Liechtenstein
Nachbarschaftsstreit gerät aus den Fugen: 26-Jähriger beschmiert Fassade mit Kot

Wüste Beleidigungen und eine Fassade voller Katzenkot: Dieser Nachbarschaftsstreit endete mit einem Schuldspruch vor dem Liechtensteiner Landgericht.

Julia Kaufmann
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Ein 26-Jähriger erhielt für Sachbeschädigung und Diskriminierung eine Geldstrafe von 2250 Franken.

Ein 26-Jähriger erhielt für Sachbeschädigung und Diskriminierung eine Geldstrafe von 2250 Franken.

Daniel Schwendener

Der Angeklagte hatte augenscheinlich nichts für seinen Nachbarn, der im Erdgeschoss zwei Stöcke unter ihm wohnte, übrig. Er beschimpfte diesen über einen abgeänderten WLAN-Namen nicht nur als «Schweissgrusige Schwuchtla», sondern ging sogar so weit, von seinem Balkon aus ein Gemisch aus Fäkalien hinunterzuschütten, womit er die Markise und Fassade der Nachbarwohnung beschädigte.

Der 26-Jährige musste sich deswegen vor dem Liechtensteiner Landgericht verantworten. Ihm wurden allerdings nicht nur Sachbeschädigung und Diskriminierung zur Last gelegt, sondern auch des Besitzes eines Schlagrings und der pornografischen Darstellung Minderjähriger beschuldigt.

Damit gebrüstet, in den Garten «gepisst» zu haben

Weshalb sich die beiden Nachbarn in einen Streit verstrickten, der vergangenes Jahr derart aus den Fugen geriet, wurde nur am Rande thematisiert. Der Angeklagte behauptete, dass sein 40-jähriger Nachbar seine Oma schlecht behandelt hätte. Dieser wiederum äusserte die Vermutung, dass der Angeklagte homophob sei.

Dennoch gab der 26-Jährige vor Gericht an, nichts von den Attacken und Beschimpfungen gewusst zu haben, die sein Nachbar über sich ergehen lassen musste. Es könne der 40-Jährige selbst oder auch jeder andere gewesen sein, verteidigte er sich.

Allerdings lagen dem Richter stichhaltige Beweise vor: Unter anderem Auszüge von Whatsapp-Nachrichten, in denen sich der 26-jährige IV-Bezüger vor seinen Kollegen damit brüstete, der «Schwuchtel» in den Garten «gepisst», auf dessen Fensterscheibe gespuckt und gegen dessen Auto getreten zu haben. Der Angeklagte gab daraufhin zu, diese Nachricht verfasst zu haben. Jedoch sei er stark alkoholisiert gewesen. Der 26-Jährige meinte weiter:

«Ich habe es nicht so mit dem Reden und reagiere mich lieber über das Schreiben ab.»

Er habe zwar eine rüde Schreibweise, was aber nicht gleich bedeuten würde, dass er auch alles mache, was er seinen Kollegen per Whatsapp mitteile, protestierte der Angeklagte.

Einer seiner beiden Kollegen zeichnete allerdings ein anderes Bild. Der 26-Jährige sei eine ehrliche Haut und würde seine Freunde nicht belügen. Ausserdem gab er auf Nachfrage der Staatsanwältin zu, dass der Angeklagte ihm in einem privaten Gespräch alles gestanden habe. Mit «alles» meinte der Zeuge nicht nur die Attacke mit den ­Fäkalien, die dieser dem Katzenklo seiner Hauskatze entnommen hatte, sondern auch die Beleidigung des Nachbarn über ein WLAN-Netzwerk.

Beleidigung des Nachbarn fand auch über das WLAN-Netzwerk statt.

Beleidigung des Nachbarn fand auch über das WLAN-Netzwerk statt.

Bild: PD

Während der 26-Jährige behauptete, nicht zu wissen, wie man den Namen ändert, sagte sein Freund, dass dieser es ­gewesen sei. Ebenfalls dafür sprach, dass die Ausdrucksweise den Nachrichten in den Chats gleiche und der Name des Netzwerkes wieder umbenannt wurde, als der Vermieter den Angeklagten auf die Beleidigung ansprach. Der Tatbestand der Diskriminierung war für die Staatsanwaltschaft wie auch den Richter dadurch gegeben, weil der Netzwerk-Name für jeden Gast und Bewohner des Wohnblocks einsehbar war, wenn sich diese in ein lokales WLAN-Netzwerk eingeloggt haben – und damit also öffentlich war.

Kinderpornos angeblich in dubiosen Chats erhalten

Im Rahmen einer polizeilichen Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten wurden ausserdem ein Schlagring sowie auf dessen Laptop eine Datei gefunden, die eine minderjährige Person in einer sexuellen Handlung mit einem Tier zeigt. Weitere ähnliche Dateien, die auf dem Gerät des 26-Jährigen gefunden wurden, stufte die Staatsanwaltschaft zwar als grenzwertig ein, wurden aber nicht zur Anzeige gebracht.

Auch hiervon will der Angeklagte nichts gewusst haben. Er habe sich früher in einigen «komischen Chats» aufgehalten, in denen wohl solche Dateien versendet wurden. Der 26-Jährige erklärt:

«Auf meinem Laptop müssen sie gelandet sein, als ich ein Back-up gemacht habe. »

Weiter gab er zu bedenken, dass jeder, der in seiner Wohnung war, Zugang zu seinem Laptop und Handy gehabt hätte. Eine Ausrede, die ihm der Richter nicht abkaufte.

Vier Delikte: Allesamt keine Bagatellen

Der Angeklagte wurde schliesslich in allen vier Anklagepunkten schuldig gesprochen und der Richter verhängte eine Geldstrafe in Höhe von 2250 Franken, die auf eine Probezeit von drei Jahren bedingt nachgesehen wird. Ausserdem muss der 26-Jährige seinem Nachbarn – der mittlerweile umgezogen ist – 120 Franken für die Reinigung der Fassade und Markise bezahlen.

Des Weiteren wurden der Schlagring und Laptop eingezogen. Für die restlichen Ansprüche – 500 Franken wegen der Diskriminierung und 1000 Franken als Schmerzensgeld – wurde der 40-Jährige auf den Zivilrechtsweg verwiesen.

Als mildernd wertete der Richter die bisherige Unbescholtenheit des Angeklagten. Erschwerend war aus seiner Sicht, dass der 26-Jährige gleich für vier verschiedene Delikte angeklagt war, bei denen es sich allesamt um keine Bagatellen handelt. Vor allem beim Vergehen der pornografischen Darstellung Minderjähriger würden die Gerichte und Gesetz­geber keinen Spass verstehen. «Normalerweise werden hier keine bedingten Strafen ausgesprochen. Jedoch wurde in diesem Fall nur eine Datei zur Anzeige gebracht», erklärte der Richter.

Der 26-Jährige entschuldigte sich am Ende der Verhandlung. «Ich sehe ein, dass ich es übertrieben habe», sagte er. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.