Richterkandidat Fredy Morgenthaler: «Laienelement ist von Vorteil»

Im Gerichtskreis Werdenberg-Sarganserland findet am Sonntag, 30. Juni, die Ersatzwahl für den zurücktretenden nebenamtlichen Richter Daniel Schaffhauser statt.  Für seine Nachfolge stehen mit der 43-jährigen Charlotte Widrig (parteilos, Bad Ragaz) und dem 60-jährigen Fredy Morgenthaler (SP, Grabs) zwei Kandidierende zur Wahl.  Richterkandidat Fredy Morgenthaler hat beruflich mit Menschen in schwierigen Situationen und Rechtsfragen zu tun.

Thomas Schwizer
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Fredy Morgenthaler aus Grabs ist SP-Mitglied. (Bild: Heini Schwendener)

Fredy Morgenthaler aus Grabs ist SP-Mitglied. (Bild: Heini Schwendener)

Fredy Morgenthaler ist 60 und lebt wieder in Grabs, wo er aufgewachsen ist. Er ist zum zweiten Mal verheiratet, Vater von zwei erwachsenen Kindern und stolzer Jung-Grossvater. Und er möchte am 30. Juni nebenamtlicher Richter am Kreisgericht Werdenberg-Sarganserland werden.

Warum strebt Fredy Morgenthaler (SP) dieses Amt an? «Für die Schnittstelle von Mensch und Recht» hat er auf den Flyer für die Ersatzwahl gedruckt. Und auch «Engagiert. Kompetent. Erfahren». Er habe sich beruflich immer mit rechtlichen Fragen beschäftigt. Und mit Menschen und ihren Schicksalen. Beruflich werde er bewusst etwas reduzieren, stellt er fest.

«Ich verkörpere das Laienelement»

Fredy Morgenthaler ist kein Jurist, sieht sich aber gerade deshalb für dieses Amt im Vorteil. Der st.-gallische Gesetzgeber habe sich immer dazu bekannt, dass nebenamtliche Richter das Laienelement verkörpern sollen. Die heutige Zusammensetzung der nebenamtlichen Richter am Kreisgericht – zwei Juristinnen und acht Laienrichter – bliebe mit seiner Wahl bestehen, sagt er. Seine Gegenkandidatin ist Juristin.

Für ihn spreche auch die Geschlechtervertretung. Sieben der neun fest angestellten Richter seien Frauen, sieben der zehn nebenamtlichen ebenfalls. Drei Männer findet er weiterhin absolut angemessen.

Nach der KV-Lehre auf der Gemeinde Grabs hat er die Gemeindefachschule absolviert, wo Privatrecht und öffentliches Recht zentral waren. Das weckte sein Interesse an rechtlichen Belangen. Öffentliche Verwaltungsstellen in St. Gallen, Rapperswil und Gossau folgten. Überall hatte er mit Menschen in schwierigen Situationen, aber auch rechtlichen Fragen zu tun.

Mit gut 30 Jahren wechselte Fredy Morgenthaler in den sozialen Bereich, als Leiter des Sozial- und Vormundschaftsamtes in Buchs. Rund acht Jahre später wurde er Leiter der Sozial- und Suchtberatungsstelle in Buchs. Das habe auch das Zivil- und Strafrecht tangiert, «aber verbunden mit der Lebensrealität», sagt er. Seit 1999 arbeitete er Teilzeit. 2007 wurde er Geschäftsleiter der Sozialen Dienste Werdenberg mit 28 Mitarbeitenden. 2013 bis 2017 folgte eine Teilzeitanstellung als Behördenmitglied bei der neu gebildeten Kesb Ausserrhoden. Nebenamtlich war Morgenthaler längere Zeit Mitglied der Disziplinarkommission des Kantons St. Gallen, die fehlerhaftes Verhalten von Behörden und Beamten zu beurteilen hatte.

Selbstständig und seit 20 Jahren Dozent

Ab 1999 hat er sich parallel zu den Teilzeitanstellungen eine selbstständige Tätigkeit aufgebaut – als Coach, Supervisor und Organisationsberater. Vorwiegend wirke er im Nonprofit- und Sozialbereich, berate aber auch politische Entscheidungsträger, stellt er fest. Er betont, er habe keine Firmenmandate in der Region und sei deshalb völlig unabhängig. Seit 2018 übt er seine selbstständige Tätigkeit hauptberuflich aus.

Seit rund 20 Jahren ist Morgenthaler zudem Dozent an der Fachhochschule St. Gallen, leitet dort einen eigenen Lehrgang im Bereich gesetzliche Sozialarbeit. Der Bereich Recht (Pflichtklienten durch Jugendstaatsanwaltschaft, Kesb, Bewährungshilfe etc.) nehme hier viel Platz ein.