Nicole Göldi und der Radquer-Sport: Es ist Liebe auf den zweiten Blick

Die Mountainbikerin Nicole Göldi aus Sennwald startet am Samstag an der Radquer-WM in Dübendorf.

Heini Schwendener
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Das Bike ist bereit: Ab Donnerstag können die Sportlerinnen auf WM-Strecke in Dübendorf trainieren.

Das Bike ist bereit: Ab Donnerstag können die Sportlerinnen auf WM-Strecke in Dübendorf trainieren.

Bild: Heini Schwendener

 Die 17-jährige Nicole Göldi ist eine ebenso begeisterte wie erfolgreiche Mountainbikerin, die aber nicht nur sportliche Ziele hat. Im Sommer will sie das Sportgymnasium in Liechtenstein mit der Matura abschliessen. Dieses Sportgymnasium hat ihr einst empfohlen, im Winter, wenn keine MTB- Rennen stattfinden, doch einmal ein Radquer zu bestreiten, zur Abwechslung und um im Rennmodus zu bleiben. Göldi erinnert sich:

«Begeistert hat es mich damals noch nicht wirklich, ich sagte mir: einmal, und nie wieder.»

Trotzdem ist sie später wieder auf das Radquer-Velo gestiegen und hat eine pragmatische Einstellung zum neuen Renngerät entwickelt, das im Gegensatz zum Mountainbike keine Federgabel und Hinterraddämpfer hat.

Die WM im eigenen Land als Ansporn

Seit 2016 bestreitet Nicole Göldi nun schon Radquer-Rennen. Früher war diese Sportart in der Schweiz top. Unvergessen sind die Schlammschlachten, die sich die Athleten Wochenende für Wochenende an ihren Rennen lieferten. Doch diese Begeisterung verflachte irgendwann. Nun erlebt Radquer aber wieder einen kleinen Aufschwung. Wohl auch, weil viele Mountainbikerinnen und Mountainbiker Radquer als Wintertraining betreiben, um ausserhalb der Saison im Rennrhythmus zu bleiben. So wie Nicole Göldi, die mit zunehmenden Erfolgen ihre Liebe zum Radquer erst auf den zweiten Blick entdeckt hat. Ausserdem war da noch die Aussicht auf die Weltmeisterschaften im eigenen Land.

«Die Konkurrenz im Radquer ist nicht so gross wie im Mountainbikesport, ausserdem hat die Schweiz an der Heim-WM mehr Startplätze»,

sagt Göldi, «all dies hat mich angespornt». Und wie: Als U19-Fahrerin wurde sie an den Schweizer Meisterschaften Zweite über alle Kategorien (Elite, U23, U19) hinweg. Das Startticket für die WM, die am kommenden Wochenende in Dübendorf stattfindet, war ihr sicher.

Die Sennwalderin geht nicht mit riesigen Erwartungen an den Start, zumal sie diese Woche gesundheitlich nicht ganz auf der Höhe ist. «Bis Samstag wird das schon gut», sagt sie voller Zuversicht, «ich freue mich auf das Rennen und hoffe, dass ich es geniessen kann.» Aufsaugen wird sie auch die WM-Atmosphäre, denn sie startet mitten in der Weltelite. Göldi rückt morgen mit der Nationalmannschaft ein und kann zwei Tage auf der Piste trainieren, bevor am Samstag der Startschuss fällt. Am Streckenrand unterstützt werden wird sie von ihrer Familie. Ihr Vater, der früher selber einige Velorennen gefahren ist, ist einer ihrer Betreuer.

Mehr als nur eine «Pausenfüller»?

Nicole Göldi hat langfristige Ziele vor Augen: «Die Teilnahme als Mountainbikerin an einer WM oder EM. Und ein Traum von mir sind die Olympischen Spiele.» Wird Radquer, ihre Liebe auf den zweiten Blick, also der «Pausenfüller» zwischen der MTB-Rennsaison, die von März bis September dauert, bleiben? So sicher ist sie sich inzwischen gar nicht mehr, Radquer ist für Göldi durchaus eine Option. Fehlt ja eigentlich nur noch die Strasse. Doch diesbezüglich hat sie sich bereits entschieden:

«Strassenrennen sind für mich keine Option.»

Mountainbike oder Radquer, was auch immer – ein grosses Ziel von Nicole Göldi ist es, auch in ein paar Jahren noch immer Freude am Radfahren zu haben, «denn das ist die Grundlage, um schnell zu sein». Und sie hofft, eine Spitzensport-RS absolvieren zu können.