Landesverweis nach Einbruch in zwei Bijouterien: Kuhdieb sattelt auf Schmuck um

Das Kreisgericht in Mels weist einen Mann aus, der in zwei Bijouterien eingebrochen ist. Die Anklage hatte dem 36-jährigen Hilfsarbeiter vorgeworfen, in zwei Schmuckgeschäften reichlich Beute gemacht zu haben.

Reinhold Meier
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Der Angeklagte sagte, dass er eher per Zufall etwas aus der Bijouterie in Bad Ragaz mitgenommen habe.

Der Angeklagte sagte, dass er eher per Zufall etwas aus der Bijouterie in Bad Ragaz mitgenommen habe.

Themenbild: Esther Michel/Neue Luzerner Zeitung

In Bad Ragaz sei der Mann mit einem Kollegen unterwegs gewesen und habe Uhren und Schmuck im Wert von 54000 Franken ergaunert, bei einem Sachschaden von 18'000 Franken, nachts um 3.30 Uhr. In Poschiavo schlugen 39'000 Franken zu Buche, die er als Alleintäter buchstäblich einsackte, bei einem Sachschaden von 10'000 Franken, nachts um 4.00 Uhr.

Bald nach den Einbrüchen wurde er geschnappt, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft, derweil rund vier Monate.

Mit der Hand von aussen durch das Loch gegriffen

Der Beschuldigte erschien in Fuss- und Handschellen an Schranken, wiegelte aber die Vorwürfe eher gelassen ab. Er sei als Apfelpflücker in Oberitalien gewesen und irgendwann mal mit seinem Kollegen, einem gewissen «Alex», in die Schweiz gefahren, um nach Feierabend ein bisschen zu spielen. Im Casino des Kurorts hätten sie aber keinen Einlass gefunden. So sei man halt des Nachts spazieren gegangen.

Beim bekannten Schmuckladen Stucky habe man dann, warum auch immer, jedenfalls eher zufällig, mit einer Eisenstange das Fenster eingeschlagen. Man habe das Haus aber nicht betreten, das sei ihm wichtig. Lediglich mit der Hand von aussen habe man durch das Loch im Glas nach innen gegriffen und dabei wohl offenbar das eine oder andere zu fassen bekommen. Von Hausfriedensbruch könne folglich keine Rede sein, wollte er damit sagen. Ja, mitgenommen habe man was, aber nur so von aussen, eher per Zufall also.

Mit der Bernina-Bahn geflüchtet

In Poschiavo warf er später die Scheibe des zweiten Schmuckladens mit einem Stein ein und behändigte sich dann der Preziosen. Sodann ging er zum Bahnhof und fuhr mit dem ersten Frühzug der Rhätischen Bahn nach Tirano, über die Grenze in die Lombardei. Hier wartete angeblich just wieder jener unbekannte «Alex», der schon in Bad Ragaz dabei gewesen war und ihn zu all dem Tun angestiftet habe.

Die Diebstähle in der Schweiz habe er zwar gemacht, gestand er ein. Im Übrigen sei er aber unbescholten, nur eine Kuh habe er mal geklaut, in Rumänien. Und eine Disco-Schlägerei hätte es mal gegeben, nichts Aufregendes, nur etwa vier Vorstrafen habe er. Der ominöse Alex ist bis heute unbekannt geblieben, auch bei den Ermittlern.

Die Anklage forderte auch einen Schuldspruch wegen mehrfachen Diebstahls, Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigungen. Als Strafmass sei ein Jahr Gefängnis, bedingt auf drei Jahre, angemessen. Zudem solle ein Landesverweis für acht Jahre erfolgen, mit Verbot für den gesamten Schengenraum.

Gericht spricht Landesverweis für die Schweiz aus

Der amtliche Verteidiger plädierte für das gleiche Strafmass, schliesslich sei sein Mandant geständig und die Vorwürfe an sich unstrittig. Doch der Landesverweis solle bloss fünf Jahre betragen und sich nur auf die Schweiz, nicht aber auf den europäischen Schengenraum beziehen.

Dem folgte das Gericht im Wesentlichen und sprach die Haftstrafe wie beantragt aus. Der Mann sei einschlägig vorbestraft, habe hochwertiges Deliktsgut geklaut und die Objekte gezielt ausgesucht.

In letzten fünf Jahren keine relevante Vorstrafe mehr

Zwar habe er in den letzten fünf Jahren keine relevante Vorstrafe mehr erhalten, was für eine günstige Prognose spreche. Doch man müsse «leichten Bedenken» Rechnung tragen, dass es auch anders sein könne, daher sei die Probezeit von drei Jahren gerechtfertigt.

Der Landesverweis für die Schweiz über fünf Jahre sei ausreichend, den Schengenraum darf er damit weiterhin besuchen, also auch zum Apfelpflücken nach Italien kommen.