«Genug von der Fundamentalopposition» - Seveler Gemeindepräsident Roland Ledergerber wirft das Handtuch

Der Seveler Gemeindepräsident zieht nach dem Nein zum Wärmeverbund seinen Rücktritt auf Ende August vor. Es ist bereits die vierte Vorlage des Gemeinderates, die vom Volk abgewiesen wurde.

Thomas Schwizer
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Das Nein zum Wärmeverbund Büelriet nach grober Kritik veranlasst Gemeindepräsident Roland Ledergerber zum vorzeitigen Rücktritt.

Das Nein zum Wärmeverbund Büelriet nach grober Kritik veranlasst Gemeindepräsident Roland Ledergerber zum vorzeitigen Rücktritt.

Bild: Heini Schwendener

«Ich bin noch immer topmotiviert»: So liess sich der Seveler Gemeindepräsident Roland Ledergerber am 26.Oktober 2019 im W&O zitieren. Anlass für diese Aussage war seine Ankündigung, dass er Ende 2020, auf Ende der laufenden Legislatur, nach dann gut zehn Jahren an der Spitze der Gemeinde nicht mehr antreten werde.

Gemeinderat befasste sich am Montagabend mit dem Thema

Roland Ledergerber hat noch am Sonntag per E-Mail alle Gemeinderäte von seinem Rücktritt bereits per Ende August informiert. Er habe dies dem Gemeinderat für den Fall einer Ablehnung der Wärmeverbunds-Vorlage bereits im Vornherein angekündigt, stellte der Gemeindepräsident gegenüber dem W&O fest. Der Gemeinderat werde Ledergerbers Kündigung am Montagabend, also noch gestern, an der Gemeinderatssitzung diskutieren, sagte Vizepräsidentin Claudia Billet auf Anfrage des W&O. Der Rat muss die Kündigung formal genehmigen. Weitere Auskünfte werde es erst geben, wenn der Gemeinderat getagt habe, stellt Billet fest. (ts)

In einem Leserbrief, in dem er per Mailbetreff seine «öffentliche Kündigung als Gemeindepräsident» verkündet, hat er nun mitgeteilt, dass er nicht erst auf Ende dieses Jahres, sondern bereits auf Ende August als Gemeindepräsident zurücktreten wird. Also auf den ordentlichen Pensionierungszeitpunkt. Am 29.August darf Roland Ledergerber seinen 65.Geburtstag feiern.

Er macht damit offensichtlich, dass die Motivation nun nicht mehr vorhanden ist, die Arbeit als Gemeindepräsident bis Ende dieses Jahres wahrzunehmen. Er fährt als Begründung dafür schweres Geschütz auf:

«Populistische Darstellungen und falsche Behauptungen von unterbeschäftigten und gelangweilten Pensionisten haben offensichtlich mehr Gewicht beim Stimmvolk als die seriöse Arbeit des gewählten Gemeinderates im Sinne und zu Gunsten des Gemeinwohls.»

Dass ein Gemeindepräsident in einem Leserbrief seinen Rücktritt bekanntgibt, ist eh schon aussergewöhnlich. Dessen Inhalt macht vollends deutlich, dass er seinen, offensichtlich tief sitzenden, Ärger nach dem Nein vom Sonntag zum Wärmeverbund Büelriet Luft machen musste.

Vier Vorlagen, viermal Nein

Wenn mehrere Vorlagen, die der Gemeinderat gewissenhaft erarbeitet habe, abgelehnt würden, müsse man sich fragen, warum das trotz der sachlich korrekten Inhalten geschieht, führt Roland Ledergerber auf Anfrage des W&O aus. Konkret nennt er die Strassenraumgestaltung, den Standort des neuen Betagtenheims, die Zukunftslösung des Drei-Könige-Areals und jetzt den Wärmeverbund. Sein Fazit:

«Da wird der Gemeinderat nicht ernst genommen.»

Das erneute Nein vom Sonntag offenbare ein Misstrauen gegenüber dem gewählten Rat, der sich nach bestem Wissen und Gewissen für das Wohl der Bevölkerung von Sevelen einsetze und gut funktioniere.

Kritik an regelmässiger «Fundamentalopposition»

Ledergerbers Ärger betrifft «eine Gruppe Pensionierter», womit er jene anspricht, die in zahlreichen Leserbriefen als Letztes den Holzschnitzel-Wärmeverbund Büelriet zum Scheitern brachten. Er habe mehrfach mit den Kritikern diskutiert, ihnen zusammen mit den Fachleuten alles detailliert aufgezeigt.

Aus seiner Sicht haben diese Personen danach, wider eigentlich besseres Wissen und entgegen den Ausführungen, die er und die von der Gemeinde beigezogenen Fachleute ihnen gegenüber gemacht haben, öffentlich das Gegenteil dessen behauptet, was nachweisbar sei. Deshalb kommt Roland Ledergerber persönlich zum Schluss, es sei den betreffenden Leuten auch bei dieser Vorlage lediglich um Fundamentalopposition gegangen. Der Schaden für ein seriös durchdachtes und sinnvolles Projekt sei riesig.

Seriöser Ruf geht verloren

Mit ihrer Bekämpfung der vom Gemeinderat erarbeiteten Vorlagen hätten die vielfach gleichen Kritiker erreicht, dass die Bürgerinnen und Bürger vier für die Entwicklung der Gemeinde sehr wichtige Gutachten und Anträge abgelehnt haben. Sevelen habe sich vor allem dank ihm, nach politisch nicht nur guten Jahren, kantonsweit wieder einen seriösen Ruf erarbeitet, stellt der Gemeindepräsident fest. Mit solcher Fundamentalopposition gehe dieser nach und nach wieder verloren.

Damit wolle und könne er nicht leben und seine Führungsverantwortung so nicht mehr wahrnehmen. Mit seinem Rücktritt per Ende August statt wie ursprünglich vorgesehen per Ende Jahr zieht er nun die persönliche Konsequenz daraus.