Malen und Reisen erfüllt die Seele der Buchser Künstler Anni und Nik Gantenbein

Anni und Nik Gantenbein, das Künstlerehepaar, lassen sich auf gemeinsamen Reisen für ihre Malerei inspirieren. Anni hat schon früh mit der Malerei angefangen, Nik begann erst, als er in Pension ging.

Heidy Beyeler
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Anni und Nik Gantenbein sind beide leidenschaftliche Maler. (Bild: Mareycke Frehner)

Anni und Nik Gantenbein sind beide leidenschaftliche Maler. (Bild: Mareycke Frehner)

Dass sie irgendwann in ihrem Leben derart von der Passion Malen ergriffen würden, hätten sich Anni und Nik Gantenbein aus Buchs vor Jahren nicht vorstellen können. Nik Gantenbein hat erst kurz vor der Pensionierung die Malerei entdeckt. Dagegen hat Anni Gantenbein schon früh in ihrer Freizeit gerne gezeichnet und gemalt. Dass sie es aber bis zur Kunstmalerin schaffen würde, hätte sie ebenfalls nicht gedacht. Das Malen in der Kindheit half ihr über die nicht immer leichten Zeiten in der Pflege­familie hinweg. Nach der Schule absolvierte sie die Lehre als Arztgehilfin (MPA). Dort hat es ihr gut gefallen. Im Alter von gut 20 Jahren ergriff sie «die Flucht» zu ihrem Freund. Sie heiratete den fünf Jahre älteren Nik Gantenbein. Das war 1964. Sie kannten sich schon lange Zeit. Beide sind in Grabs aufgewachsen.

Ihre gemeinsame Passion teilen sie erst seit einigen Jahren. (Bild: Mareycke Frehner)

Ihre gemeinsame Passion teilen sie erst seit einigen Jahren. (Bild: Mareycke Frehner)

Schon bald wurden Anni und Nik Gantenbein Eltern eines Mädchens; später folgte noch ein Bub. Für Nik Gantenbein war klar: Seine Frau soll ihren Beruf aufgeben und sich ganz um Kind und Haushalt kümmern. Der Vater wollte nicht, dass es im Dorf heissen sollte, «Was? Die junge Mutter muss arbeiten!» Er war stolz, dass er für seine Familie aufkommen konnte. Anni Gantenbein hätte gerne mit einem Teilzeitpensum als Arzthelferin weitergearbeitet. Sie mochte Kontakte zu Menschen. Als die Kinder zur Schule gingen, wurde es der Mutter zusehends langweilig zu Hause.

Anfang mit der Bauernmalerei

Als Kompromiss suchte sich Anni Gantenbein eine Beschäftigung, die sie daheim ausführen konnte. Und weil sie gerne malte, fing sie mit der Bauernmalerei an. Schon bald restaurierte sie Kästen und Truhen für andere Leute. Aber Kontakte nach draussen, mit anderen Menschen, fehlten ihr dennoch. Also bot sie Kurse für Bauernmalerei an. Sie genoss die sozialen Kontakte und die Freude interessierter Frauen, denen sie ihr Wissen über die Bauernmalerei weitergeben konnte. Das machte Spass.
1988 entschied Anni Gantenbein sich für die klassische Porzellanmalerei. Die heute 75-jährige Kunstmalerin erinnert sich: 

«Die wöchentlichen Porzellanmalnachmittage mit Kolleginnen führte mich in eine neue Welt, in die ich gerne eintauchte»

Bis dahin befasste sie sich allerdings hauptsächlich mit dem Kopieren von Sujets. Das genügte ihr irgendwann nicht mehr. Sie strebte Höheres an. Sie wollte sich der kreativen Seite der Malerei zuwenden – mit dem eigenen Genre. Währen dieser Zeit arbeitete Nik Gantenbein an seiner Karriere als Banker. An den Wochenenden unternahm die Familie mit den Kindern Ausflüge, im Sommer ging es auf Bergwanderung und im Winter zum Skilaufen. Anni Gantenbein sorgte sich um den Haushalt und ums Essen. «Wir waren eine ganz normale, konservative Familie», sagt Nik Gantenbein.

Anni Gantenbein mag eher sanfte Farben. (Bild: Mareycke Frehner)

Anni Gantenbein mag eher sanfte Farben. (Bild: Mareycke Frehner)

Als die Kinder grösser und selbstständig wurden, wagte Anni Gantenbein den Schritt zur Aquarellmalerei. Dazu besuchte sie Kurse, um Technik und Wissen dieser Art der Malerei zu lernen und forderte so auch ihre schlafende Kreativität heraus. Und weil Anni Gantenbein eigentlich schon immer wusste, was sie gerne tun möchte, beschloss sie, ihr Glück in der kreativen Kunstmalerei zu suchen. Sie buchte bei Kunstmaler Gerhard Almbauer aus Graz, einem veritablen Profi, einen ersten Kurs in Vaduz. Er wurde ihr Lehrer und Förderer. «Bei ihm lernte ich – im Gegensatz zur Porzellanmalerei – grosszügig zu malen. Das macht richtig Spass. Mit Almbauer ging es hinaus in die Landschaft und in verträumte Gassen. Das war mein Ding», erzählt Anni Gantenbein von ihren ersten Schritten auf dem Weg hin zur Kunstmalerei.

Tag der ersten Ausstellung

1995 war das Jahr der Wende im Leben von Anni Gantenbein. Sie zehrte von den Inspirationen, die sie vom Meister Almbauer vermittelt bekam. Und so wagte sie schliesslich ihre erste Ausstellung mit eigenen Werken im Haus Nr. 7 im Städtli Werdenberg. Das war ein besonderes Erlebnis – mit einem Gefühl von Höhen und Tiefen. Daran erinnert sich Anni Gantenbein heute noch ganz genau. Stolz war sie schon, dass sie ihre Bilder in diesem altehrwürdigen Haus im Städtli der Öffentlichkeit präsentieren durfte. Als dann aber Leute das eine oder andere Bild kaufen wollten, tat sich die Künstlerin schwer. Im Innersten ihres Herzens wollte sie kein einziges Bild hergeben. Für sie hatte jedes Bild seine eigene Geschichte. Aber die Kunstausstellung ist ja dafür da, dass Kunstliebhaber Werke kaufen können. Die Bilder von Anni Gantenbein fanden denn auch grossen Anklang. Am Schluss der ersten Ausstellung im Städtli verblieben ihr nur noch wenige Exponate.

Sie war auf Wolke sieben. Die Malerei nahm einen grossen Teil ihres Lebens ein. Mit Gerhard Almbauer und einer Malgruppe ging es auf eine Werkreise nach San Gimignano. Die Toskana hatte es ihr angetan. Den Blick über die Weinberge schweifen zu lassen vermittelte der «Elevin» der Kunstmalerei ein neues Lebensgefühl. Es zog sie ins Burgenland, nach Porlezza am Lago di Lugano oder an den Comersee – immer im Hinblick darauf, das Gesehene und Erlebte auf der Leinwand festzuhalten.

Es brauchte einen kleinen Trick

Bald suchte Anni Gantenbein eine neue Herausforderung. Sie wagte sich an die Acryl- und Mischtechnik. Die Reisen – ohne Malgruppe – in den Süden wurden häufiger. Dafür war Nik Gantenbein, ihr Göttergatte, mit dabei. Sie genossen das warme Klima und Anni Gantenbein fand neue ­Inspirationen. Gerne hätte sie ihre Passion zum Malen mit ihrem Mann geteilt. Aber wie? Als die beiden ein weiteres Mal im Urlaub in die Toskana fuhren, verbrachte Gerhard Almbauer mit Kursteilnehmern eine Woche in San Gimignano. Anni Gantenbein nutzte die Gelegenheit und schlug «per äxgüsi» vor, an einem der Ferientage nach San Gimignano zu fahren, um Meister Gerhard Almbauer zu ­treffen.

Auf ihren gemeinsamen Reisen holt das Ehepaar Inspiration fürs Malen. (Bild: Mareycke Frehner)

Auf ihren gemeinsamen Reisen holt das Ehepaar Inspiration fürs Malen. (Bild: Mareycke Frehner)

In bester Ferienstimmung liess Nik Gantenbein sich von seiner Frau erweichen, in dieser schönen Landschaft mal zu versuchen – unter der Leitung von Almbauer – die Stimmung der Landschaft malerisch aufzuzeichnen. Nik Gantenbein, der nie im Sinne hatte, sich der Malerei aktiv hinzugeben, fand auf einmal Gefallen daran. Er nahm augenblicklich wahr, dass er mit dem Malen viel ruhiger wurde und verspürte eine neue Gefühlswelt. Zurück in der Heimat besuchte er ebenfalls Malkurse bei Gerhard Almbauer. Er war angetan von seiner neuen Freizeitbeschäftigung.

«Das war eine ganz andere Welt, ein totaler Kontrast zu meiner Arbeitswelt bei der Bank»

Und so beschloss er kurzerhand, mit 60 Jahren in Frühpension zu gehen, damit er von dem unverhofften Wendepunkt noch einige Jahre geniessen könne. Und von da weg waren Anni und Nik Gantenbein ständig auf dem Weg zu ihren Lieblingsdestinationen ins Tessin und in andere Länder Südeuropas – dort wo sie eben die Malerei gerade hinzieht. So stand zum Beispiel 2006 eine Reise nach Afrika, besser gesagt nach Namibia, auf dem Plan. Die Eindrücke, welche das Künstler-Ehepaar Gantenbein mit nach Hause brachte, verarbeiteten die beiden in Bildern, die sie ein Jahr später an einer Afrika-Ausstellung im Pfrundhaus in Eschen zeigten. 

«Damals waren wir regelrecht vom Afrikavirus befallen. Und so führte uns dann auch eine Reise nach Marokko. Vor allem der Süden mit den wunderschönen Sanddünen hat es uns angetan. ­Weitere gemeinsame Ausstellungen ­folgten.»
Nik Gantenbein mag lieber kräftige Farben. (Bild: Mareycke Frehner)

Nik Gantenbein mag lieber kräftige Farben. (Bild: Mareycke Frehner)

Jeder hat seine Lieblingsfarben

Der Blick auf die letzten 20 Jahre, seit denen Nik Gantenbein sich der Malerei widmet, lässt erkennen, dass er seinen eigenen Stil gefunden hat. Obwohl sie gemeinsame Reisen unternehmen, entstehen zu Hause im Atelier unterschiedliche Gemälde. Nik Gantenbein liebt kräftige Farben in rot, gelb, orange und wählt ausdrucksvolle Sujets. Oft lässt er dem grossen Bild einen kleinen Raum, wo er mit ruhiger Hand ein gegenständliches Sujet platziert – so findet sich kraftvolle Abstraktion mit fein skizzierter Realität, aber immer mit knalligen Farben, häufig auf schwarz oder grau getöntem Hintergrund. Nik Gantenbein hat sich spät auf den Pfad des schöpferischen Tuns gemacht. Dabei findet er immer wieder neue Erkenntnisse über sein Seelenempfinden.

Seine Frau mag es sanfter. Sie verwendet gerne Pastellfarben, aber es gibt auch die dezent gehaltenen farbenfrohen Werke. Die Neigung für Farben wie beige, hellgrau oder türkis, hellblau und hellgrün ist erkennbar. Letztere Farben findet man ebenso an ihrer Kleidung oder am Gehstock.

Pinsel in allen Grössen und Varianten stehen zur Verfügung. (Bild: Mareycke Frehner)

Pinsel in allen Grössen und Varianten stehen zur Verfügung. (Bild: Mareycke Frehner)

Anni Gantenbein nähert sich zusehends an die gegenständliche Malerei. Der Beginn einer neuen Ära? Sie findet jedoch immer wieder den Weg zurück zur künstlerischen Gestaltung von mystischen Bildern, die viel Interpretationsraum zulässt. Und wohin geht wohl ihre nächste Reise in diesem Jahr? «Ein paar Tage haben wir dieses Jahr im Tessin verbracht. Wenn es die Gesundheit erlaubt, würde uns Kalabrien im Süden Italiens reizen.»