Der Markt in Grabs ist für die Marktfahrer eine Werbeplattform und ein «Schaufenster»

Der Gamser Imker Lorenz Huber prägte zwölf Jahre lang als Marktchef den «Werdenberger Buuramart» mit.

Hanspeter Thurnherr
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Der Imker Lorenz Huber wohnt in Gams.Bild: Hanspeter Thurnherr Am eigenen Stand: Lorenz Huber unterhält sich mit Kunden.

Der Imker Lorenz Huber wohnt in Gams.Bild: Hanspeter Thurnherr Am eigenen Stand: Lorenz Huber unterhält sich mit Kunden.

Bild: PD

Zwar spürt man hoch oben, im Gebiet Schneggen über Gams, dort wo einst das Kurhaus Bad stand, kaum einen Unterschied zu den Vor-Coronazeiten. Denn idyllisch ruhig ist es hier auch sonst. Trotzdem spürt Lorenz Huber die Auswirkungen ebenfalls:

«Der Hausverkauf in Selbstbedienung von Honig hat merklich angezogen.»

Auch seine Frau Katrin, welche Naturkosmetik herstellt, erhält von ihren Kunden vermehrt Bestellungen schriftlich oder online. Denn etliche Märkte, an denen Lorenz und Katrin Huber einen grossen Teil ihrer Produkte verkaufen, sind abgesagt. Und so versenden sie mehr Päckli – oder diese werden hier oben abgeholt.

Lorenz Huber ist seit seiner Jugend Imker aus Leidenschaft, die er später zu seinem Beruf machte. Alles begann, als er als 15-Jähriger und damals weitaus Jüngster im Kanton Baselland den Imkerkurs besuchte. Von einem pensionierten Lehrer erhielt er einige Bienenkästen und ein paar Völker. Es gelang ihm, diese auch dank einiger Schwärme zu vermehren. Sein Glück: «Es war gleich ein bombastisches Honigjahr. Ich hatte richtiges Anfängerglück und konnte mit den Einnahmen alle Ausgaben finanzieren.»

Mehrere Jahre auf der Alp

Huber las immer alles über Bienen, was ihm in die Hände kam. Er absolvierte die Ausbildung zum Landwirt und arbeitete anschliessend mehrere Jahre auf der Alp. Später pachteten der inzwischen Verheiratete mit seiner Frau Kathrin einen Betrieb im bündnerischen Mastrils, bis dieser nach 18 Jahren von der Verpächterfamilie wieder übernommen wurde. «Wir hatten ein gutes Einkommen: Ich mit dem Betrieb und als Holzschnitzer sowie mit meinen Bienen, Kathrin mit ihrer Naturkosmetik, die schon damals etabliert war.»

1998 konnte die Familie Huber ihr heutiges Haus in Gams kaufen. «Zuvor war das Haus 40 Jahre unbewohnt, wir haben es radikal umgebaut und uns hier eine Existenz aufgebaut», erzählt der 67-Jährige. Er bildete sich zum Bieneninspektor weiter und wurde in dieser Funktion vom Veterinäramt des Kantons angestellt. Inzwischen hat er dieses Amt abgegeben, das nun sein Sohn Melchior übernehmen konnte.

Rauch beruhigt die Bienen: Lorenz Huber entzündet Weihrauch, um Waben entnehmen zu können.

Rauch beruhigt die Bienen: Lorenz Huber entzündet Weihrauch, um Waben entnehmen zu können. 

Bild: Hanspeter Thurnherr

Der «Werdenberger Buuramart» in Grabs half und hilft ihm und seiner Frau wesentlich (nebst rund 40 weiteren Märkten, an denen Katrin Huber ihre Produkte anbietet), die Existenz zu sichern. Da war es naheliegend, dass er sich für diesen Markt besonders engagierte. Als er 2008 angefragt wurde, als vierter Marktchef in der Geschichte des Vereins die Nachfolge von Ueli Vetsch anzutreten, war sich Lorenz Huber bewusst:

«Wer gute Geschäfte am Markt macht – nicht alle profitieren nämlich gleich – soll sich auch mehr engagieren. Für uns, meine Frau und mich, ist der Markt eine gute Werbeplattform, ein wichtiges ‹Schaufenster› und ein Teil des Einkommens.» So sagte er zu und meint heute mit einem Schmunzeln: «Dann hast du dieses ehrenvolle Amt und wirst es fast nicht mehr los.»

Das Coronavirus entscheidet

Ein Dutzend Jahre war er Marktchef. Mit Beginn der neuen Marktsaison gibt er das Amt an Lukas Sprecher, Landwirt am Grabserberg, ab. Noch hat Huber die Hoffnung, dass die Saison termingerecht am 6. Juni starten kann. Letztlich wird dieses Jahr das Coronavirus, das bereits die HV gekippt hat, darüber entscheiden. Denn normalerweise findet der Buuramart auf dem Marktplatz in Grabs zwischen Juni und Dezember jeden ersten Samstag im Monat statt.

Der Marktchef teilt die Stände ein und leitet dann den Plan an den Werkhof der Gemeinde weiter. «Dabei sollte er möglichst allen Markfahrern gerecht werden. So gibt es Gewohnheitsrechte, was den Standort anbelangt. Extrawünsche wie Stromanschluss, grössere Abstände zwischen den Ständen oder breiterer Stand werden so weit möglich berücksichtigt.

Die Werkhofmitarbeiter bringen die Stände und platzieren sie. Lorenz Huber erzählt:

«Dank der Gemeindearbeiter klappt es wunderbar. Die Gemeinde stellt sie sowie die Stände gratis zur Verfügung. So kann der einzelne Marktfahrer günstig an den sechs Märkten zwischen Juni und Dezember teilnehmen.»

Am Freitag vor dem Markt hilft auch eine Equipe von drei Marktfahrern beim Einrichten der Stände mit. Dazu erstellt der Marktchef jeweils Anfang Jahr eine Einsatzliste.

16 Marktfahrer sind Vereinsmitglieder

Der kleine Verein «Werdenberger Buuramart» zählt aktuell 16 Marktfahrer zu seinen Mitgliedern. Sie haben aktives Stimmrecht an der HV. Wer ein Amt innehat, bezahlt einen reduzierten Beitrag. Möglich ist auch eine Passivmitgliedschaft durch einen Gönnerbeitrag. Diese Mitglieder haben kein Stimmrecht, werden aber angehört. «Es ist eine ständige Aufgabe, neue Marktfahrer mit guten Produkten zu suchen – am liebsten solche mit einem Produkt, das wir noch nicht haben», erklärt Huber.

Dabei sind aber Bedingungen einzuhalten. «So wollen wir hier angebaute oder verarbeitete Landwirtschaftsprodukte. Etwa Mehl oder Gebäck. Was nicht geht, sind beispielsweise Südfrüchte oder Dörrfrüchte aus dem Ausland. Weiters gefragt sind Handwerk, Näh-, Deko- und Bastelprodukte aus der Region. Was uns aktuell fehlt, sind zum Beispiel selbsthergestellte Teigwaren.»

«Gute und treue Standkundschaft»

Zufrieden ist Lorenz Huber mit dem Markterfolg: «Wir haben eine gute, treue, dankbare Standkundschaft, die bei jedem Wetter kommt. Der Markt hat sich etabliert, auch weil wir jedes Mal eine Attraktion bieten – von Kutschenfahrten und Zauberer, über spezielle Handwerkpräsentationen, bis Musik oder Auftritten etwa der Kindertanzgruppe.

Zudem kann sich an jedem Markt ein Verein gratis mit einem Infostand präsentieren.» Genaue Informationen dazu gibt es auf www. buuramart.ch.