Mehr Gesuche für Häuser in der W&O-Region +++ Umbauten sind dominant

Die Gesamtzahl der Baugesuche für Neubauwohnungen ist im 2019 im Werdenberg gegenüber 2018 gesunken.

Hanspeter Thurnherr
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Baugesuche in der Stadt Buchs sind oft mit dem Abbruch eines alten Hauses verknüpft.

Baugesuche in der Stadt Buchs sind oft mit dem Abbruch eines alten Hauses verknüpft.

Bild: Thomas Schwizer

Im vergangenen Jahr sind in den sechs Werdenberger Gemeinden Baugesuche für 57 Einfamilienhäuser (im Vorjahr 44) und für 32 Mehrfamilienhäuser (Vorjahr 30) eingereicht worden. Doch wurden 2018 in den 30 Mehrfamilienhäuser mit 235 Wohneinheiten deutlich mehr als 2019 (193 Wohneinheiten) bewilligt. Dies konnten die etwas mehr Einfamilienhäuser (EFH) nicht ausgleichen.

Statistik wird durch einige wenige Baugesuche beeinflusst

Entscheidend für die vielen Wohneinheiten im 2018 waren die
11 Mehrfamilienhäuser (MFH) in Grabs und Sennwald mit ihren insgesamt 141 Wohneinheiten. 2019 wurden in diesen beiden Gemeinden deutlich weniger Baugesuche für Wohneinheiten eingereicht. Am meisten waren es dafür in Buchs (siehe Tabelle). Diese Beispiele zeigen, wie die Statistik durch einige wenige Baugesuche stark beeinflusst wird.

Auffallend ist, dass 2019 in keiner Gemeinde weniger Baugesuche für Einfamilienhäuser eingereicht wurden als 2018, in einigen aber deutlich mehr.

Kleinere Vorhaben wie Schöpfe oder Solaranlagen dominieren

Die Bauverwaltungen wiesen aber darauf hin, dass diese wenigen Kategorien nichts aussagen über die Gesamtzahl aller Baugesuche. Dies zeigt sich beispielhaft in Sennwald. So waren es im vergangenen Jahr 179, im Jahr davor 175 Baugesuche. Die meisten betreffen kleine Vorhaben wie Heizungssanierungen, Holzschöpfe oder Solar- und Photovoltaikanlagen. In den letzten elf Jahren waren es regelmässig zwischen 160 und 190 Gesuche. Was grössere Wohnbauvorhaben anbelangt, stechen aber die Jahre 2010 (19 EFH und 7 MFH) und 2014 (15 EFH und 9 MFH) hervor.

Gesuche für kleinere Vorhaben prägen die Statistik

Der W&O erfragte bei den sechs Werdenberger Gemeinden und in Wildhaus-Alt St.Johann die Zahlen über Baugesuche bei Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie Industrie- und Gewerbebauten in den vergangenen zwei Jahren (siehe Tabelle). Doch gab es von den Bauverwaltern ergänzende Kommentare.

Die Baugesuche nur für diese wenigen Kategorien ergäben kein vollständiges Bild, sagte der Wartauer Bauverwalter Matthias Hänni. Insgesamt seien in seiner Gemeinde die Gesuche stark zunehmend, vor allem wegen Umbauten und Umnutzungen.

Ähnlich tönt es beim Sennwalder Bauverwalter Patrick Kluser. Auch er verzeichnet viele Baugesuche für Umbauten und Sanierungen für alte Bauten. Viele Gesuche, dies zeigt die Auflistung der Baubewilligungen von 2018 und 2019, betreffen kleine Vorhaben: von Garagebauten über Garten- und Gerätehäuser, Heizungssanierungen, Solar- und Fotovoltaikanlagen bis zu Sitzplätzen, Silos oder Jauchekästen.

Die Zahl aller Gesuche schwankt stark

Die Zahlen der Baugesuche seien zufällig und sagten wenig aus, sagt der Seveler Bauverwalter Roger Fischbach. Denn es heisse nicht, dass sie auch bewilligt werden. Manchmal würden sie zurückgezogen und das Bauvorhaben gar nicht realisiert. Auch die Zahl aller Gesuche schwanke stark. Bei den Industrie- und Gewerbebauten seien nicht alles Neubauten, sondern oft Anbauten.

Armin Wessner, Leiter der Bauverwaltung Gams, spricht von extremen Schwankungen bei den Baugesuchen für Wohneinheiten.

«Eine einzige Überbauung kann die Statistik stark beeinflussen. So hatten wir vor drei Jahren Gesuche für 50 neue Wohneinheiten.»

Insgesamt werden in Gams jährlich rund 100 Baugesuche eingereicht. Die Grabser Zahlen in der Tabelle sind die bewilligten Gesuche für Neubauten. «Bei den Industriebauten handelt es sich um kleinere Einstellhallen. Wir haben in den letzten zwei Jahren einen Rückgang der Baugesuche im Neubaubereich festgestellt. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass auf dem Markt nach wie vor kein respektive sehr wenig Bauland erhältlich ist», erklärt Bauverwalter Thomas Lippuner. Insgesamt werden in Grabs pro Jahr rund 200 Baugesuche bewilligt, diese Zahl sei in etwa stabil.

In Buchs ist es schwierig, Bauland zu bekommen

Im Sommer 2019 seien bei der Bauverwaltung Buchs viele Baugesuche eingereicht worden, sagt deren Leiter Beat Wildhaber. Allein bei Mehrfamilienhäusern waren es 59 Wohneinheiten. Das Rekordjahr war allerdings 2017 mit insgesamt (Einfamilienhäuser eingeschlossen) 175 Wohneinheiten, wie der Bericht in der Jahresrechnung zeigt. Hier lässt der Lindenpark in Räfis grüssen.

In den Jahren 2014 bis 2016 lagen die Zahlen deutlich tiefer, wobei 2014 mit nur 18 Wohneinheiten heraussticht. Zuvor war 2013 mit 112 Wohneinheiten ein starkes Baujahr. Die Zufälligkeit, welche Grossprojekte gerade in einem bestimmten Jahr baureif sind, führen zu diesem Auf und Ab. Wildhaber weiss:

«In Buchs ist es heute extrem schwierig, Bauland zu bekommen. Oft ist ein Baugesuch deshalb gleich mit einem Gesuch für einen Abbruch eines alten Hauses verknüpft.»

Viele Baugesuche durch Einsprachen blockiert

Wie Gemeindepräsident Rolf Züllig sagt, waren es in Wildhaus-Alt St.Johann vor 2012/13 zwischen 25 und 30 Gesuche für Wohneinheiten.

«Durch das Zweitwohnungsgesetz und das neue Raumplanungsgesetz ist die Zahl markant eingebrochen, auf 10 bis 12 Wohneinheiten.»

Ein einziges Baugesuch für 7 Mehrfamilienhäuser mit 42 Wohneinheiten habe allerdings 2018 die Statistik über den Haufen geworfen. «Viele Bodenbesitzer versuchen noch, ihr Bauland zu verflüssigen, bevor die vom Gesetz erzwungene Auszonung kommt. Doch wird bei uns praktisch jedes Baugesuch durch Einsprachen blockiert», schliesst Züllig.