Mammutprozess Bad Rans neigt sich dem Ende entgegen

Nach rund 100 Verhandlungsstunden neigt sich der Mammut-Prozess wegen der Baupleite Bad Rans dem Ende entgegen. Das Verfahren am Kreisgericht in Mels darf im umfassenden Sinne als erschöpfend gelten.

Reinhold Meier
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Eine Wand aus Akten beschäftigt das Kreisgericht Sarganserland-Werdenberg in Mels. (Bild: Reinhold Meier)

Eine Wand aus Akten beschäftigt das Kreisgericht Sarganserland-Werdenberg in Mels. (Bild: Reinhold Meier)

Beobachter erinnert das prozessuale Prozedere entfernt an die Muskelspiele eines Bodybuilding-Wettbewerbes. Am Anfang steht das Vorspiel, um den Gegner zu beeindrucken, dann folgt das Posing, bei dem jede Geste sitzen muss und zuletzt darf man gespannt sein, wie der Concours ausgeht. Dabei wirkt die Bühne im Feuerwehrhaus beeindruckend. 16 Tische bieten Platz für die mehr als zwei Dutzend Beteiligten, mehr als fünfzig Kartons voll Akten bilden gleichsam eine Mahnmauer für das, was auf dem Spiel steht. Das sind 43 Millionen Franken, um die insgesamt 210 arglose Mitbürger geprellt worden sein sollen (der W&O berichtete mehrfach).

Am ersten Tag liessen denn auch gleich mehrere Verteidiger ihre Muskeln spielen, um den Prozess platzen zu lassen. Befangenheitsanträge gegen Richter und Staatsanwälte lagen auf dem Tapet. Doch das Gericht liess sich nicht beeindrucken und wies alle Anträge ab. Seitdem wurden Plädoyers gehalten, Repliken und Dupliken, wie die Vorträge des förmlichen und zuweilen langfädigen Schlagabtauschs heissen. Dabei schälte sich, vereinfacht gesagt, seitens der Anklage die Strategie heraus, die Hauptbeschuldigten als kriminelle Wirtschaftsstraftäter darzustellen, den Nebenbeschuldigten hingegen eher bloss fehlende Achtsamkeit und allzu naive Vertrauensseligkeit in ihre Chefs vorzuwerfen.

«Stammtischmarketing» oder «marktgerecht»?

Die Verteidiger hingegen weisen – namentlich im Blick auf die Hauptbeschuldigten – die Vorwürfe zurück und suchen ihre Mandanten als ehrbare Geschäftsleute zu präsentieren. Sie fordern Freisprüche. Für einzelne Nebenbeschuldigte stehen kleinere bedingte und teilbedingte Geld- und Freiheitsstrafen im Raum. Für die «Grossen» will die Anklage vier und sechs Jahre Knast.

Der jüngste Verhandlungstag liess denn auch eine gewisse Ermattung spüren. Nicht beim Gericht, dass stets wach und souverän die Fäden in der Hand hält. Doch die Plätze der Presse waren leergefegt, auch Angeklagte und Privatkläger hatten sich verabschiedet. In monotoner Stimme erfolgen derweil Vorträge um Vorträge. Gelegentlich sind sogar Ansätze eines höflich unterdrückten Gähnens zu beobachten. Dabei liegt Sprengkraft in der Luft. «Stammtischmarketing» nennt ein Staatsanwalt das Geschäftsgebaren der Beschuldigten. Bloss «marktgerechte Honorare» seien geflossen, heisst es auf der anderen Seite. Getäuscht worden, sei sein Mandant, er sei Opfer nicht Täter, beklagt sein Verteidiger.

Kloten, Konkurs und ab in die Karibik

Eine Anwältin vertritt die Interessen des Sohnes eines der beiden Hauptbeschuldigten. Ihm waren von staatswegen namhafte Geldbeträge sowie drei Liegenschaften in Kloten beschlagnahmt worden, weil die Mittel dafür aus dem «Raubzug» des Vaters stammen sollen. Alles Unsinn, heisst es sinngemäss, die Herkunft aus deliktischer Tätigkeit sei nicht erwiesen. Der Sohn wohnt mehrheitlich in der Karibik, wo er angeblich eine Ferienanlage mit Ruhesitz für den 74-jährigen Vater bauen soll, der Vater hingegen wohnt mit seinen Enkelkindern in der Klotener Wohnung.

Im Laufe der Woche geht der Prozess nun in die Schlusskurve. Es folgen die so genannten zweiten Vorträge der Verteidiger und zuletzt die Schlussworte der Angeklagten. Dann zieht sich das Gericht zur Beratung zurück. Ursprünglich war die Urteilsverkündung auf den 30. November angesetzt. Ob es dabei bleibt, ist derzeit noch unsicher, wie zu erfahren war. Womöglich braucht es noch etwas mehr Zeit. Doch Tatsache bleibt: In Bad Rans stehen weder Hotel noch Wellnessanlage oder Kongresszentrum, nicht einmal ein Luftschloss, stattdessen haben viele Dutzend Anleger, Handwerker, Bau- und Möbelfirmen, ja sogar Banken und eine Pensionskasse Millionen von Franken verloren.