Landesbibliothek erhält ein neues Zuhause im Herzen von Vaduz

Ab dem Jahr 2025 ist die Liechtensteinische Landesbibliothek im Post- und Verwaltungsgebäude in Vaduz zu finden. Mit der ohnehin geplanten Gebäudesanierung entstehen so Kosten von 22 Millionen Franken.

Oliver Beck
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Tina Hilti, Stiftungsratspräsidentin, Regierungsrätin Aurelia Frick und Wilfried Oehry, Landesbibliothekar, anlässlich der gestrigen Medienorientierung. (Bild: IKR)

Tina Hilti, Stiftungsratspräsidentin, Regierungsrätin Aurelia Frick und Wilfried Oehry, Landesbibliothekar, anlässlich der gestrigen Medienorientierung. (Bild: IKR)

Als die Landesbibliothek 1968 ins AHV-Gebäude übersiedelt, ist das nur als Zwischenschritt hin zum erhofften Neubau geplant. Doch aus der Temporär wird eine Dauerlösung, die noch heute Bestand hat. Wenn auch nicht mehr all zu lang.

In ihrer Sitzung am Dienstag beschloss die Regierung, dass die Landesbibliothek im heutigen Post- und Verwaltungsgebäude in Vaduz einen neuen Standort erhalten soll. Damit werde die Institution in eine «neue Ära» eintreten, betonte Kulturministerin Aurelia Frick gestern gegenüber den Medien. Als «Meilenstein» bezeichnete Stiftungsratspräsidentin Christina Hilti den Entscheid der Exekutive. «Wir freuen uns sehr.»

Doppelt so viel Fläche

Der bisherige Standort gab für solcherlei Emotionen schon länger nur noch bedingt Anlass. Zu stark wogen die Defizite, die Hilti vor den Pressevertretern benannte: Ein dezentraler Standort, der die Sichtbarkeit für Besucher minderte, eine ebenfalls aus der suboptimalen Lage resultierende schlechte Anbindung an den öffentlichen Verkehr, arg eingeschränkte Kapazitäten, welche die Verantwortlichen zwangen, drei Viertel aller Medien auszulagern und eine sichere Aufbewahrung aller Liechtenstein-Publikationen verunmöglichten. Vor allem aber sah sich die «wichtige Bildungsinstitution» (Frick) in ihrer Weiterentwicklung enorm gehemmt. Die neue Heimat im Städtle 38, wo sich die Landesbibliothek voraussichtlich ab 2025 vom Unter- bis und mit zweitem Obergeschoss ausbreiten können wird, soll die Perspektiven eklatant verbessern.

Durch die zentrale Lage in Vaduz erhöht sich die Sichtbarkeit und verringert sich die Distanz zu den Menschen. Ausserdem wird sich die zur Verfügung stehende Fläche von gegenwärtig gut 1400 Quadratmetern gemäss Landesbibliothekar Wilfried Oehry in etwa verdoppeln.

Begegnungs- und Erholungsstätte

Im Verbund eröffnen diese Veränderungen zahlreiche Chancen, wie Hilti ausführte. Die Landesbibliothek könne sich noch stärker als gesamtgesellschaftlicher Lernort etablieren. Genau so wichtig sei jedoch die Möglichkeit, als Begegnungs- und Erholungsstätte zu fungieren, wo Veranstaltungen stattfinden, Menschen zusammenkommen, der Alltag draussen bleibt. Hinzu kommt, dass die Landesbibliothek ihre Rolle als Nationalbibliothek ganz anders ausfüllen wird. «Sie kann alle Publikationen aus Liechtenstein und über Liechtenstein sammeln, sicher aufbewahren, und die Kulturgüter auch besser zugänglich machen», so Hilti. Ferner ermögliche es der neue Standort natürlich, ein ungleich umfangreicheres Medienangebot zur Verfügung zu stellen.

Bessere Perspektiven sind freilich nicht gratis zu bekommen. Die Umnutzung des Post- und Verwaltungsgebäudes dürfte gemäss Schätzungen mit gut 4,8 Mio. Franken zu Buche schlagen, informierte Regierungsrätin Frick. Hierzu möchte die Gemeinde Vaduz 3 Mio. Franken beisteuern, wie sie gestern in einem Communiqué bekräftigte. Werden die 4,8 Mio. Franken zu den Kosten für die ohnehin geplante Sanierung des Gebäudes addiert, ist mit einem Gesamtaufwand von rund 22 Mio. Franken zu rechnen. Über die Genehmigung eines entsprechenden Verpflichtungskredits wird der Landtag befinden müssen.

Neue Heimat für Teile der Verwaltung und die Post

Neben anfallenden Kosten bedeutet der Umzug der Landesbibliothek auch eine Veränderung für die bisherigen «Bewohner» des Post- und Verwaltungsgebäudes. Während die Landesverwaltung im dritten und vierten Obergeschoss auch ab 2025 weiter vertreten sein wird, müssen rund 100 Arbeitsplätze an anderer Stelle untergebracht werden, wie Aurelia Frick erklärte. Vorgesehen ist, dass die betroffenen Mitarbeiter im in Planung befindlichen neuen Dienstleistungszentrum eine neue Heimat finden werden. Die Liechtensteinische Post AG sei ebenfalls schon länger informiert und prüfe derzeit verschiedene Alternativen. «Aber natürlich soll der neue Standort ein zentraler sein, der die Grundversorgung sicherstellt.»