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Leo Härz aus Nesslau hat im Pensionsalter mit dem Holzschnitzen sein schönstes Hobby gefunden

Im Pensionsalter fand Leo Härz nach einem Schnitzkurs sein Hobby. Unter seinen geschickten Händen wurden aus Holzklötzen detailgenaue Schellenkühe, Geissen und Sennen. Sein erster Alpaufzug ziert die heimelige Stube.
Ramona Riedener
Mit Freude blickt Leo Härz auf die Toggenburger Sennenwelt, die unter seinen geschickten Händen aus Lindenholz entstanden ist. (Bilder: Benjamin Manser)

Mit Freude blickt Leo Härz auf die Toggenburger Sennenwelt, die unter seinen geschickten Händen aus Lindenholz entstanden ist. (Bilder: Benjamin Manser)

Er sitzt am Esstisch in der heimeligen Stube in seinem Haus im idyllischen Weiler Bühl oberhalb von Nesslau. Sein Blick schweift sinnend zum Fenster hinaus auf die noch grünen Wiesen und Weiden zwischen vereinzelten Bauernhöfen. Der herbstliche Nebelschleier trübt die herrliche Aussicht auf die Churfirsten im Hintergrund.

Im Toggenburg einen Lebenstraum erfüllt

Leo Härz ist zurückgekehrt in die Nähe seines Heimatdorfes, nachdem es ihn aus beruflichen Gründen weggezogen hatte. Mit seiner Frau erfüllte er sich nach der Pensionierung einen Lebenstraum, als er ins Toggenburg zog. Hier fand er auch bald sein schönstes Hobby: das Schnitzen.

Jetzt ist er wieder zu Hause in seinem schönen Heim, nach zwei Hirnschlägen im Frühling, Spital- und Rehaaufenthalt. Die realistische Erkenntnis des 85-jährigen Kunsthandwerkers ist:

«Ich werde nicht mehr schnitzen können. Meine Hände sind nicht mehr in der Lage, diese feinen Arbeiten auszuführen.»

Sein wehmütiger Blick verwandelt sich blitzartig in ein strahlendes Lächeln, als er mit einer ausladenden Geste auf die Toggenburger Sennenwelt zeigt, die auf einem Holzregal in traditioneller Reihenfolge aufgestellt ist.

Mit diesem Werkzeug hat der Kunsthandwerker die Figuren aus dem Lindenholz-Block geschnitzt.

Mit diesem Werkzeug hat der Kunsthandwerker die Figuren aus dem Lindenholz-Block geschnitzt.

Zuerst der Geissbub im Sennengroscht, ihm folgen Ziegen und das Geissemeiteli, dann der Senn mit den gelben Hosen, hinter ihm die drei auserwählten Schellenkühe. Es folgen weitere Kühe und die Sennen. Den Schluss des farbenfrohen Alpaufzugs macht das Bauernpaar mit dem Pferdegespann vor dem Lediwagen, dem Bless und dem Stier.

«Das ist der erste Alpaufzug, den ich gemacht habe, und auch der einzige, den ich noch habe. Die anderen habe ich alle weggegeben.»

Diese ersten Schnitzereien entstanden vor bald 20 Jahren, als Leo Härz von seiner Frau auf einen Schnitzkurs aufmerksam gemacht wurde.

Am Anfang brauchte ich viele Heftpflaster

«Ich besuchte den Kurs, kaufte verschiedene Schnitzmesser und ganz viele Heftpflaster.» Diese habe er am Anfang gebraucht. Ein Blick auf seine feinen Hände zeigt, dass das Hobby aber keine grösseren Narben hinterlassen hat. Mit der Zeit wurde der Pflasterverbrauch immer kleiner und die Erfahrung des Kunsthandwerkers immer grösser.

Mit der gesammelten Erfahrung wurden die von Leo Härz geschaffenen Figuren immer schöner und feiner.

Mit der gesammelten Erfahrung wurden die von Leo Härz geschaffenen Figuren immer schöner und feiner.

In der Werkkammer, wo auf einem Tisch am Fenster und auf diversen Ablagen allerlei Werkzeug bereitliegen, entstanden in vielen Jahren etwa 25 Alpaufzüge und rund 15 Lediwagen. Mit viel Liebe zum Detail entstanden unter den geschickten Händen von Leo Härz aus Lindenholz verschiedene Figuren. Zuerst zeichnete er auf einen fünf bis sechs Zentimeter grossen Klotz die ungefähre Form auf, bevor er sie mit der Bandsäge aussägte.

Die Figuren sollen lebendig und echt wirken

Dann ging es an die Feinarbeit, ans Schnitzen. «Man sollte eine ungefähre Vorstellung davon haben, wie eine Kuh, Geiss oder ein Hund aussieht oder wie die Proportionen eines Kindes oder die einer erwachsenen Person sind.» Wichtig sei, dass die Figuren stehen können, lebendig und echt wirken und alle etwas anders aussehen.

Mit der Zeit achtete der Schnitzer auch vermehrt auf die Details.

Mit der Zeit achtete der Schnitzer auch vermehrt auf die Details.

Bei einem Alpaufzug sei es schön, wenn die Kühe nicht starr verharren, sondern so aussehen, als wenn sie laufen würden. Mit der Zeit achtete der Schnitzer auch vermehrt auf die Details wie Arme, Beine, Euter oder Kopfform seiner Figuren. Besonders feine Teile wie die Hörner und Zitzen der Kühe stellte Härz separat her, um sie später in die Figur einzufügen.

«Das Schwierigste ist das Gesicht einer Person. Wenn zum Beispiel bei einem Kind die Kopfform und Gesichtszüge nicht stimmen, sieht es aus wie eine alte Person, aber mit kindlicher Gestalt»

erklärt er. Sein Beispiel verdeutlicht er anhand seiner Erstlingswerke, die tatsächlich noch nicht so perfekt sind wie die lebendigen und schönen Holzfiguren, die im Laufe der Zeit mit dem wachsenden Erfahrungsschatz des Schnitzers entstanden.

Vom Bauernsohn am Sevelerberg zum Krankenpfleger

Der abwechslungsreiche Lebensweg von Leo Härz begann 1934 am Sevelerberg. Dort wuchs er mit seinen drei Schwestern auf einem Bauernhof auf. «Ich hatte zwar Freude an der Landwirtschaft. Doch damals hatte man so viel Arbeit und Mühe, um gerade mal durchzukommen. Das war nichts für mich.»

Als der Bauernverband Krankenpfleger für die Psychiatrische Klinik Wil suchte, meldete er sich nach der Rekrutenschule für eine Ausbildung. Noch heute erinnert er sich: «Die erste Nacht war fürchterlich. Ein junger Patient hat durchgehend geschrien und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen.»

Trotzdem hat der junge Mann durchgehalten und seine Ausbildung gemacht. Nach der Lehre arbeitete er während 19 Jahren in der Geriatrischen Klinik in Basel, später leitete er zusammen mit seiner Frau während 17 Jahren ein Altersheim.

Freude am Sennentum und Tracht

Den Lebensabend aber wollte das Paar nicht in der Stadt verbringen. So führte ihr Lebensweg nach Nesslau. Vor fünf Jahren ist seine geliebte Frau verstorben. Seither lebt Härz alleine im heimeligen Haus. Früher haben die beiden vieles gemeinsam gemacht. Sie war es auch, die den Schnitzfiguren ihres Mannes mit feinen Pinselstrichen den letzten Schliff verleite.

Nach dem Umzug ins Toggenburg konnte er die Freude an Senntum und Tracht auch in seinem Hobby ausleben.

Nach dem Umzug ins Toggenburg konnte er die Freude an Senntum und Tracht auch in seinem Hobby ausleben.

Neben dem Schnitzen half der rüstige Rentner den Bauern beim Heuen, sang im Männerchor und hatte Freude am Sennentum und an seiner Toggenburger Tracht.

«Mit 85 noch nicht alt genug fürs Altersheim»

Wann immer möglich besuchen die vier Kinder mit ihren Familien den Vater. Doch sie leben alle in Basel, das ist nicht gerade um die Ecke. Auch die Nachbarn schauen nach dem Senior, der sich noch nicht ganz von seiner schweren Krankheit erholt hat.

Eigentlich hätte er es leichter an einem Ort, wo rund um die Uhr für ihn gesorgt würde. «Mit 85 fühle ich mich einfach noch nicht alt genug fürs Altersheim», stellt er mit einem verschmitzten Schmunzeln fest.

Augenblicklich weicht der wehmütige Zug aus seinem Gesicht – seine Augen beginnen zu strahlen, während er glücklich lächelt. Leo Härz ist Zuhause, das ist mehr wert als die beste Pflege.

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