Markus Wieland ist ein passionierter Hundesportler

Seit rund 25 Jahren ist Markus Wieland aus Frümsen begeisterter Hundehalter. Mit seiner Deutsche-Schäferhunde-Zucht «vom Schloss Forstegg» sowie auch im Hundesport durfte er in dieser Zeit beachtliche Erfolge erzielen.

Andrea Müntener-Zehnder
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Hunde sind vollwertige Familienmitglieder, werden aber nicht vermenschlicht: Markus Wieland aus Frümsen hat eine grosse Leidenschaft. (Bild: Mareycke Frehner)

Hunde sind vollwertige Familienmitglieder, werden aber nicht vermenschlicht: Markus Wieland aus Frümsen hat eine grosse Leidenschaft. (Bild: Mareycke Frehner)

«Keine Angst, alle Hunde sind im Garten eingezäunt und kommen nicht bis vors Haus.» Mit diesen Worten begrüsst Markus Wieland den W&O. Tatsächlich, das Einfamilienhaus in Frümsen ist von einem robusten Zaun umgeben. Durch diesen und auch durch die Ruhe, die Markus Wieland bereits bei der Begrüssung ausstrahlt, ist die Angst der Besucherin schnell verflogen, auch wenn im Hintergrund noch ein kurzes Bellen der Hunde ertönt.

Am gemütlichen Küchentisch erzählt der 58-Jährige, wie er zu seinen Hunden kam: «Zu Hause in Buchs, als ich noch ein Bub war, gehörte immer ein Hund – ein Deutscher Schäfer – zur Familie. Ich kannte das nicht anders und fand das grossartig. Für mich war klar, dass auch ich später mit meiner eigenen Familie einen Deutschen Schäferhund halten werde.

Frau vor vollendeten Tatsachen

Nur Monika, meine Frau wusste damals noch nichts davon.» Seine Frau hatte bis dahin kaum Berührungspunkte mit Hunden. «Eine Hundegegnerin war sie nicht, doch musste ich sie im Jahr 1992 mit dem heimlichen Kauf eines Zwingers schlichtweg vor vollendete Tatsachen stellen.» Die Erinnerung an damals entlockt Markus Wieland ein schelmisches Grinsen. Mittlerweile muss er nichts mehr heimlich anstellen, um seine Frau zu überzeugen. Sie pflegt, umsorgt und verwöhnt die Hunde im Privatbereich, was diese sehr geniessen und ihnen einen Ausgleich zur regelmässigen Ausbildung gibt. Ein Leben ohne die Vierbeiner könnte sich auch Monika Wieland nicht mehr vorstellen.

Die ersten Versuche im Hundesport

Die ersten Versuche im Hundesport unternahm Markus Wieland 1992 mit seinem ersten Hund «Yalk von den schwarzen Seeperlen». Drei Jahre später kam der Rüde «Fado vom Ritterland» dazu, welchen er bis zu IPO 3 ausbildete. Fado zog sich im Sport eine schwere Verletzung zu, von welcher er sich nie ganz erholte. So wurde er zum Familienhund. Hundesport sagte dem Frümsner zu, so entschloss er sich kurze Zeit später für den Kauf der Hündin «Aika vom Hirschlensee».

«Als ich noch ein Bub war, gehörte ein Deutscher Schäfer immer zur Familie.»

«Das war ein Goldgriff», schwärmt Markus Wieland über seine erste Hündin. «Mit ihr konnte ich sehr grosse Erfolge im Sport verbuchen. Sie qualifizierte sich fünf Mal für die WUSV- und FCI-Weltmeisterschaften.» (WUSV: Weltunion, der Verein für Deutsche Schäferhunde, FCI: Fédération Cynologique Internationale, der grösste kynologische Dachverband). Im Jahr 2004 wurde Aika an der Weltmeisterschaft in Eindhoven mit Rang 25 als beste Hündin der Welt ausgezeichnet, vor ihr klassierten sich 24 Rüden. «Diese Auszeichnung macht mich noch heute unglaublich stolz!» Nebst den Weltmeisterschaften bestritt Aika auch zehn Schweizer Meisterschaften. Die beste nationale Platzierung war der 3. Rang. Nach sieben Jahren im Hundesport, entschloss sich Markus Wieland, seine Hündin zu pensionieren. «Aika war jahrelang sehr grossen Beanspruchungen ausgesetzt, was vergleichbar mit Spitzensport ist.» Auch die nachfolgenden Hunde wurden regelmässig an Prüfungen und Turnieren auf nationaler und internationaler Ebene vorgeführt.

Markus Wieland ist begeistert von Schäferhunden. (Bild: Mareycke Frehner)

Markus Wieland ist begeistert von Schäferhunden. (Bild: Mareycke Frehner)

Der Traum vom eigenen Zwinger

Zeitgleich zu den Erfolgen mit Aika machte sich Familie Wieland Gedanken um einen Nachkommen dieser Top-Hündin. Da sie noch keinen eigenen Zwingernamen hatten, entschlossen sie sich, den ersten Wurf unter dem Zwingernamen «vom Hirschlensee» zu machen, mit diesem Züchter waren sie sehr gut befreundet. Aika wurde in Belgien mit einem passendem Rüden gedeckt und warf im April 2003 drei Welpen. Für die eigene Zucht liessen sie den Zwingernamen «vom Schloss Forstegg» weltweit nach Standard FCI schützten, damit alle Welpen einen offiziellen Stammbaum erhalten. Wielands sind sehr bedacht beim Decken ihrer Hündinnen. «Eigentlich sind wir ein bisschen egoistisch, wir züchten vor allem für uns. Die Deckpartner für unsere Hündinnen werden nach strengen Kriterien ausgesucht: Gesundheit, Leistung und Wesen sind Hauptkriterien.

"Es ist wichtig, soziale Hunde zu züchten, sei es für Sport, Dienst oder Privatgebrauch".

Da kann es schon vorkommen, dass der geeignete Rüde 1000 Kilometer weit weg ist. Dank den Erfolgen der Hunde ‹vom Schloss Forstegg› bei Prüfungen – im Sport oder Diensthundebereich – kennt man uns in der Hundeszene», so der leidenschaftliche Hundezüchter. «Wir legen auch grossen Wert auf die Gesundheit und das Wesen bei unseren Wurfpaarungen. Es ist wichtig, soziale Hunde zu züchten, sei es für Sport, Dienst oder für den Privatgebrauch.»

Offizieller Diensthund im Saxerriet

Es folgten neun Würfe mit 39 Welpen. «Wenn unsere Welpen nach zehn Wochen den neuen Besitzern übergeben werden, ist vor allem meine Frau extrem traurig. Jedem einzelnen Welpen weint sie nach. Hundehaltung und Zucht, so wie wir das machen, geht nur im Team. Ohne ihre grosse Unterstützung und Mithilfe wäre es schlicht und einfach nicht machbar.»

Aktuell leben im Hause Wieland in Frümsen drei Deutsche Schäferhunde: Inouk, Java und Kenai «vom Schloss Forstegg». Inouk ist bereits in Pension und Kenai, der eineinhalbjährige Rüde, wird auf seine Prüfungen im Hundesport vorbereitet. Der knapp sechsjährigen Hündin Java kommt eine grosse Ehre und Aufgabe zuteil. Sie ist nicht nur Familien- und Schutzhund, sondern darf sich offiziell Diensthund der Strafanstalt Saxerriet nennen.

Ideale Bedingungen: die erfolgreiche Zucht «vom Schloss Forstegg». (Bild: Mareycke Frehner)

Ideale Bedingungen: die erfolgreiche Zucht «vom Schloss Forstegg». (Bild: Mareycke Frehner)

Eine Betäubungsmittel-Spürhündin

«Bedingt durch meinen Job als Mitarbeiter des Betreuung s- und Sicherheitsdienstes in der Strafanstalt Saxerriet schwirrte mir eine Idee schon länger im Kopf herum: Besteht die Möglichkeit, einen Hund mit zur Arbeit zu nehmen und ihn dort einzusetzen?» Ja – diese Möglichkeit besteht seit einem Jahr! Nach einer dreimonatigen Testphase wurde ein Diensthund in der Strafanstalt von der Direktion bewilligt. «Die Testphase war wichtig. Wie wird der Hund akzeptiert? Niemand konnte ahnen, wie das Personal und die Insassen auf einen Hund in ihrem Alltag reagierten. Ich war sehr glücklich, dass es von allen Seiten positive Rückmeldungen gab», erinnert sich Wieland zurück. Somit stand der Ausbildung zu einer Betäubungsmittelhündin nichts mehr im Wege.

"Es nützt keinem was, wenn ich Bürodienst habe und Java acht Stunden lang unter meinem Schreibtisch sitzt".

Ab Januar 2017 nahm Markus Wieland mit Java an den Trainings der Betäubungsmittelspürhundegruppe der Kantonspolizei St. Gallen teil und wurde als einziger «Nicht-Polizist» in den Polizeihundeführerverein aufgenommen. Dort wurde er sehr gut integriert und akzeptiert. «Ich bin mir bewusst, dass dies ein ausserordentliches Privileg ist. Dieser Verein ist ansonsten ausschliesslich für Polizisten und ihre Einsatzhunde bestimmt», so Wieland. Im Anschluss an die Aufnahme absolvierten die beiden erfolgreich den Grundkurs für Betäubungsmittelspürhunde, ebenfalls bei der Polizei. Den Einsatztest als Betäubungsmittelspürhund bei der Kantonspolizei hat Java im März 2018 erfolgreich bestanden, war somit einsatzbereit für den Dienst in der Strafanstalt Saxerriet. «Selbstverständlich kommt sie nicht täglich mit zur Arbeit, das ist von meinen Dienst abhängig. Es nützt keinem etwas, weder der Anstalt noch der Hündin, wenn ich Bürodienst habe und Java acht Stunden lang unter meinem Schreibtisch sitzt», so der Fachmann für Justizvollzug.

Rudelhaltung mit viel Auslauf

Die Einsätze von Java im Saxerriet können ganz unterschiedlich sein. «Es kann sein, dass ein konkreter Verdacht auf Betäubungsmittel besteht. Ich erhalte jedoch auch spontan den Auftrag, eine Zelle, einen Estrich oder einen andern Raum nach Betäubungsmittel abzusuchen», erzählt der Hundehalter. Oft wird Java auch im Gelände eingesetzt, um mögliche Bunkerverstecke aufzuspüren. Und Java findet alles. Sie weiss wie Kokain, Heroin, Amphetamin oder Marihuana riecht und ist darauf abgerichtet, diese Drogen aufzuspüren. Dafür trainieren sie und ihr Herrchen mehrmals monatlich in der Freizeit und zusammen mit der Polizeihundestaffel. «Ich bin sehr dankbar, dass ich in der Strafanstalt Saxerriet die Zusatzfunktion Diensthundeführer ausüben darf und weiss es sehr zu schätzen, dass mir dies ermöglicht wurde.»

Reisetauglich: Dieser spezielle Anhänger ermöglicht den Schäferhunden einen stressfreien Transport. (Bild: Mareycke Frehner)

Reisetauglich: Dieser spezielle Anhänger ermöglicht den Schäferhunden einen stressfreien Transport. (Bild: Mareycke Frehner)

Zuhause ist Java nicht mehr Betäubungsmittelspürhund, sondern nur noch Familienhund, wie ihre beiden «Gspänli» Inouk und Kenai. Mit allen drei gibt sich der Hundesportler täglich intensiv ab. Regelmässiges Training und Bewegung ist sehr wichtig. Das Spezielle an Wielands Hunden ist sicherlich die Rudelhaltung. «Die drei Hunde haben ums Haus rund 300 Quadratmeter Auslauf und sind so die meiste Zeit zusammen. Wir haben keine getrennte Zwingerhaltung und geschlafen wird drinnen. Dort hat jedes Tier seine eigene Schlafbox. Obwohl meine Frau nie einen Hund im Wohnbereich wollte, kann es durchaus vorkommen, dass die Küche oder das Wohnzimmer von allen drei Hunden bevölkert wird, wenn ich von der Arbeit heimkomme. Das lässt mich manchmal schmunzeln.»

"Obwohl die Hunde vollwertige Familienmitglieder sind, bleiben sie Tiere. Sie werden von uns nicht vermenschlicht".

Wielands ohne Hunde gibt es nicht, sie sind auch dabei, wenn sie mit ihrem Wohnmobil unterwegs sind. Für den Transport besitzen sie einen speziellen Thermohundeanhänger mit Belüftung, damit sich die Hunde auch unterwegs wohlfühlen. In einem weiteren Punkt ist sich das Hundehalterpaar einig: «Obwohl die Hunde vollwertige Familienmitglieder sind, bleiben sie Tiere. Sie werden von uns nicht vermenschlicht.»

Harmonie zwischen Mensch und Hund als grösstes Ziel

Als Ziel des Hundesportes wird die grösstmögliche Harmonie zwischen Mensch und Hund gesehen. Der Einstieg in den Schutzhundesport erfolgt zwingend über die Begleithundeprüfung mit einer Wesensüberprüfung. Es bestehen nationale und internationale Wettkämpfe, in denen die Hunde in verschiedenen Bereichen geprüft werden. Neben Unterordnung und Fährte gehört auch der Schutzdienst dazu. Diese Prüfungen bezeichnet man als Internationale Gebrauchshundeprüfungen (IGP) und werden in den Stufen 1 bis 3 abgelegt. Ein Hund, der in diese Ausbildungsstufe eine Prüfung erfolgreich bestanden hat, wird allgemein als Schutzhund bezeichnet. (am)