Leiter des Steueramtes Wartau ist nun freigestellt: «Der Verdacht der ungetreuen Amtsführung hat sich verdichtet»

Umfassende Abklärungen unter Leitung des kantonalen Steueramtes haben ergeben, dass die am Freitag durch die Gemeinde bekannt gegebenen mutmasslichen Veruntreuungen im Jahr 2019 stattfanden.

Thomas Schwizer
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Der Beschuldigte wird nicht mehr an seinen Arbeitsplatz im Wartauer Rathaus zurückkehren.

Der Beschuldigte wird nicht mehr an seinen Arbeitsplatz im Wartauer Rathaus zurückkehren.

Bild: T

Der am Freitag vom Gemeinderat wegen des Verdachts auf ungetreue Amtsführung beurlaubte Steueramts-Leiter der Gemeinde Wartau ist offiziell freigestellt worden. Er habe die entsprechende Vereinbarung am Sonntag nach einem Gespräch mit Gemeindepräsident Beat Tinner unterzeichnet, teilte die Gemeinde am Dienstagabend mit.

Aufgrund der Faktenlage sei davon auszugehen, dass das Arbeitsverhältnis aufgelöst wird, sagte Gemeindepräsident Beat Tinner auf Anfrage dieser Zeitung. Vor dem Entscheid wolle der Gemeinderat bewusst den Bericht der Untersuchungsbehörden (Polizei) abwarten.

Erkenntnisse der Revision der Staatsanwaltschaft übergeben

Die umgehend durchgeführten, umfassenden Abklärungen durch das kantonale Steueramt, unter Beizug der Finanzverwaltung und des Gemeindesteueramtes, hätten «den Verdacht der ungetreuen Amtsführung weiter verdichtet».

Die Erkenntnisse der Revision wurden der Staatsanwaltschaft für die Strafuntersuchung übergeben. Weitere Abklärungen seien im Gange.

Steuerrückzahlungen auf das eigene Konto überwiesen

Am Freitag hatte die Gemeinde bekannt gegeben, dass der Amtsleiter verhaftet und gegen ihn eine Strafuntersuchung eröffnet wurde. An seinem Arbeits- und Wohnort fanden Hausdurchsuchungen statt. Der Gemeinderat beurlaubte ihn umgehend. Zwei Tage später wurde er freigestellt. Am Freitagabend wurde der Verhaftete wieder freigelassen, der sich gemäss Polizeiangaben kooperativ zeigte.

Der Beschuldigte, für den bis zu einer Verurteilung die Unschuldsvermutung gilt, soll Steuerrückzahlungen statt an Steuerpflichtige auf sein Privatkonto überwiesen haben. Das bestätigte Polizeisprecher Hanspeter Krüsi bereits am Freitagnachmittag.

«Die Gemeinde Wartau ist für die Schäden versichert»

Die Gemeinde schreibt in ihrer Mitteilung weiter:

«Gemäss heutigem Wissensstand fanden die mutmasslichen Veruntreuungen im Jahr 2019 statt.»

Bei der laufenden Prüfung seien keine Unregelmässigkeiten in den früheren Jahren festgestellt worden. Steuerpflichtige wurden gemäss dem aktuellem Stand der Erkenntnisse durch die Manipulationen nicht geschädigt. Die Gemeinde Wartau sei für die Schäden versichert.

Die Höhe der Deliktsumme, die Gemeindepräsident Beat Tinner am Freitag gemäss ersten Abklärungen mit «etwas mehr als 100000 Franken» bezifferte, werde jetzt durch die Staatsanwaltschaft weiter ermittelt. Das gilt auch für den genauen Zeitraum der Verfehlungen.

Bei Bedarf stehen personelle Ressourcen zur Verfügung

Die nun vakante Leitung des Steueramtes Wartau wird gemäss der Mitteilung bereits in den nächsten Tagen ausgeschrieben. Interimistisch wird sie vom bisherigen Amtsmitarbeiter Christian Schwendener geführt.

Es hätten bereits Kontakte mit dem Verband der Steuerämter und dem kantonalen Steueramt stattgefunden. Sie hätten zugesichert, bei Bedarf der Gemeinde personelle Ressourcen zur Verfügung zu stellen, sagte Beat Tinner am Dienstagabend auf Nachfrage.

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