Grabs

Wenn Corona es zulassen wird: Das Lukashaus feiert in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen

Die Grundsteine für das heutige Lukashaus wurden im Jahr 1846 gelegt. Damals als Werdenbergische Rettungsanstalt.

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Das erste «Anstaltshäuschen» der Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder im Bezirk Werdenberg. Aus dieser ist das heutige Lukashaus gewachsen. Die Zeichnung stammt aus dem Jahre 1847.

Das erste «Anstaltshäuschen» der Rettungsanstalt für verwahrloste Kinder im Bezirk Werdenberg. Aus dieser ist das heutige Lukashaus gewachsen. Die Zeichnung stammt aus dem Jahre 1847.

Bild: PD

(pd) Das Lukashaus in Grabs hat sich von einer karitativen, geistlich geführten Institution für verwahrloste Kinder zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen im Fachbereich Soziales gewandelt. Heute bietet die Institution Wohn-, Arbeits-, Freizeit- und Bildungsangebote für Menschen mit Behinderung oder Unterstützungsbedarf an.

Im Zentrum steht ein wertorientierter und reflektierter Umgang mit traditionell christlichen Werten. Geschäftsleiter Hubert Hürlimann erklärt:

«Heute wie damals geht es um eine persönliche Haltung von Respekt gegenüber Andersdenkenden. Es geht um Anstand und unter Corona um respektvollen Abstand.»

Das Lukashaus entstand aus der Zivilgesellschaft

Hürlimann ist mitten in der Vorbereitung der Jubiläumsaktivitäten, welche vom 19. bis 21. August stattfinden werden. Die Planung läuft trotz der aktuellen Coronasituation, welche die Unsicherheit mit sich bringt, ob die Feierlichkeiten überhaupt durchgeführt werden können. Für die Vorbereitung hat Hubert Hürlimann Jahresberichte aus drei Jahrhunderten gesichtet: «Beim Lesen dieser Berichte spürt man das Ringen aller Beteiligten, für gemeinsame Ergebnisse.»

Bei den sich ändernden Gesetzen nicht immer ganz einfach. Besonders, wenn diese die Aufgaben nicht vereinfachen: «Die Änderungen bescheren uns oft weniger Geld. Was in Zukunft deshalb noch mehr zählt, ist das Vertrauen in einen selbst, in den anderen und wohl auf Gott.» Das Lukashaus entstand aus der Zivilgesellschaft. Aus der Sicht der Gründerinnen und Gründer in Vertrauen auf Gotteshilfe. Oft fehlte das Geld. Es wurde gemacht, was machbar, respektive bezahlbar war. Die aufgenommenen Kinder sollten lernen, mit redlicher Arbeit mit der Zeit ihr eigenes Brot zu verdienen. Hubert Hürlimann weiss:

«Unsere Vorfahren kannten keine Sozialversicherung. Weit bis ins 20. Jahrhundert galt: Danket dem Herrn.»

Ab Mitte 20. Jahrhundert wurde das Lukashaus im Volksmund Luxushaus genannt. Der Hintergrund: Es wurde ständig gebaut und niemand hatte das Gefühl, es müsse gespart werden. «Es waren aber die Sozialversicherungen, die aus dem Vollen schöpften. Man vertraute auf den Geldsegen, welcher von der Wirtschaft täglich produziert wurde», weiss Hubert Hürlimann.

Vorfahren bewiesen Mut

«Unsere Vorfahren hatten den Mut, etwas zu wagen, was es noch nicht gab. Ohne Gesetz über Gleichstellung und noch ohne die Bundesverfassung», führt Hubert Hürlimann weiter aus. Wie die Gesellschaft, so hat sich auch das Lukashaus verändert. Die Frage der Nachhaltigkeit der Ausgaben wird heute vermehrt gestellt. «Meine Kinder vertrauen mir, dass ich ihnen, der nächsten Generation, nicht bloss Schulden und ‹Heiminfrastrukturen› überlasse», erklärt der Geschäftsleiter.

Wohnung um Wohnung eröffnet

Das Lukashaus hat in den letzten Jahren Wohnung um Wohnung in der Region eröffnet. Die vom Lukashaus begleiteten Menschen sollen nicht einfach «Lukashüsler» sein. Sondern Menschen mit einer persönlichen Adresse, Integration und Inklusion. Sie sollen möglichst selbstbestimmt in dörflichen Strukturen leben können. Unter anderen. Als Menschen, die anders sind. Die Nähe zur gesellschaftlichen Gemeinschaft wird unter anderem mit dem L-Shop an der Bahnhofstrasse in Buchs gelebt.

Dort können Produkte aus der eigenen Produktion und von anderen Institutionen aus der Region erworben werden. Für die Zukunft wünscht sich Hubert Hürlimann, dass neue Massstäbe für eine lebenswerte Zukunft gesetzt werden: «Schenken wir Menschen Zuversicht, Vertrauen und Raum, damit sie ihre Fähigkeiten lernen und anwenden können.»