langsames Hochfahren in Eschen möglich

Am 26. März hat der Standort der Thyssenkrupp Presta in Eschen seine Arbeitszeiten vorübergehend an die aktuelle Abrufsituation der Kunden angepasst. Ferienguthaben und Überzeiten wurden abgebaut. Auch kamen Kurzarbeit und Homeoffice zum Einsatz. Der Grund für die Anpassung der Kapazitäten waren die Produktionsunterbrechungen bei den Kunden aus der Automobilindustrie.

Allmählich werde das Lenkungsgeschäft nun aber wieder hochgefahren, sagt Konrad Böcker. «Die Kundenabrufe nach den Lenkungsprodukten laufen langsam wieder an. Jedoch noch nicht in dem Masse wie ursprünglich geplant.» Mit steigender Produktion bei den Autoherstellern nähere sich auch der Standort in Eschen dem Normalbetrieb wieder an. Wann dieser Zustand allerdings erreicht sei, liesse sich derzeit noch nicht genau abschätzen. So lange müsse man auch an der Flexibilisierung der Arbeitszeit festhalten, erklärt Böcker.

«In Europa und in weiten Teilen der Welt ist die Nachfrage nach Autos derzeit noch gering. In China hingegen steigt die Nachfrage. Dort nähert sich die Produktion dem Normalzustand wieder an.»

Kredit gesichert, um Zeit zu überbrücken

«Die Coronapandemie stellt uns vor gewaltige Herausforderungen.»

Das sagte Konzernchefin Martina Merz am Dienstag in Essen zu den Zahlen. Noch sei das ganze Ausmass der Krise für die Geschäfte von Thyssenkrupp nicht vollständig absehbar. «Aber bereits jetzt wird deutlich, dass die wirtschaftlichen Beeinträchtigungen sehr tiefe Spuren hinterlassen werden.» Der finanzielle Spielraum, den sich Thyssenkrupp durch den milliardenschweren Verkauf des Aufzugsgeschäfts an ein Konsortium um die Finanzinvestoren Advent und Cinven erhofft hat und auch dringend benötigt, wird Merz zufolge wegen der Coronapandemie «deutlich» eingeschränkt. Der Verkauf soll bis Ende des Geschäftsjahres 2019/20 (per Ende September) abgeschlossen werden, dabei hat Thyssenkrupp inzwischen acht kartellrechtliche Freigaben ohne Auflagen erhalten. Um die Zeit bis zum Abschluss zu überbrücken, hat sich das finanzschwache Unternehmen einen Kredit der staatlichen Förderbank KfW sowie weiterer Banken gesichert.

Die Neuausrichtung hin zu einem vom Stahlgeschäft dominierten Konzern treibt Thyssenkrupp weiter voran. «Wir haben einen klaren Plan für die Zukunft erarbeitet und werden die Eckpfeiler dem Aufsichtsrat in der kommenden Woche vorstellen», kündigte Merz an. Die eingeleiteten Restrukturierungen seien auf einem guten Weg.

«Corona bremst zwar die Entwicklung, aber wir drücken weiter aufs Tempo.»

Umsatz dürfte weiter zurückgehen

Der Umsatz sank in den drei Monaten per Ende März im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf 10,1 Milliarden Euro. Der Auftragseingang fiel um 8 Prozent auf 9,5 Prozent. Beim bereinigten operativen Ergebnis (Ebit) musste Thyssenkrupp einen Verlust von 80 Mio. Euro hinnehmen, nach einem Gewinn von 240 Mio. Euro im Vorjahr. Stabilisierend wirkte sich dabei ausgerechnet das zum Verkauf stehende Aufzugsgeschäft aus. Im fortgeführten Geschäft, bei dem die Aufzüge bereits herausgerechnet sind, lag der bereinigte operative Verlust bei 266 Mio. Euro, was massgeblich auf hohe Verluste im Stahlgeschäft zurückzuführen war. Für das zweite Halbjahr ist keine Besserung in Sicht. Der Umsatz im fortgeführten Geschäft dürfte deutlich zurückgehen. Das bereinigte Ebit wird ohne das Aufzuggeschäft «stark negativ erwartet». Im dritten Quartal sei ein Verlust im hohen dreistelligen Millionen-Euro-Bereich «wahrscheinlich» und «bis zu gut einer Milliarde Euro nicht auszuschliessen».