Lorina Zelgers Weg zurück in den Skizirkus

Die Gamser Skirennfahrerin Lorina Zelger steht nach einem Schien- und Wadenbeinbruch vor dem Comeback. Um diese kostspielige Rehabilitation zu finanzieren, hat sie ein Crowdfunding-Projekt lanciert.

Armando Bianco
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Will schon bald wieder um die Stangen kurven: Lorina Zelger aus Gams, B-Kader von Swiss-Ski. (Bild: Robert Kucera)

Will schon bald wieder um die Stangen kurven: Lorina Zelger aus Gams, B-Kader von Swiss-Ski. (Bild: Robert Kucera)

«Ich will alles dafür tun, um nächste Saison zurückzukehren. Ich will das tun, was ich am liebsten mache – Skifahren.» Diese Aussage hat B-Kader-Fahrerin Lorina Zelger aus Gams am 25. Januar dieses Jahres im W&O gemacht, einen Tag nach ihrem Schien- und Wadenbeinbruch in Melchsee-Frutt. Dort war sie beim Einfahren vor einem Europacup-Slalom unglücklich gestürzt.

Ein jähes Saisonende für die aufstrebende Fahrerin, nachdem sie Ende 2018 dreimal im Weltcup zum Einsatz gekommen ist. Acht Monate später ist die aufgestellte Nachwuchsfahrerin ihrem Ziel ein grosses Stück näher gekommen, in wenigen Wochen wird sie erstmals wieder auf den Skiern stehen. Ein grosser Moment, den sie kaum erwarten kann, wie ihr im Gespräch deutlich anzumerken ist.

«Es ging von Woche zu Woche besser»

Wenige Tage nach der Operation im Januar hat der Weg zurück in den Skizirkus für Lorina Zelger mit Physiotherapie begonnen. Ihrem unbändigen Willen sei Dank hat sie zu Beginn der Aufbauphase hart an sich gearbeitet, so oft und so gut es ging. Nach drei Wochen konnte sie erstmals wieder auf dem Velo trainieren, danach folgten auch Trainingseinheiten im Wasser. «Es ging von Woche zu Woche besser, das hat mir Mut gegeben, und nach zweieinhalb Monaten war ich die Krücken los.

«Ich habe versucht, in diesem Unfall auch die Chance auf eine positive Veränderung zu erkennen."

Die Reha hat sie genutzt, um alte Muster zu durchbrechen und neue Impulse zu setzen, auch aus polysportiver Sicht. Die Gamserin hat zusammen mit ihrer Konditionstrainerin viel Zeit in die Ausdauer investiert und kann heute von sich behaupten, konditionell in super Verfassung zu sein. «Im jüngsten Test hatte ich die besten Werte in meiner Laufbahn als Skirennfahrerin», sagt sie nicht ohne Stolz. «Ich habe versucht, in diesem Unfall auch die Chance auf eine positive Veränderung zu erkennen.» Das zeigt, dass Lorina Zelger auch mental fokussiert ist.

Die Rückkehr in den Weltcup wird schwer

Nach vielen Monaten in der Rehabilitation befindet sich die 20-Jährige derzeit im körperlichen Feinschliff und Endspurt der Konditionsphase. Sie arbeitet viel an der Schnellkraft und Stabilität, ihr Fokus ist ganz auf den ersten Belastungstest mit Skiern gerichtet. «Ende Oktober möchte ich dann endlich wieder über den Schnee gleiten, jedoch selbstständig und abseits vom Trainingsbetrieb. Ganz unverkrampft spüren, wie sich das Skifahren nach so langer Zeit anfühlt», sagt sie gegenüber dem W&O. Wo das genau sein wird, ist noch nicht fixiert, am ehesten aber wohl auf einem Gletscher im Kaunertal, Stubaital oder dem Stilfser Joch.

Lorina Zelger hat das Strahlen trotz intensiver Rehabilitation nicht verlernt. (Bild: Robert Kucera)

Lorina Zelger hat das Strahlen trotz intensiver Rehabilitation nicht verlernt. (Bild: Robert Kucera)

Und wann wird sie wieder im Rennalltag anzutreffen sein? «Im Januar hoffentlich», meint sie. Die Athletin liebäugelt mit Einsätzen im Europacup. Wenn alles stimmt, kann es im Skirennsport bekanntlich schnell gehen. Ob sie in dieser Saison auch wieder im Weltcup starten wird? «Das wird sehr schwer», lautet die nüchterne Einschätzung von Lorina Zelger. Dafür will sie alles tun – wie sie es eben schon seit Ende Januar macht.

Kosten mit Crowdfunding decken

Mit Blick auf ihr Comeback hat Skirennfahrerin Lorina Zelger in den letzten Monaten nicht nur viel Zeit und Fleiss, sondern auch viel Geld in Physiotherapie, Mentaltraining, Zusatztrainings, Spezialschiene und Spezialsohlen investieren müssen.

Um diese Kosten zu decken, strebt die junge Sportlerin und Studentin eine Finanzierung mittels Crowdfunding auf der Raiffeisen-Plattform Lokalhelden.ch an. Crowdfunding ist eine Form der Finanzierung (engl. «funding») durch eine Menge (engl. «crowd») von Menschen. Die Unterstützer erhalten für ihre Spende einen persönlichen Gegenwert.

Die Aktion von Lorina Zelger hat vor zehn Tagen begonnen und dauert bis am 10. November. Die Finanzierungsschwelle beträgt 3500 Franken, dann gilt das Vorhaben als geglückt und die Kosten für Physio- und Mentaltraining sowie die Schiene sind gedeckt. Das Finanzierungsziel liegt nochmals 500 Franken höher, dann wären auch die Zusatztrainings sowie die Spezialsohlen finanziert. Stand Donnerstagmittag waren 2880 der 4000 Franken durch insgesamt elf Unterstützer zugesagt. Wer beispielsweise 500 Franken beiträgt, erhält einen Skitag mit Lorina Zelger im Toggenburg offeriert, für eine 50- Franken-Spende gibt es eine persönliche Autogrammkarte.

Weitere Informationen zur Aktion und Finanzierungsbeteiligung gibt es unter www.lokalhelden.ch/lorina-zelger