Mehr Jobs und höhere Löhne für die Region

Der Arbeitgeberverein Sarganserland-Werdenberg (AGV) hat in Mels die Resultate der jährlichen Umfrage bei seinen Mitgliedern vorgestellt. Insgesamt 117 von 216 Mitgliedsunternehmen haben sich an der Umfrage 2019 beteiligt

Armando Bianco
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Die Rücklaufquote beträgt 54 Prozent und repräsentiert 60 Prozent der in den Mitgliedsunternehmen beschäftigten Arbeitnehmer. Die Erkenntnisse sind im Grundsatz sehr ähnlich wie diejenigen im Jahr zuvor. Die Unternehmen im Werdenberg und Sarganserland sind mit Blick auf das Jahr 2020 verhalten optimistisch. Die Löhne werden um durchschnittlich 0.75 Prozent und in der Mehrheit der Unternehmen angehoben.

Satte 88 Prozent der Unternehmen rechnen damit, dass sich im Jahr 2020 die Anzahl der Arbeitsplätze, der Auftragseingang und das Investitionsvolumen im Vergleich mit dem Vorjahr halten oder leicht verbessern werden.

Wenn es ennet der Grenze auch brummt

Die Hauptsorgen bleiben der seit Jahren anhaltende Fachkräftemangel (über alle Sektoren hinweg) und die Bürokratie auf kantonaler Ebene. «Das beschäftigt uns seit Jahren und wird es wohl noch lange tun», glaubt AGV-Präsident Markus Probst aus Bad Ragaz. Sein Verband repräsentiert rund einen Fünftel aller Arbeitsplätze in beiden Regionen. In der Ostschweiz und den Nachbarländern herrsche ein fast schon «brutaler Kampf» um die besten Fachkräfte. Vor allem auch, seit es in Vorarlberg oder Süddeutschland derart gut läuft, dass es weniger qualifizierte Angestellte in die Schweiz lockt.

176 neue Jobs und viele gute Beispiele

Aus regionaler Sicht besonders erfreulich ist für Markus Probst der beabsichtigte und spürbare Stellenausbau einiger Unternehmen. Wie die Umfrage zeigt, sollen 176 neue Jobs geschaffen werden - «in verschiedenen Branchen, das stimmt optimistisch». Geht es den grossen Playern wirtschaftlich gut, dann stimmt die Lage auch bei den KMU. Diese Binsenweisheit hat sich in der Schweiz in Vergangenheit schon oft genug bewiesen. Oder wie es AGV-Sekretär Christian Eggenberger vor den Medien ausdrückte: «Wenn die Börse Rekordstände erreicht, geht es den meisten KMU in der Regel gut».

Die Industrie, der Bau und der Sektor Dienstleistung sehen Wachstumschancen. «Im Werdenberg und Sarganserland haben wir einen breiten Branchenmix, das macht die Region unabhängiger, so AGV-Präsident Markus Probst (Bad Ragaz). Sehr erfreulich sei, dass momentan verschiedene Branchen optimistisch in die Zukunft blicken. Der Präsident führte vor den Medien als Beispiele die Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland auf, welche anhaltend mit Wachstum rechnet, das Skigebiet Flumserberg, das sich von den Ausbauprojekten viel erhofft, und die noch nicht so lange in Trübbach ansässige Evatec, die gut positioniert sei im Markt.

Nach Abzug der Teuerung bleibt Reallohnerhöhung

Die dem regionalen AGV angeschlossenen Unternehmen erhöhen die Lohnsumme im Durchschnitt um 0,75 Prozent, was dem schweizerischen Mittel entspricht. Rund die Hälfte plant allerdings nur kleine bis gar keine Lohnerhöhungen. Acht von 117 Unternehmen wollen die Lohnsumme um zwei oder mehr Prozent anheben. Diese Ausreisser nach oben findet man in der Industrie und auch im Bau. «Die Tendenz ist allerdings nicht mehr im gleichen Mass wie in früheren Jahren spürbar, denn die Frankenunsicherheit wird aktuell wieder zum Thema», weiss Markus Probst. Und weiter: «Die geplanten Lohnerhöhungen liegen im Schnitt im Bereich des Vorjahres. Bei einer aktuellen Teuerung von zirka 0,4 Prozent und einer prognostizierten Teuerung von 0,1 Prozent für das Jahr 2020 ist das klar eine Reallohnerhöhung».

Die Regionen kämpfen um die Fachkräfte

Ein Teil der Mitgliederumfrage widmet sich stets den aktuellen Sorgen der Arbeitgeber. Denn auch eine brummende Wirtschaft kann vorausblickend von Unsicherheiten geplagt sein. Dauerbrenner bei den Sorgen ist in allen Branchen der latente Mangel an Fachkräften. «Weil es in Vorarlberg, Süddeutschland und anderen Teilen Europas wirtschaftlich immer besser läuft, zieht es auch nicht mehr so viele Fachkräfte in die Schweiz. Diese Konkurrenz spüren die Arbeitgeber sehr stark», sagt Arbeitgeber-Präsident Markus Probst. Ein fast schon «brutaler Kampf» um Fachkräfte herrsche unter den Regionen in der Ostschweiz. Alle versuchten, ihre Vorzüge noch mehr in den Vordergrund zu stellen und Argumente zu liefern, um qualifizierte Arbeitnehmer anzulocken.

Den Südteil des Kanton St. Gallen sieht Markus Probst aber nicht unbedingt im Nachteil:

«Das Familienleben, die Freizeitgestaltung und eine attraktive Natur werden bei der jungen Generation, die nach einer Work-Life-Balance strebt, immer wichtiger. Aus dieser Optik sind wir in der Region gut aufgestellt.»

Bürokratie des Kantons macht Sorgen

Zunehmend als Belastung empfunden werden im Baubereich die hohe Bürokratie und komplexe Bewilligungsverfahren, wobei sich dieses Empfinden mehr auf den Kanton denn auf Gemeinden richte. Angesprochen auf politische Mittel, um in diesem Bereich Gegensteuer zu geben, sieht Markus Probst auf regionaler Ebene nur sehr beschränkten Einfluss. Hingegen habe die Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen-Appenzell das Thema Bürokratie auf ihrem Radar und werde auch aktiv.

In der Industrie ist auch die Frankenstärke wieder vermehrt in den Fokus gerückt, wie das Sorgenbarometer der Umfrage weiter zeigt. Im Sektor Dienstleistungen fehlt es ebenfalls stark an Fachpersonal, zudem stellt man eine vermehrte Einkaufsverlagerung ins Ausland fest.

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