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«Manchmal bin ich auch wild»

Mirella Weingarten pendelt seit sieben Jahren zwischen ihrem Wohnort Berlin und ihrem Arbeitsort Werdenberg. So lange ist sie bereits verantwortlich für die Schlossmediale, welche unter dem Motto «Wild» steht.
Alexandra Gächter
Das Schloss Werdenberg ist für Mirella Weingarten ein ganz besonderer Ort. Das Werdenberg ist die zweite Heimat der Berlinerin geworden.

Das Schloss Werdenberg ist für Mirella Weingarten ein ganz besonderer Ort. Das Werdenberg ist die zweite Heimat der Berlinerin geworden.

Morgen wandert die Natur ins Schloss Werdenberg. Ein Wald im Schloss, Instrumente aus Ziegenleder und Kuhhörnern, ausdrucksstarke Kunst und ein Stück Fleisch, das am Spiess über dem Feuer gebraten wird, warten auf das Publikum. «Wild» heisst das Motto der diesjährigen Schlossmediale und stellt einen Gegenpol zum letztjährigen Motto, der «Idylle» dar. «Beim Thema ‹Wild› geht es um das nicht Kontrollierbare», sagt Mirella Weingarten, künstlerische Leiterin der Schlossmediale. Das Thema durfte sie bestimmen. «Dies ist vertraglich so geregelt und bereitet mir wahnsinnig viel Freude.» Inspiriert wird sie jeweils vom Schloss und alldem, was rundherum ist. «Kaum tritt man aus dem Schloss, ist man mitten in der Natur. Hier in der Schweiz ist die Natur, das Unwegsame und Wilde so nah bei der Zivilisation. Vom Tal aus sieht man auf die entlegensten Bergspitzen, und in kurzer Zeit befindet man sich mitten in der Natur.» Die Natur und deren Wildheit könne man hier im Werdenberg nicht nur sehen, sondern auch spüren. «Wo ich herkomme, in Berlin, gibt es keinen Föhnsturm.»

Berlin liegt nicht um die Ecke. Dennoch pendelt Mirella Weingarten regelmässig zwischen ihrem Wohn- und Arbeitsort. «Ich wohne für durchschnittlich fünf Tage im Monat im Städtli Werdenberg.» Von ihrem Mann und ihrer elfjährigen Tochter wird sie oft besucht. Manchmal verbringen sie gemeinsam im Werdenberg ihre Ferien. «Ginge es nach ­meiner Tochter, würden wir hierherziehen», so Weingarten.

Werdenberg ist zweite Heimat

Neben der Schlossmediale arbeitet Weingarten jedes Jahr noch an zwei anderen Regie- oder Bühnenprojekten, ausserhalb von Berlin. Sie führt ein typisches Künstlerleben. Mal ist sie in Italien, Griechenland oder Holland, dann in England, Deutschland oder der Schweiz. Manchmal gibt es Überschneidungen, dann wird es wieder ruhiger. Die Schlossmediale ist ihr wichtigstes Projekt. «Vor sieben Jahren habe ich die Schlossmediale als Festival eingeführt. Von Anfang an hatte ich die künstlerische Leitung inne.» Damals arbeitete Weingarten als Regisseurin in Bregenz. Für die Schlossmediale suchten die Verantwortlichen jemanden, der viele verschiedene Bereiche der Kunst abdecken konnte, und wurden mit Mirella Weingarten fündig. Mittlerweile bezeichnet sie das Werdenberg als ihre zweite Heimat. «Heimat entsteht, in- dem sich Dinge wiederholen. Es ist ein schönes Gefühl, ins Werdenberg zurückzukehren und hier immer wieder vertraute Gesichter zu sehen.»

Die Schlossmediale hat sich in den vergangenen sieben Jahren verändert. Sie ist gewachsen. Neue Elemente wie die Kindermediale und das Bistro sind dazugekommen. Ausserdem wurde die Infrastruktur verbessert. «Ein Festival aufzubauen ist ein ganz langsamer Prozess. Man muss das Festival in die Umgebung integrieren. Ich habe das Gefühl, dass das Festival nun bei der Bevölkerung angekommen ist.» Letztes Jahr war die Schlossmediale ausverkauft. Das Publikum kommt von nah und fern. «Das einheimische Publikum habe ich am liebsten. Sie ist unvoreingenommen und offen. Diese Offenheit der hiesigen Bevölkerung bereitet mir Freude», so Weingarten. Neben der Wahl des Mottos wählt Weingarten die Künstler und Stipendianten aus. Die Künstler bringen ein bestehendes Kunstwerk mit, welches zum Thema passt, und stellen es während der Schlossmediale aus. Die Stipendianten hingegen erschaffen sechs Wochen vor der Schlossmediale ein Kunstwerk, das sie auf das Schloss und das Thema zuschneiden. 100 Stipendianten haben sich mit einem Vorschlag beworben. Aus ihnen hat Mirella Weingarten drei ausgewählt. «Die Schlossmediale ist bekannter geworden. Ich merke das an der Anzahl Bewerbungen, die jedes Jahr wächst.» Von den Stipendianten sei sie bisher immer positiv überrascht worden. «Obwohl es auch Chaoten darunter hat, die sich vom schönen Wetter auf die Berge locken lassen. Ich hingegen werde nervös, sobald der Eröffnungstag näher rückt. Ein kontrolliertes Chaos schätze ich jedoch sehr, weil sehr schöne Sachen daraus entstehen können.»

«Sehne mich nach dem Wilden»

Beim Thema «Wild» findet Mirella Weingarten vor allem die Diskrepanz zwischen der Natur und der Zivilisation spannend. «Wir möchten zurück zur Natur, wollen aber trotzdem unser Handy immer dabei haben. Auch ich bin natürlich mehr zivilisiert als wild, sehne mich aber nach dem Wilden. Mich reizt das Aufbrechen der Grenzen. Das mache ich manchmal. Insofern bin ich auch wild.»

Wie Menschen mit der Wildheit umgehen, das zeigt die Schlossmediale ab morgen. Heiner Goebbels ist der Künstler im Fokus. Er stand ganz oben auf der Wunschliste von Mirella Weingarten. Sie nahm ihn erstmals vor über 20 Jahren wahr. «Er war der Erste, der mir gezeigt hat, wie man verschiedene Kunstarten zusammenführen kann. Er denkt bildnerisch, installativ, musikalisch und vor allem denkt er für den Raum und spürt die Burg. Von der Schlossküche war er sofort begeistert.» Das Eröffnungskonzert, bei dem unter anderem Werke von Heiner Goebbels ausgestellt werden, gehört dann auch zu den Empfehlungen von Mirella Weingarten. Das Jodelkonzert mit Dudelsack am Voralp-see und die expressive irische Musik soll man ebenfalls nicht verpassen. «Aber eigentlich will ich mich gar nicht festlegen. Es ist einfach alles aussergewöhnlich, einzigartig, schön und inspirierend. Und wild.»

Hinweis: 7. Schlossmediale, Motto «Wild», 18.-27. Mai, Schloss Werdenberg

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