Buchs
«Wir finden es schade, dass es nicht mehr so ist»: Wehmütiger Abschied vom Kirchgemeindesaal Räfis-Burgerau

Am Sonntag fand der letzte Gottesdienst im Kirchgemeindesaal Räfis-Burgerau statt. Zudem wurde Ruth Müntener verabschiedet, welche 30 Jahre dem Saal schaute und nun in Pension geht.

Hansruedi Rohrer
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Letzter Gottesdienst mit Pfarrer Marcel Wildi im Kirchgemeindehaus Räfis; zum Schluss wurde das Kreuz abgenommen.

Letzter Gottesdienst mit Pfarrer Marcel Wildi im Kirchgemeindehaus Räfis; zum Schluss wurde das Kreuz abgenommen.

Bild: Hansruedi Rohrer

Beim Abendgottesdienst am Sonntag war es der einen oder anderen Person wohl etwas wehmütig zumute, denn gleichzeitig war es die Abschlussfeier im und für den Kirchgemeindesaal, der seit 1956 nicht nur für kirchliche, sondern für viele andere Anlässe im südlichen Buchser Dorfteil diente. Bei diesem letzten Gottesdienst wurde auch Ruth Müntener in die Pension verabschiedet, sie hatte 30 Jahre lang für den Saal zum Rechten geschaut.

Pfarrer Lars Altenhölscher und Pfarrer Marcel Wildi gestalteten diesen besonderen Abschied, der mit volkstümlicher Musik von Christopher Thwaites (Hackbrett) und Marco Schädler (Piano) sowie Elisabeth Beglinger mit einer Lesung umrahmt wurde.

Viele Vereine und Organisationen gingen ein und aus

«Altes verabschieden und Neues begrüssen» war das Thema der Predigt von Marcel Wildi. «Wir Menschen sind Gewohnheitstiere», sagte er, «wir haben im Normalfall lieber das, was wir schon kennen, als das, was wir nicht oder noch nicht kennen. Das geht sogar so weit, dass wir lieber in etwas drinbleiben, wo wir permanent leiden, als dass wir uns auf die Suche nach einer Alternative machen. Dem Volk Israel, das mit Mose vierzig Jahre in der Wüste unterwegs war, ist es auch so ergangen.» Bei den Menschen – als Gewohnheitstiere – sei die Veränderung und auch ein Abschied im Normalfall herausfordernd, hiess es weiter.

«Das, was uns vertraut ist, müssen wir loslassen, aufgeben, verabschieden.»

Marcel Wildi sagte auch, dass Gebäude Hilfsmittel sind und dazu beitragen, das Leben in einer Kirchgemeinde zu ermöglichen. «Wir nehmen heute Abschied von diesem Gebäude, das uns über Jahrzehnte sehr gute Dienste erwiesen hat. Aber wir nehmen nicht Abschied von den Menschen, die dieses Gebäude belebt haben; diese Menschen sind auch im neuen Gebäude in einem anderen Quartier unserer Stadt wieder dabei.»

Man begehe den Abschluss einer Ära und starte damit den Beginn einer neuen Ära. Nun heisse es eben auch für diesen Raum Abschied nehmen und Neues beginnen, sagte Pfarrer Lars Altenhölscher.

Viele Vereine und Gruppierungen seien hier ein- und ausgegangen und hätten diese Räume mit Leben gefüllt. «Dafür sind wir dankbar, und es macht natürlich ein wenig wehmütig, traurig, dass das nun zu Ende geht», meinte er. Doch es sei ja kein endgültiges Ende, neben der Kirche schlage man ein neues Kapitel auf. Und mit der Bildschule Buchs komme in diese Räume neues Leben, frischer Wind und bunte Farbe.

Erster Gottesdienst im Jahre 1956 in Räfis-Burgerau

Am 9. September 1956 wurde der Eröffnungsgottesdienst für das Kirchgemeindehaus Räfis gefeiert. Von Einfachheit und Schlichtheit des Gebäudes war die Rede und von einer Uhr, die vielleicht einmal hier angebracht werde. «Der Saal mit seinen 250 Sitzplätzen ist sehr geräumig und entbehrt trotz der strengen Einfachheit nicht einer gewissen vornehmen Würde» heisst es in der Buchser Gemeindechronik 1956. Die Baukosten betrugen total lediglich 180000 Franken.

Die Bedürfnisse ändern im Laufe der Zeit

Nik und Anni Gantenbein waren treue Besucher im Kirchgemeindesaal Räfis. Sie meinten:

«Wir finden es schade, dass es nicht mehr so ist. Hier geht vor allem für Räfis, welches ein wesentlicher Bestandteil von Buchs ist, etwas verloren. In diesem Haus war es auch persönlich und familiär, da war es uns eindeutig wohler.»

Margrit Schatzmann wohnt nur wenige Schritte entfernt vom Kirchgemeindehaus an der Churerstrasse in Räfis. «Alles wird anders», sagte sie, «aber diesen Saal, den bedauere ich.» Obwohl sie nicht jeden Sonntag hier war, fühlte sie sich jeweils sehr wohl. In früheren Zeiten seien es die alten Leute gewesen, welche den Saal füllten. «Doch heute kommen wir Älteren nicht mehr so oft, oder können nicht mehr.»

Es sei der Lauf der Zeit, erklärte Pfarrer Lars Altenhölscher zum Thema. «Die veränderten Bedürfnisse spielen da eine Rolle wie auch die Mobilität. Man stellt auch fest, dass Buchs und Räfis bald zusammengewachsen sind.»