Lukashaus präsentierte Ersatzbau-Projekt

Die Bagger fahren beim Lukashaus wohl etwa in einem Jahr auf. Für 8 bis 9 Millionen Franken soll ein Ersatzbau entstehen, der den heutigen Anforderungen gerecht wird. Das Hallenbad wird nicht reaktiviert und im alten Gebäude von 1912 wohnen künftig Ärzte des Spitals Grabs. 

Corinne Hanselmann
Hören
Drucken
Teilen
Interessiert begutachteten die Anwesenden das Modell des geplanten Ersatzbaus. Einige Bewohner zeigten bereits ihr «Wunschzimmer».

Interessiert begutachteten die Anwesenden das Modell des geplanten Ersatzbaus. Einige Bewohner zeigten bereits ihr «Wunschzimmer».

Corinne Hanselmann

Ebenso wie die seit 1846 bestehende Institution Lukashaus haben sich auch die Anforderungen an den Wohnraum für Menschen mit Behinderungen verändert. Die Erfüllung dieser Anforderungen ist im alten Anstaltsgebäude mit Jahrgang 1912 an der Lukashausstrasse 2 kaum möglich. So sind beispielsweise die Fensterbrüstungen so hoch, dass Menschen, die im Rollstuhl sitzen, nicht hinaussehen. Ein massiver Eingriff ins altehrwürdige Haus wäre nötig. So hat der Stiftungsrat der Lukashaus-Stiftung, auch aufgrund von Expertenaussagen, entschieden, einen Ersatzbau zu planen.

Im Altbau mit Jahrgang 1912 mietet das Spital Grabs künftig Wohnungen für sein Personal.

Im Altbau mit Jahrgang 1912 mietet das Spital Grabs künftig Wohnungen für sein Personal.

Corinne Hanselmann

Bewohner in Planung miteinbezogen

So wird der Ersatzbau aussehen

So wird der Ersatzbau aussehen

atm3

«Die UN-Behindertenrechtskonvention sagt klar: Jeder Mensch hat das Recht, so zu wohnen, wie er das gerne möchte», sagte Hubert Hürlimann, Geschäftsleiter der Lukashaus-Stiftung, bei der Präsentation des geplanten Neubaus am Mittwoch. Der Ersatzbau ist deshalb in erster Linie ein Projekt der Menschen mit Behinderungen. Sie wurden deshalb von Anfang an miteinbezogen. Lukashaus-Bewohnerinnen und -Bewohner äusserten ihre Ideen und Wünsche wie grosse Zimmer, schöne Aussicht, farbige Nachttischlampen, ein bis zwei Mitbewohner oder automatisches Licht.

Ersatzbau bietet Wohnraum für 25 bis 27 Menschen

Architekt Werner Vetsch stellte den aktuellen Stand des Projektes vor.

Architekt Werner Vetsch stellte den aktuellen Stand des Projektes vor.

 Corinne Hanselmann
So wird der Ersatzbau aussehen

So wird der Ersatzbau aussehen

atm3

Architekt Werner Vetsch von atm3 nahm die Herausforderung an und plante mit ihnen einen dreigeschossigen Neubau. Noch ist der Ersatzbau für das Lukashaus nicht zu Ende geplant, erläuterte Werner Vetsch bei der Präsentation. Noch ist beispielsweise offen, ob Intensivbetreuungsplätze für behinderte Menschen mit erhöhter Gewaltbereitschaft geschaffen werden. Dies hängt von Entscheiden des Kantons ab. «Ich hoffe, dass das in drei bis vier Monaten entschieden wird», so Hubert Hürlimann. «Die Mühlen beim Amt für Soziales mahlen etwas träge.»

Gemeinde hat kein Interesse an Hallenbadübernahme

Der Ersatzbau bietet Platz für 25 bis 27 Menschen. Das sind gleich viele, wie derzeit im Altbau untergebracht sind. Angedacht ist beim Bauprojekt auch eine unterirdische Verbindung zwischen neuem und bestehenden Gebäuden.

25 bis 27 Menschen wird der Ersatzbau Wohnraum bieten.

25 bis 27 Menschen wird der Ersatzbau Wohnraum bieten.

In den kommenden Monaten werden das Baugesuch eingereicht und die Ausführungspläne ausgearbeitet. Es wäre wünschenswert, mit dem Bau noch in diesem Jahr beginnen zu können. Realistischer sei aber ein Baustart in einem Jahr, so Werner Vetsch. Die Bauzeit wird rund 14 Monate betragen.

Hubert Hürlimann

Hubert Hürlimann

Im Lukashaus war bis vor wenigen Jahren ein Hallenbad in Betrieb. «Wir haben dem Gemeinderat und dem Schulrat vorgeschlagen, dass wir das Hallenbad längerfristig zur Verfügung stellen», so Hürlimann. Für die Reaktivierung wäre seitens der Gemeinde eine Investition von rund einer halben Million Franken nötig gewesen.

«Günstiger kommt eine Gemeinde nicht zu einem Hallenbad.»

Die Lukashaus-Stiftung hat der Gemeinde ein Angebot gemacht. «Wir sind erstaunt, dass der Gemeinderat die Übernahme des Hallenbads nun abgelehnt hat. Wir hätten zumindest Gesprächsbereitschaft erwartet.» Das Becken soll nun geschlossen und der Raum anderweitig genutzt werden.

Hürlimann zeigte sich zudem enttäuscht, dass keine Vertreter des kantonalen Amts für Soziales vor Ort waren.

Künftig wohnen Ärzte im Altbau

Der Altbau an der Lukashausstrasse 2 erhält künftig eine neue Aufgabe, wenn die Lukashaus-Bewohnerinnen und -Bewohner in den Ersatzbau umgezogen sind. Vor längerer Zeit habe er in einem Zeitungsartikel gelesen, dass das Spital Grabs neue Räume benötige für die Unterbringung von Personal, so der Lukashaus-Geschäftsleiter Hubert Hürlimann. Er habe daraufhin ein E-Mail ans Spital geschrieben und rasch Antwort erhalten. Roland Rubin, Leiter Betrieb und Organisation bei der Spitalregion Rheintal Werdenberg Sarganserland (SR RWS), hat das Angebot, Wohnraum im Lukashaus-Altbau zu mieten, gerne angenommen.

Regelmässig arbeiten im Spital Assistenzärzte, Studenten oder Auszubildende im Bereich der Pflege für einige Monate oder ein bis zwei Jahre. Damit diese nicht ihren Wohnsitz verlegen müssen, können sie in Personalhäusern wohnen. «Die heutigen Personalzimmer sind extrem alt und renovationsbedürftig», erklärt Rubin. Die Investitionskosten wären hoch und nicht gerechtfertigt. So hat sich die SR RWS entschieden, einen Mietvertrag mit dem Lukashaus zu unterzeichnen. Wenn der Ersatzbau fertig ist, werden die Räumlichkeiten im Altbau saniert. Der Bezug ist auf Anfang 2024 geplant.

«Es freut mich ausserordentlich, dass sich diese Lösung mit dem Spital ergeben hat», so Hürlimann. Es sei auch ein Schritt hin zu Integration, wenn auf dem Lukashaus-Areal auch ganz andere Leute ein und aus gehen.