Lydia Andrade aus Haag hat beim FC Zürich Fuss gefasst

Beim Aushängeschild des Schweizer Frauenfussballs steht eine Werdenbergerin regelmässig im Einsatz.

Robert Kucera
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Lydia Andrade traf im Cup und in der Meisterschaft für den FC Zürich und kämpft um einen Stammplatz.

Lydia Andrade traf im Cup und in der Meisterschaft für den FC Zürich und kämpft um einen Stammplatz.

Bild: Robert Kucera

Die Juniorinnen-Zeit ist für die bald 21-jährige Lydia Andrade vorbei. Nun gilt es, sich bei den Aktiven im Frauenfussball einen Platz im Kader, oder noch besser in der Stamm-Elf, zu sichern. Mit letzterem hat es in der am Sonntag zu Ende gegangenen Vorrunde noch nicht geklappt. Dabei gilt es zu beachten, dass die Trauben für Andrade besonders hoch hängen. Denn sie spielt beim FC Zürich, dem Aushängeschild des Schweizer Frauenfussballs.

Doch die junge Dame weiss sich durchzusetzen und kämpft im Training um jede Einsatzminute. Ihre Bilanz nach der ersten Saisonhälfte kann sich sehen lassen: einmal durchgespielt, dreimal in der Start-Elf und ausgewechselt, sechsmal eingewechselt. Nur in drei Meisterschaftsspielen kam sie nicht zum Einsatz. Zudem spielte sie in zwei der drei Cup-Partien und zwei Halbzeiten in der Champions League gegen Minsk. Gleich im ersten Meisterschaftsspiel, gegen St. Gallen-Staad, gelang ihr beim 5:1-Sieg das Tor zum 4:0. Im Schweizer Cup traf sie im Achtelfinal gegen Yverdon (6:3) zum 3:0.

Harter Kampf um Platz in der ersten Mannschaft

Dass ihr Name auf dem Matchblatt des Vereins FC Zürich Frauen diese Saison auftaucht, erachtet Lydia Andrade als «nicht selbstverständlich.» Denn die 20-Jährige hat erst auf diese Saison hin den Schritt von den Juniorinnen zu den Aktiven der NLA gemacht hat. «Ich musste hart dafür kämpfen, um es in die erste Mannschaft zu schaffen.»

Und damit ist es noch lange nicht getan. Andrade betont, dass es wichtig sei, in jedem Training Vollgas zu geben. «Jede will beim besten Club sein und jede will auch spielen.» Doch dass man die erste Adresse der Schweiz ist, muss der FCZ in der Rückrunde erst noch beweisen. In die kurze Winterpause geht es auf Platz zwei – drei Punkte hinter den grössten Rivalinnen Servette FC Chênois Féminin.

Von Routiniers profitieren und Fortschritte erzielen

Zu ihrem Debüt bei den Aktiven sagt Andrade: «Ich war überrascht, aber auch stolz.» Für sie war es allerdings auch eine Bestätigung, dass sich Fleiss auszahlt. Fortan wusste die Stürmerin, dass sie auf gutem Weg ist «und das, was ich mache, richtig ist. Darum habe ich die Chance erhalten.»

Höhepunkt im ersten halben Jahr bei den Aktiven des FC Zürich: Lydia Andrade darf in der Champions-League-Begegnung gegen FK Minsk in beiden Partien spielen.

Höhepunkt im ersten halben Jahr bei den Aktiven des FC Zürich: Lydia Andrade darf in der Champions-League-Begegnung gegen FK Minsk in beiden Partien spielen.

Bild: PD

Die Haagerin geht zufrieden in die Winterpause. «Ich konnte viel profitieren», resümiert sie kurz. Sie lernt nicht nur auf dem Feld stetig dazu. Lydia Andrade ist ausserdem eine aufmerksame Beobachterin, sie schaut den arrivierten Zürcherinnen wie Fabienne Humm oder Martina Moser genau auf die Beine. Fortschritte, so erklärt sie weiter, habe sie seit dem Sommer im körperlichen, aber auch im mentalen Bereich gemacht.

Nur der schwere Weg führt zum Ziel

Den nächsten Schritt vorwärts will Andrade in der Rückrunde machen. Mehr Einsatzminuten sollen es werden, ihr Ziel ist die Eroberung eines Stammplatzes. Beim FC Zürich ist dies ungleich schwerer als bei Mittelfeldclubs der NLA. «Entweder man gibt auf oder kämpft weiter», sagt die 20-Jährige mit grosser Überzeugung in der Stimme. Ihr Kampfgeist ist in ihrem Gesicht abzulesen. Lydia Andrade weiss, was sie will: «Um ans Ziel zu kommen, gibt es nur eines: Den schweren Weg wählen.»

Sie kann sich dabei auf die Unterstützung ihres Trainers Ivan dal Santo verlassen. «Er glaubt an mich und setzt auch auf mich.» Keine leeren Worte, wie Andrade versichert: «Das spüre ich auch.» Sie erhält viele Feedbacks in Form von Lob und Kritik von dal Santo. Dass sie meist zu Kurzeinsätzen in der Meisterschaft kommt und nur 386 Minuten in 13 Partien gespielt hat, verunsichert Lydia Andrade nicht im Geringsten. Denn sie zählt zu den Jüngsten des Kaders. «Ich bin noch jung und habe noch so viel vor mir. Meine Zeit wird kommen.»

Lydia Andrades Wunsch: FCZ-Spielerin bleiben

In Zukunft will die Haagerin weiterhin auf der ganz grossen Bühne Fussball spielen. Denn Andrade bezeichnet die beiden Champions-League-Spiele gegen FK Minsk als Höhepunkte der Saison. «Das beste Erlebnis seit ich Fussball spiele», so Andrade. «Es war unglaublich, trotz zwei Niederlagen.» Ihr gefiel die spezielle Atmosphäre und dass alles professioneller war als in der heimischen Liga. «Und ich war nervöser als sonst», blickt sie zurück.

Zur Wiederholung dieses Erlebnisses ist ein Stammplatz in einem Top-Club der Schweiz die erste Voraussetzung. Nächsten Sommer läuft ihr Vertrag aus. Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie beim FC Zürich bleiben wolle. Es spricht für sie, dass sie ihre Ziele – Stammplatz und die Leaderposition innerhalb der Mannschaft – beim Schweizer Aushängeschild verfolgen will statt bei einem Mittelfeldclub.

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