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Mathias Schindlers Vermächtnis in Sevelen nach 43 Jahren

Seit 1976 war Mathias Schindler Leiter des Seveler Grundbuchamtes und hat dabei sechs Gemeindepräsidenten erlebt. Nun geniesst er die Freiheiten der Pension.
Heini Schwendener
Der Gartenzaun sollte erneuert und die Bilder der letzten Reisen sortiert werden: Mathias Schindler geht auch nach seiner Pensionierung die Arbeit nicht aus. (Bild: Heini Schwendener)

Der Gartenzaun sollte erneuert und die Bilder der letzten Reisen sortiert werden: Mathias Schindler geht auch nach seiner Pensionierung die Arbeit nicht aus. (Bild: Heini Schwendener)

Am 1. Februar 1976 hat Mathias Schindler (Jahrgang 1955) nach seiner KV-Lehre im Buchser Rathaus und zwei Jahren im dortigen Grundbuchamt seine neue Stelle in Sevelen angetreten. Sieben Monate später wurde er – nach erfolgreicher Diplomprüfung – Grundbuchverwalter von Sevelen. Mit 21 Jahren war er einer der jüngsten im Kanton.

«Als ich 1976 das Grundbuchamt übernommen habe, haben im Rathaus chaotische Verhältnisse geherrscht»

erinnert sich Schindler, es gab nämlich krankheitsbedingte Ausfälle des damaligen Grundbuchverwalters. Der 21-Jährige wurde ins kalte Wasser geworfen – doch dabei lernt man bekanntlich schwimmen.

Erfolgreicher Baumeister gegen den Neuling im Amt

Noch genau erinnert er sich an seine Anfänge zurück. Schnell kam es wegen eines Grundbuchgeschäfts zu Meinungsverschiedenheiten zwischen einem angesehenen Bauunternehmer und dem jungen neuen Grundbuchverwalter.

Schindler hat selbstbewusst auf seiner Position beharrt, das Gespräch wurde laut und der Baumeister machte Einsprache. Mathias Schindler erhielt aber Recht. «So habe ich mir meine Position erarbeitet», sagt Schindler im Rückblick. Mit dem Baumeister habe er sich danach übrigens auch wieder gut verstanden.

Bauer im Glarnerland war die Alternative

In glarnerischen Rüti aufgewachsen, war eine Arbeit im Rathaus nicht sein Berufswunsch. Dem Jugendlichen schwebte vor, Bauer oder Lehrer zu werden.

In seiner Anfangszeit als Grundbuchverwalter musste Mathias Schindler hart um mehr Personal kämpfen. Denn es gab unglaublich viele Pendenzen, die älteste unerledigte Mutationsurkunde bei seinem Amtsantritt «feierte» bereits ihr 10-Jahr-Jubiläum. War Schindler im Militär oder in den Ferien, dann konnte niemand seine Arbeit erledigen. Ausserdem stand die Bereinigung des Grundbuches an. «Ganze Beigen von Arbeit türmten sich auf», erinnert sich Schindler, «ich brauchte also dringend Unterstützung.»

Wäre sie ihm nicht genehmigt worden, hätte Schindler seinen Krisenplan aktiviert:

«Ich hätte Sevelen verlassen und wäre wohl Bauer im Glarnerland geworden. Der Schwiegervater hatte mir bereits eine Kuh versprochen.»

Aus Schindler wurde aber kein Bauer, sondern ein Langzeit-Grundbuchverwalter.

In diesem Frühjahr, nach mehr als 43 Jahren in der Gemeindeverwaltung, ist er mit 64 in Pension gegangen. Heute blickt Mathias Schindler auf eine bewegte, lehrreiche, interessante und schöne Zeit im Rathaus zurück. Sechs Gemeindepräsidenten hat er erlebt, auch den absoluten Tiefpunkt unter Cornelius Bärtsch, als die Gemeinde fast ein Jahr lang führungslos war.

20'863 Grundbuchbelege in 285 Bundesordnern

Dank seiner Akribie und seiner Affinität zu Zahlen konnte er beim Abschied im Rathaus sein Vermächtnis sehr genau beziffern: Mehr als 80'000 Stunden hat Schindler in über vier Jahrzehnten im Rathaus gearbeitet. In 285 Bundesordnern mit einer Länge von 23,3 Laufmetern haben sich in dieser Zeit 20'823 Grundbuchbelege angehäuft.

Die Kernaufgaben des Grundbuchverwalters blieben in rund 43 Jahren gleich, aber dennoch gab es einschneidende Veränderungen. So gab es früher beispielsweise noch keine Vermessung des Berggebietes, sondern nur Luftaufnahmen mit Grenzbeschrieben gegen Norden, Osten, Süden und Westen.

Eidgenössisches Grundbuch und Reorganisationen

Am 1.Februar 1987 trat das eidgenössische Grundbuch in Kraft und grosse gesetzliche Veränderungen mit dem neuen Eherecht (1988), dem bäuerlichen Bodenrecht (1994) und der Reorganisation des Schätzungswesens (2001) hatten Einfluss auf die Arbeit des Leiters des Grundbuchamtes.

Schindler war auch in anderen Bereichen der Verwaltung tätig, so als Stellvertreter der Gemeinderatskanzlei mit den Nebenaufgaben Zivilstandsamt, Sektionschef, Pferdekontrollführer, Bausekretariat, Planungskommission, Gemeindestelle für Landesversorgung usw. Die Arbeit ging ihm also nie aus.

Biken, Wandern, Buchhalter für die EMK

Nun geniesst Mathias Schindler seinen Ruhestand, seine Frau ist noch berufstätig. Langweilig sei es ihm aber noch nie geworden, sagt er mit einem Lächeln. Spaziergänge, Wanderungen und Biketouren geben seinen Tagen eine Struktur. Weiterhin führt er, nun mit mehr Zeit als früher, die Buchhaltung der EMK (Evangelisch-methodistische Kirche) Sevelen, «wo meine geistliche Heimat ist».

Auch sozial engagiert sich Mathias Schindler, er hat zwei Beistandschaften der Kesb übernommen. Erstmals hat er heuer zudem Holz selber gerüstet. Und zu tun gibt es immer: Der Gartenzaun sollte erneuert und die Bilder der letzten Reisen sortiert werden.

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