Kündigungsschutz bei Schwangerschaft: Die Beratungsstelle für Familienplanung in Sargans ist eine wichtige Anlaufstation

Auf Grund des Coronavirus steigen die Arbeitslosenquoten in die Höhe und nicht selten ist ein Betrieb in seiner Existenz bedroht. Schwangere Frauen geniessen auch in dieser turbulenten Zeit ihren besonderen arbeitsrechtlichen Schutz.

Andrea Marthy-Mulle
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Auf Grund der Auswirkungen des Coronavirus ergeben sich vermehrt Fragen und Unsicherheiten für Schwangere und ihr nahes Umfeld.

Auf Grund der Auswirkungen des Coronavirus ergeben sich vermehrt Fragen und Unsicherheiten für Schwangere und ihr nahes Umfeld.

Bild: Gaetan Bally/Keystone

Das schweizerische Arbeitsrecht nimmt Rücksicht auf schwangere Frauen, welche im Erwerbsleben stehen. Die Gesundheit der Schwangeren und des ungeborenen Kindes wird als besonders schützenswert erachtet. Dies zeigt sich bei der Regelung der Arbeitszeit, bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen und beim Kündigungsschutz. In der momentanen Situation nimmt der Kündigungsschutz von schwangeren Arbeitnehmerinnen eine wichtige Rolle ein.

Gilt auch, wenn Frau nichts von Schwangerschaft weiss

Der Arbeitnehmerin darf während der ganzen Schwangerschaft und in den 16 Wochen nach der Geburt nicht gekündigt werden (Art. 336c OR). Der Schutz beginnt ab dem ersten Tag der Schwangerschaft.

Er gilt auch, wenn die schwangere Arbeitnehmerin nicht wusste, dass sie zum Zeitpunkt der Kündigung bereits schwanger war. Eine in dieser Sperrfrist ausgesprochene Kündigung ist nichtig, das heisst sie bleibt wirkungslos. Um den Lohnanspruch nicht zu verlieren, sollte sich die schwangere Arbeitnehmerin so schnell wie möglich schriftlich gegen die Kündigung wehren und ihre Arbeitskraft dem Arbeitgeber weiterhin zur Verfügung stellen. Erfolgt die Kündigung vor Beginn der Schwangerschaft, wird die Kündigungsfrist durch die Schwangerschaft unterbrochen und läuft erst 16 Wochen nach der Geburt weiter. Die Kündigung ist aber dennoch gültig.

Lohnfortzahlung auch bei Schliessung des Betriebs

Diese strenge Schutzregel gilt auch, wenn ein Unternehmen während der Schwangerschaft oder in den 16 Wochen nach der Geburt geschlossen wird. Die Arbeitgeberschaft bleibt verpflichtet, den Lohn gemäss Gesetz, Arbeitsvertrag oder Gesamtarbeitsvertrag fortzuzahlen. Die schwangere Arbeitnehmerin wird ihren Arbeitsplatz zwar nicht zurückerhalten, aber wenigstens bleibt ihr Lohn gesichert.

In der Probezeit und bei befristeten Arbeitsverhältnissen besteht jedoch für schwangere Arbeitnehmerinnen kein Kündigungsschutz.

Das Kündigungsverbot gilt nur für den Arbeitgeber. Die schwangere Frau kann das Arbeitsverhältnis jederzeit von sich aus auflösen. Dies ist aber nicht empfehlenswert, denn durch eine Kündigung vor der Geburt verliert die schwangere Frau den Anspruch auf Mutterschaftsentschädigung. Auch nicht empfohlen wird, das Arbeitspensum vor der Geburt zu reduzieren, da die Höhe der Mutterschaftsentschädigung sich dadurch ebenfalls reduziert.

Beratungsstelle beantwortet Fragen telefonisch

Auf Grund der Auswirkungen des Coronavirus ergeben sich vermehrt Fragen und Unsicherheiten für Schwangere und ihr nahes Umfeld. Dies in einer Phase, in der zukünftige Familien sowieso schon durch weitreichende Umstellungen stark gefordert sind. Das kann Druck und Stress auslösen. Sich frühzeitig beraten zu lassen, kann dem entgegenwirken. Das Wohlbefinden der Frau und des ungeborenen Kindes hat oberste Priorität. Die Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität bietet kostenlos Beratungen auch zu arbeitsrechtlichen Fragen an. Momentan werden die Beratungen telefonisch angeboten. Persönliche Beratungen werden so bald wie möglich wieder aufgenommen.

Hinweis
Beratungsstelle für Familienplanung, Schwangerschaft und Sexualität; Regionalstelle Sargans, Telefon 0817106585, E-Mail faplasargans@fzsg.ch oder im Internet www.faplasg.ch