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Lieber Schmutzli als Samichlaus

Matthias Giezendanner ist seit neun Jahren in der Buchser St. Niklausvereinigung. Während andere vom Schmutzli zum Samichlaus aufsteigen, bleibt er seiner Rolle treu. Der Schmutzli hat es ihm angetan.
Miriam Cadosch
Samichlaus wollte Matthias Giezendanner nie werden. Der Schmutzli ist seine Bestimmung. (Bild: Urs Bucher)
Matthias Giezendanner (2v.l.) mit seinen Samichlaus- und Schmutzlikollegen der
St. Nikolausvereinigung Buchs Grabs kurz vor der Aussendung. (Bild: Urs Bucher)
Ein Blick in den Spiegel zeigt, Matthias Giezendanner ist jetzt der Schmutzli. (Bild: Urs Bucher)
Die Ausrüstung des Schmutzlis: Sack, Rute und Glocke. (Bild: Urs Bucher)
Seit neun Jahren verwandelt sich Matthias Giezendanner einmal im Jahr in den Schmutzli. (Bild: Urs Bucher)
5 Bilder

Lieber Schmutzli als Samichlaus

Der Schmutzli ist bekannt als der ruhige, eher finstere Begleiter des Samichlaus. Früher hatten die Kinder oftmals Angst vor ihm, wenn er mit seiner Rute und der tief ins Gesicht gezogenen Kapuze neben dem Chlaus stand. Der Respekt vor ihm ist wohl auch heute noch bei vielen vorhanden. Als mir Matthias Giezendanner die Tür öffnet, steht da jedoch überhaupt kein finsterer Kerl. Gut gelaunt und sehr freundlich bittet er mich hinein und schnell bemerke ich, dass er bereits bestens auf unser Gespräch vorbereitet ist.

Matthias Giezendanner ist Mitglied in der St. Niklausvereinigung in Buchs. «Ich bin durch einen Kollegen, den ich vom Schrebergarten her kannte, darauf gekommen. Er meinte, das würde zu mir passen, sie seien ein wenig knapp besetzt. So entschied ich, an der Hauptversammlung teilzunehmen», erzählt er. Die spontane Aktion liegt mittlerweile neun Jahre zurück und Giezendanner ist immer noch mit viel Freude dabei. Ein kleines Detail unterscheidet ihn jedoch von den anderen Mitgliedern des Vereins: Die meisten beginnen als Schmutzli und werden, sobald genügend Erfahrung vorhanden ist, irgendwann Samichlaus. Nicht so Matthias Giezendanner.

"Ich merkte, dass ich einfach am liebsten der Schmutzli bin. Das gefällt mir besser, ich bin nicht so der Geschichtenerzähler. Als Unterstützung für den Samichlaus fühle ich mich wohl."

So schlüpft er noch heute in die braune Kutte, als Samichlaus versucht er sich gar nicht erst. Samichlaus und Schmutzli waren schon in Giezendanners Kindheit ein Thema. «Ich erinnere mich noch gut daran, wie der Puls nach oben ging als wir die Glocke hörten. Da machte man sich tausend Gedanken», sagt er. «Dieses Phänomen beobachten wir auch heute noch oft bei den Kindern.»

Der ruhige Typ

Matthias Giezendanner arbeitet als Chemielaborant. Seit über 40 Jahren ist er bei der Firma Merck, ehemals Sigma-Aldrich, in Buchs tätig. Er ist verheiratet und Vater von zwei erwachsenen Kindern. Parallelen von seinem Privatleben zu seiner Rolle als Schmutzli sieht er: «Ich denke, ich bin schon ein eher ruhiger Mensch. Es fällt mir leicht, alleine zu sein und auch bei der Arbeit sind wir ein kleines Team, wo jeder für sich arbeitet.» Trotzdem ist er aber auch ein geselliger Typ. Der Austausch in der Vorbereitung auf einen Schmutzli-Einsatz und das Zusammensitzen danach geniesst er. Dort scheint er nicht immer der Ruhige zu sein. «Manchmal sagt meine Frau dann schon ‹gestern Abend hast du wieder viel geredet.›»

Die Tage im Kostüm sind lang

In diesem Jahr ist Giezendanner an zwei bis drei Abenden als Schmutzli im Einsatz. Die Tage sind lang. Bereits am Nachmittag werden die Schmutzlis und Samichläuse im Pfarreiheim Buchs geschminkt. «Bei einem Schmutzli ist das Schminken etwas einfacher als beim Samichlaus, da können sich die Schminkerinnen austoben», erklärt er schmunzelnd. Bis Bart und Perrücke sitzen dauert es jedoch auch beim Schmutzli etwa zwanzig Minuten. Pro Abend sind jeweils etwa zwölf Gruppen, die aus einem Samichlaus, einem Schmutzli und einem Fahrer bestehen, unterwegs. Nach dem Schminken sitzt die Gruppe zusammen und schaut sich die Einsätze des Abends an. Das heisst die Listen, die die Eltern eingereicht haben, werden studiert, damit sie etwas vorbereitet sind. Darauf schreiben die Eltern Lob und Tadel oder auch allgemeine Anmerkungen. «Wenn etwas darauf steht, dass für das Kind sehr peinlich werden könnte, lassen wir das jedoch weg. So etwas finden wir kontraproduktiv», erklärt Matthias Giezendanner.

«Wir sind gerne das Mittel zum Zweck, zum Beispiel wenn ein Kind uns seinen Nuggi abgibt. Das kommt immer mal wieder vor. Wir nehmen ihn dann an uns und deponieren ihn zum Beispiel im Milchkasten, für den Fall dass die Eltern ihn behalten wollen.»

Nach der Vorbereitung sind die Gruppen einige Stunden unterwegs. Dabei ist es nicht immer ganz einfach, dass der Zeitplan eingehalten werden kann, da es bei einigen Familien länger dauert als bei anderen. Daher wird den Eltern eine ungefähre Zeitspanne angegeben, in der der Samichlaus kommen wird. Trotzdem hat Matthias Giezendanner auch schon einmal eine Panne miterlebt: «Einmal waren wir einiges später dran als angekündigt. Als wir bei der Familie ankamen, meinte der Vater ‹jetzt müsst ihr auch nicht mehr kommen› und hat uns die Tür wieder vor der Nase zugemacht», sagt er. «Wir rechnen jeweils mit etwa 30 Minuten pro Weg und Besuch. Sobald ein Besuch etwas länger dauert, kann der Zeitplan schon durcheinander kommen.» Die meisten Familien hätten jedoch Verständnis.

Zurück von den Familienbesuchen folgt der gemütliche Teil. «Dann bist du froh wenn du den Bart entfernen kannst. Auf dem Weg müssen wir meist mit Strohhalmen trinken, sonst wird es mühsam», so Giezendanner. Meist sitze man noch einen Moment zusammen und tausche sich über die Erlebnisse des Abends aus. «Es ist einfach toll dabei zu sein und über das Erlebte zu plaudern. Ich geniesse es auch, dass ich mit verschiedenen Samichläusen unterwegs bin. Es gibt zwar einen ungefähren Ablaufplan, aber trotzdem macht es halt jeder ein bisschen anders. So bleibt es spannend.»

Die Kinder reagieren völlig unterschiedlich auf den Schmutzli. «Es gibt Kinder, die sich verstecken und kein Wort herausbekommen. Andere kommen offen auf uns zu und schütteln uns die Hand. Natürlich strahlen sie den Chlaus mehr an, der Schmutzli ist halt eher ein finsterer Typ», sagt Matthias Giezendanner. Ziel der Familienbesuche sei es aber, dass es friedlich und fröhlich abläuft. Zudem hat Giezendanner einen Trick, um die Angst vor dem Schmutzli etwas zu nehmen: «Ich schaue nicht zu grimmig aus der Wäsche. Bei Kindern, die Angst haben, ist es wichtig, etwas Distanz zu wahren. Das muss respektiert werden. Oft brauchen sie aber nur einen Moment, um sich an die Situation zu gewöhnen und tauen dann auf», erklärt er.

Den Samichlaus unterstützen

In seiner Rolle als Schmutzli unterstützt Matthias Giezendanner den Samichlaus. Dieser hat den Lead über die Gruppe. Da der Samichlaus bereits das Buch und den Stab tragen muss, übernimmt der Schmutzli den Sack. Die Eltern schreiben auf die Anmeldung, wo die Chlaussäckli deponiert sind. Mal sind sie im Milchkasten, mal vor dem Haus. Der Schmutzli holt sie dort und packt sie in den Sack. Ausserdem trägt er die Glocke und die Rute. Meist bekommt der Schmutzli mehr vom Familienbesuch mit als der Samichlaus, da sich dieser auf den Text im Buch konzentriert

«So kann ich den Chlaus manchmal auf etwas aufmerksam machen. Wir sind ein Team, das zusammen funktioniert.»

In seiner Zeit als Schmutzli hat Matthias Giezendanner schon viele Erinnerungen gesammelt. Sowohl positive als auch negative. «Es gibt Familien, bei denen unser Besuch richtig zelebriert wird. Dort sind manchmal sogar die Grosseltern, Götti und Gotte, die ein Familienessen veranstalten und den Samichlaus und Schmutzli willkommen heissen. Ein anderes Mal kommt man in eine Familie, in der uns die Mutter mit den Kindern empfängt und hinten im Wohnzimmer sitzt der Vater und schaut Fussball. Das habe ich tatsächlich schon erlebt. Dann sind wir einfach nach hinten gegangen und haben ihn dazugeholt», erzählt er. Am besten gefällt es ihm, wenn in einer Familie feierliche Stimmung herrscht. «Es gibt Kinder, die sagen nicht nur einen Spruch auf, sondern musizieren oder schenken uns Zeichnungen und Guezli. Bei den meisten herrscht grosses Staunen wenn wir kommen, das ist schon schön», so Matthias Giezendanner begeistert.

Die Stimmung zählt

Samichlaus und Schmutzli beglücken jedoch nicht nur die Kinder. Zweimal war Giezendanner als Schmutzli im Betagtenheim. Diese Besuche sind bis heute ein Highlight für ihn. «Dort sind wir jeweils etwa zwei Stunden. Wir gehen von einem zum anderen, die Betreuer stellen die Bewohner vor. Auch sie bekommen von uns ein Säckli. Die Reaktion der Bewohner ist ganz erstaunlich, sie haben ein Strahlen in den Augen. Manche haben tatsächlich ein Sprüchli bereit, eine andere trug uns mal das Werdenbergerlied vor. Einmal hat einer sogar ein Gedicht für den Samichlaus geschrieben. Das ist eindrücklich und bleibt in Erinnerung.» Auch Matthias Giezendanners Augen strahlen, wenn er davon erzählt.
In diesen Tagen ist Matthias Giezendanner einmal mehr als Schmutzli unterwegs, bevor es wieder ein Jahr zu warten gilt. Besonders darauf vorbereiten musste er sich nicht. «Sobald diese Tage losgehen, kommt die Stimmung auf. Das ist es, was zählt.»

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