Kunstausstellung
Nach Stau im Suezkanal: Drei Werke für die 8. Bad Ragartz sind nun endlich eingetroffen

Im Mai ist die 8. Schweizerische Triennale der Skulptur in Bad Ragaz eröffnet worden. Mit zwei Monaten Verspätung sind nun drei weitere Werke nach einer langen Reise aus den Arabischen Emiraten angekommen.

Nadine Bantli
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Das Werk «Ford 71» von Mahmoud Obaidi

Das Werk «Ford 71» von Mahmoud Obaidi

Bild: Armando Bianco

Die Blockade im Suezkanal hatte nicht nur grosse Auswirkungen auf die Weltwirtschaft, auch die 8. Bad Ragartz in Bad Ragaz war davon betroffen. Mit rund zwei Monaten Verspätung sind drei monumental grosse und tonnenschwere Kunstwerke endlich eingetroffen; sie haben eine wahre Odyssee hinter sich.

«The Hanging Gardens of Babylon» und «Al-Hawasim’s Wagon: Looters» sowie «Ford 71» sind die vielversprechend klingenden Namen der Skulpturen von Dia al Azzawi und Mahmoud Obaidi.

Containerschiff blockierte die Handelsroute

Die Skulpturen aus den Arabischen Emiraten haben einen langen Weg von Qatar über das Mittelmeer, durch den Ärmelkanal und über die Nordsee hinter sich, bis sie schliesslich von Rotterdam auf dem Landweg ins Sarganserland transportiert wurden. Ihre Verspätung ist einem Ereignis zuzuschreiben, das im März weltweit für Gesprächsstoff sorgte: die Panne im Suezkanal, als sich das Containerschiff Ever Given querstellte und die Handelsroute blockierte.

Das Werk «Al-Hawasim’s Wagon: Looters» von Dia al Azzawi

Das Werk «Al-Hawasim’s Wagon: Looters» von Dia al Azzawi

Bild: Armando Bianco

Durch diesen Stau kam es folglich in anderen Frachthäfen ebenfalls zu Wartezeiten, wie «Käppeli»-Logistiker Michael Schmid erklärt. Es blieb nichts übrig, ausser abzuwarten. Bis vergangenen Freitag, als auch die fehlenden Skulpturen aufgestellt und die Freiluftausstellung komplettiert werden konnten. Zumindest fast. Die letzte der vier, der «Mosquito Effect», bleibt vorerst vermisst. Was genau passiert ist und wo sich diese zweite Skulptur von Mahmoud Obaidi befindet, ist im Moment noch in Abklärung.

Wut und Verzweiflung, Hoffnung und Zusammenhalt

Die Triennale steht bekanntlich unter dem Motto «Distanz schärft den Blick». Und bei den beiden Künstlern mit Wurzeln im Irak lohnt es sich definitiv, ihre für uns ferne Heimat etwas genauer zu betrachten. Die Werke von Dia al Azzawi und Mahmoud Obaidi beschäftigen sich nämlich mit politisch wichtigen Themen – allen voran die Konflikte im Iran und im gesamten Nahen Osten, die oftmals sinnlose Zerstörung mit sich bringen. Erkennbar in den spannenden Skulpturen sind Wut und Verzweiflung ebenso wie Hoffnung und Zusammenhalt.

Das Werk «Hanging Gardens of Babylon» von Dia al Azzawi

Das Werk «Hanging Gardens of Babylon» von Dia al Azzawi

Bild: Armando Bianco

Al Azzawi und Obaidi sind langjährige Freunde, die sich in den Neunzigern in Amman (Jordanien) kennengelernt haben – seitdem arbeiten sie gemeinsam an einer Reihe erfolgreicher Projekte, während al Azzawi die Rolle eines Mentors für Obaidi übernommen hat.