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Ultra-Läuferin Kim Baner aus Buchs: «Laufen ist leben»

Zum Berglaufen kam Kim Baner von Holland nach Buchs. «Das schaffst du nie», sagte ihr Freund beim 15-Kilometer-Lauf. Nun wagt sie sich an 170 Kilometer.
Ursula Wegstein
Auf Madeira absolvierte Kim Baner aus Buchs am 27. April den 115 Kilometer langen Madeira-Island-Ultra-Trail.(Bild: PD)Auf Madeira absolvierte Kim Baner aus Buchs am 27. April den 115 Kilometer langen Madeira-Island-Ultra-Trail.(Bild: PD)
Die Ultraläuferin Kim Baner trainiert viermal pro Woche. Am Wochenende macht sie einen Vier- bis Sechs-Stunden-Lauf. (Bild: Benjamin Manser)Die Ultraläuferin Kim Baner trainiert viermal pro Woche. Am Wochenende macht sie einen Vier- bis Sechs-Stunden-Lauf. (Bild: Benjamin Manser)
Je nach Wetter und Strecke: Eine Ultra-Läuferin braucht mehrere Paar Laufschuhe. (Bild: Benjamin Manser)Je nach Wetter und Strecke: Eine Ultra-Läuferin braucht mehrere Paar Laufschuhe. (Bild: Benjamin Manser)
Kim Baner beim Zieleinlauf beim Madeira-Island-Ultra-Trail. (Bild: PD)Kim Baner beim Zieleinlauf beim Madeira-Island-Ultra-Trail. (Bild: PD)
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«Laufen ist leben»

Vor ihrer Haustüre stehen acht Paar Turnschuhe. Kürzlich ist sie auf Madeira bei einem 115-Kilometer-Lauf nach 31 Stunden, 18 Minuten und 42 Sekunden ins Ziel eingelaufen. Berglaufen und besonders Ultralaufen, also Rennen, die über die klassische Marathondistanz von 42,195 Kilometern hinausgehen, sind das, wofür Kim Baner aus Buchs brennt. Inzwischen kann es ihr auch kaum extrem genug sein. Laufen. Laufen. Und noch mehr Laufen. Und das über mehrere Gipfel und zwei Nächte hindurch. Warum macht eine so was? «Weil es schön ist und man dabei etwas von der Welt sieht», sagt Baner und lacht.

Unterwegs zur eigenen Grenze

In der Natur unterwegs zu sein ist für die 39-jährige Holländerin ein Abenteuer. Dabei geht es ihr vor allem darum, ihre Grenzen auszuloten: zu wissen, wie weit ihre Füsse sie tragen.

«Man spürt, dass man lebt. Spürt jede einzelne Zelle des Körpers.»

Dabei begann im Jahr 2003 alles ganz klein: Um überhaupt laufen zu können, hat Baner damals erst einmal mit dem Rauchen aufgehört. Dann Kondition aufgebaut. Danach ist sie von Strassenlaterne zu Strassenlaterne gesprintet, bis ihr einer gesagt hat, dass sie langsamer laufen müsse, nur ein bisschen schneller, als beim Wandern.

«Das schaffst du nie»

Als sie eines Abends begeistert von ihrer ersten absolvierten Runde zurückkam, setzte sie sich einen 15-Kilometer-Lauf als erstes Ziel. «Das schaffst du nie», habe ihr Freund zu ihr gesagt – und damit ihren Ehrgeiz geweckt, es ihm und sich selbst zu beweisen. Nach dem erfolgreichen 15-Kilometer-Lauf absolvierte sie Halbmarathons, Marathons und 2013 ihren ersten Bergmarathon in Chamonix. Dieser Lauf begeisterte sie endgültig für den Berglauf in Extremform: Seitdem läuft Baner nicht mehr auf der Strasse, sondern nur auf Bergwegen und über Gipfel.

Die Ultraläuferin Kim Baner trainiert viermal pro Woche. Am Wochenende macht sie einen Vier- bis Sechs-Stunden-Lauf. (Bild: Benjamin Manser)

Die Ultraläuferin Kim Baner trainiert viermal pro Woche. Am Wochenende macht sie einen Vier- bis Sechs-Stunden-Lauf. (Bild: Benjamin Manser)

Der Kampf gegen das Aufgeben

Von der Marathondistanz steigerte sie sich weiter auf 50-, 80- und 100-Kilometer-Läufe. Nun will sie bei einem 170-Kilometer-Lauf als Finisherin ins Ziel kommen. 2017 wagte sie sich beim Ultralauf rund um das Mont- Blanc-Massiv, einem Lauf mit zahlreichen Passagen auf grosser Höhe und schwierigen Wetterbedingungen (Nacht, Wind, Kälte, Schnee) zum ersten Mal auf die 170-Kilometer-Distanz. Doch nach 140 gelaufenen Kilometern gab sie auf.

«Während 20 Kilometern habe ich mit mir gekämpft, dann habe ich das mentale Spiel verloren.»

Eine Freundin wollte sie überreden, nach dem Motto «Du kannst doch nicht einfach so aufgeben, wenn alle auf Facebook mitfiebern». Doch Baner läuft nicht für die Leute auf Facebook.

Vielleicht ist es das Spannende, nicht zu wissen, wo die eigene körperliche Grenze ist, was die Läuferin motiviert, sich zu immer längeren Läufen anzumelden. Hinzu kommt das mentale Spiel gegen den inneren Schweinehund, der einen ständig zum Aufgeben überreden will.

«Die Frage ist immer, wer gewinnt? Mein innerer Gegner, oder ich».

Wie im Leben insgesamt auch, gebe es Momente, in denen es aufwärtsgeht und andere, in denen sie am liebsten aufgeben will. Dann versucht sie, sich zu überlisten. Und redet sie mit sich selbst: «Hör auf zu denken! Jetzt musst du durchhalten!» Statt zu denken, wie weit sie noch laufen muss, befiehlt sie sich zu denken, dass sie jeder Schritt näher ans Ziel bringt. Wenn es nicht mehr geht, schaut sie sich die Landschaft an.

Der Kampf gegen den Schlaf

Eine zweite Nacht hindurch zu laufen sei durchaus hart. «Man kämpft und kämpft gegen den Schlaf», erzählt sie. Einmal habe sie sich für einen Minutenschlaf irgendwo auf den Waldboden gesetzt und mit dem Kopf auf den Knien geschlafen. Doch die Euphorie, als Finisher ins Ziel zu kommen, trieb sie an, wieder weiterzulaufen. «Die Natur ist in der Nacht so schön», erzählt sie.

«Nachts nimmst du Gerüche und den Wind viel intensiver wahr.»

Den Kampf gegen sich selbst hat gewonnen, wer als Finisher ins Ziel kommt. Dass 140 Kilometer ihre persönliche Grenze sind, denkt sie nicht. Dieses Jahr hat sie sich nochmals für einen anderen 170-Kilometer-Lauf, den Swiss Peaks angemeldet – ein Ultralauf über mehrere Pässe und Täler im Wallis.

Wegen der Berge und um diesen Sport ausüben zu können, kam die Physiotherapeutin 2016 nach Buchs und arbeitete in einer Praxis für Physiotherapie. Als der Inhaber ein halbes Jahr später seine Praxis aufgab, machte sich Baner in einer Gemeinschaftspraxis selbstständig. So etwas wie Heimweh kennt sie nicht. Sie fühlt sich eher, als ob sie hier nach Hause gekommen ist. «Es ist fast so, als ob ich am falschen Ort geboren wäre», sagt sie.

Viermal pro Woche Training

Ob das jeder kann, will die Journalistin wissen. «Laufen kann jeder», sagt Baner. Der Rest sei eine Frage der Motivation. Baner läuft am liebsten allein. «Wir Ultraläufer sind eine Subkultur», sagt sie.

«Wir müssen sehr diszipliniert sein.»

Ein Trainer in Holland macht für sie den Trainingsplan. Einmal pro Woche läuft sie auf der Bahn. Einmal macht sie Krafttraining. Wenn andere am Wochenende sechs Stunden shoppen gehen, geht sie sechs Stunden laufen. Insgesamt läuft sie viermal in der Woche. Ist das gesund? «Wir sind zum Laufen gemacht», sagt Baner. Ich denke, Ultraläufer sind eher gesunde Menschen, weil sie sich viel bewegen, gesund ernähren und einen klaren Kopf haben. «Je mehr du läufst, desto besser kann sich der Körper auch regenerieren», so Baner. Darum sei sie am Ende eines Laufes eigentlich ziemlich fit.

Zur Feier ihres 40. Geburtstags, hat sie die «Kim-wird-40-Tour» geplant: Im April der Lauf auf Madeira, im Juli ein 111-Kilometer-Lauf in Verbier und im September dann der Swiss-Peaks. Und was macht sie mit 80? «Hoffentlich habe ich dann irgendwo ein schönes Häuschen am Berg, vielleicht auf dem Grabserberg. So schnell kann ich dann nicht mehr springen», sagt sie. «Dann gehe ich einfach noch ganz viel spazieren.»

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