Grabser Tempo-30-Strecke findet mehrheitlich Anklang

Voraussetzungen für sinnvolle Lösungen gegen Lärmimmissionen sind an der Hochhaus-/Spitalstrasse vorläufig nicht gegeben. An der Werdenstrasse soll aber Tempo 30 eingerichtet werden.

Hanspeter Thurnherr
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Die 30er-Strecke an der Werdenstrasse kann günstig umgesetzt werden.

Die 30er-Strecke an der Werdenstrasse kann günstig umgesetzt werden.

Donato Caspari

An der Informationsveranstaltung zum Lärmsanierungsprojekt der Gemeinde und des Kantons St. Gallen gab vor allem die geplante Tempo-30-Strecke zu Diskussionen Anlass. Mehrheitlich wurde von den zahlreichen Votanten die Temporeduktion auf der Werdenstrasse zwischen der Staatsstrasse und der Fabrikstrasse begrüsst, ja sogar gefordert, die Strecke Richtung Industrie zu verlängern. Auch solle eine umfassendere Tempo-30-Zone mit Einschluss der angrenzenden Quartiere eingerichtet werden. So könne allfälliger Schleichverkehr vermieden werden, wurde argumentiert. Einzelne forderten gar, Tempo-30-Zonen in allen Quartieren einzurichten oder wenigstens die stark befahrenen Dorf-, Hochhaus- und Spitalstrasse zu berücksichtigen.

Wie Gemeindepräsident Niklaus Lippuner sagte, seien diese Anliegen auch in der Verkehrskommission und im Gemeinderat ein Thema. Doch sei eine 30er-Zone nicht so einfach und kostengünstig einzurichten, wie eine 30er-Strecke.

Es gab aber im Publikum auch kritische Stimmen, welche glauben, dass die Massnahme auf der Werdenstrasse nicht viel bringe, weil die tiefere Geschwindigkeit nicht eingehalten werde und dadurch die Lärmreduktion kaum wahrnehmbar sei.

«Wir sind in Verzug»

Wie Ivo Berger, Mitarbeiter im Ingenieurbüro Tuffli + Partner aus Mels, an der Informationsveranstaltung erklärte, ist das Umweltschutzgesetz seit 1. Januar 1985 in Kraft. Es definiert unter anderem in der Lärmschutzverordnung Lärmimmissionsgrenzwerte und Fristen, bis wann geeignete Massnahmen bei zu viel Lärm umgesetzt werden müssen. «Wir sind in Verzug, denn die Frist ist am 31. März 2018 abgelaufen. Gemäss einer Studie des Bundesamtes für Umwelt sind zwar bis Ende 2018 durch Massnahmen 270000 Personen besser geschützt worden. Aber mehr als eine Million ist noch übermässigen Lärmbelastungen ausgesetzt», sagte Berger.

Massnahmen an diesen Strassenteilstücken wurden im Rahmen des Lärmsanierungsprojektes geprüft.

Massnahmen an diesen Strassenteilstücken wurden im Rahmen des Lärmsanierungsprojektes geprüft.

PD

Gemäss Gesetz müssten zuerst Massnahmen an der Lärmquelle in Betracht gezogen werden: Lärm verhindern, verringern oder mindern durch Umfahrungen, Temporeduktionen oder lärmarme Beläge. In zweiter Linie kommen Massnahmen auf dem Ausbreitungsweg des Lärms: Lärmschutzwände, sofern der Platz, die Verkehrssicherheit, der Ortsbildschutz und der Kosten-Nutzen-Faktor es zulässt. Erst wenn beide Massnahmengruppen nicht möglich sind, kommen Ersatzmassnahmen zum Zug: Schallschutzfenster oder das Entbinden aus der Pflicht, wenn begründet werden kann, dass alle Massnahmen nicht sinnvoll möglich sind. Berger erklärte den Ablauf des Projektes: von der Lärmerfassung über die Berechnung der Verkehrserhöhung bis zur Umsetzung. Die Öffentliche Planauflage für das Projekt mit Gesamtkosten für die Gemeinde von gut 62000 Franken dauert vom 26. Februar bis zum 26. März (Lindenweg 4, Büro 9).

Sichtschutz wird durch höhere Wand ersetzt

Der Kanton steht bei den Kantonsstrassen (Staatsstrasse, St.Gallerstrasse) in der Pflicht. Jeannette Madörin, Fachstelle Immissionen im kantonalen Tiefbauamt, erläuterte die dort vorgesehenen Massnahmen. Der einzige wirtschaftliche Standort für eine Lärmschutzwand sei im Bereich des Limsergässli. Die heutige, nicht den Regeln entsprechende Sichtschutzwand werde durch eine höhere Wand aus Holz mit Betonstützen und -sockel ersetzt. Auf der St.Gallerstrasse zwischen beiden Kreiseln werde beim ordentlichen Unterhalt ein lärmarmer Belag eingebaut.

Temporeduktion würde nicht viel bringen

Urs Haslebacher, ebenfalls Mitarbeiter bei Tuffli + Partner, erläuterte die Massnahmen an den Gemeindestrassen. Das im Projekt geprüfte Gebiet beschränkt sich auf die Werden-, Hochhaus- und Spitalstrasse, weil hier entlang am meisten «lärmüberschrittene» Gebäude stehen. Beim Strassenstück Hochhaus-/Spitalstrasse zeigte sich, dass eine Temporeduktion auf dem 50er-Strassenstück nicht viel bringt, da bereits heute im Durchschnitt nur mit 43 km/h gefahren werde. Da der Zustand des Belages noch gut sei und angesichts der noch einige Jahre dauernde Bauzeit beim Spital, könne vorläufig auch kein lärmarmer Belag eingebaut werden. Und für Lärmschutzwände gebe es keine geeigneten Standorte.

Möglicherweise wird später eine 30er-Zone daraus

Der Plan zeigt: Die 30er-Strecke erfordert an zahlreichen Stellen entsprechende Signaltafeln.

Der Plan zeigt: Die 30er-Strecke erfordert an zahlreichen Stellen entsprechende Signaltafeln.

PD

An der Werdenstrasse sind im Bereich zwischen Staats- und Fabrikstrasse bei etlichen Gebäuden die Immissionsgrenzwerte überschritten. Hier zeige das Gutachten, dass eine Tempo-30-Strecke eine wahrnehmbare Verbesserung bringe – und dies kostengünstig. Laut Gesetz ist deshalb diese Massnahme prioritär umzusetzen. Als 30er-Strecke sind ausser zahlreicher 30er-Schildern keine baulichen Massnahmen nötig. Gemäss Haslebach ist aber nicht ausgeschlossen, dass die Strecke später zu einer 30er-Zone erweitert werden könne. Die 30er-Strecke werde eine Lärmreduktion um 1 bis 1,5 Dezibel bringen. Das Ohr nehme Lärmunterschiede ab einem Dezibel wahr, sagte Haslebach. Zudem habe diese Massnahme auch positive Nebeneffekte auf die Verkehrssicherheit auf diesem Schulweg.