Kritiker der Kirchenvorsteherschaft Wartau verstummen resigniert

Der Infoanlass zum Pfarrwahl-Streit in der evangelischen Kirchgemeinde Wartau hat die Kritiker der Vorsteherschaft desillusioniert, sie äusseren sich nur noch anonym. Die Behörde richtet indes den Blick nach vorne.

Heini Schwendener
Drucken
Teilen
Die Idylle trügt, in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau ist es zurzeit alles andere als ruhig. (Bild: Heini Schwendener)

Die Idylle trügt, in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau ist es zurzeit alles andere als ruhig. (Bild: Heini Schwendener)

Martin Graf, der Präsident der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Wartau kann verstehen, dass die Kritiker der Kirchenvorsteherschaft (Kivo) wohl nicht ganz befriedigt den Infoanlass vom 29. August verlassen haben. Sein Dilemma sei gewesen, dass er auf Details, warum die Kivo das Pfarrehepaar Petra und Dirk Lehner nicht zur Wahl vorschlägt, nicht habe eingehen können: «In solchen Angelegenheiten befindet man sich immer im Spannungsfeld, zum einen das Informationsbedürfnis der Bevölkerung zu befriedigen und auf der anderen Seite die Persönlichkeitsschutzrechte der Betroffenen zu wahren.»

Graf betonte am Anlass aber auch, dass das Pfarrehepaar trotz der schwierigen Situation und der Enttäuschung seine Aufgaben nach wie vor pflichtbewusst und professionell erfülle. Diese Professionalität war denn wohl auch der Grund, dass sich das Pfarrehepaar gegenüber dem W&O nicht zum Fall äusserte. Die beiden sagten lediglich, ihnen gefalle es im Wartau und sie würden ihre Arbeit gerne weiter führen.

Einige Fragen wurden gar nicht erst gestellt

Die Kritiker der Kivo, die sich im Vorfeld zum Teil öffentlich in Leserbriefen oder in vertraulichen Telefongesprächen mit dem W&O zum «Pfarrwahl-Debakel» gemeldet hatten, wurden am Abend vollends desillusioniert. Ihnen wurde bald klar, dass sie das Pfarrehepaar nicht «retten» können, das Recht steht ganz auf Seite der Kivo. Und sie gewannen den Eindruck, dass ihre Fragen weitgehend unbeantwortet blieben. Oder dass sie sie gar nicht erst stellten. Warum?

Wir wurden komplett eindeckt mit Informationen und Folien, die aber nicht unsere Fragen beantworteten, lautete der allgemeine Tenor vieler Aussagen gegenüber dem W&O unter der Bedingung, nicht namentlich erwähnt zu werden. Dies begründeten sie damit, dass sich ein gewaltiger Druck auf die Kritiker aufbaute. «Hätte ich meine Fragen auch noch gestellt, ich wäre mir wie ein Nestbeschmutzer vorgekommen», sagte ein Kirchbürger, und ein anderer: «Ich werde von gewissen Leuten schon nicht mehr gegrüsst, darum mag ich mich nicht mehr öffentlich äussern.» Immer wieder sei am Abend appelliert worden, man müsse doch Vertrauen in die gewählte Behörde haben. Die im Vorfeld des Orientierungsabends selbstbewusst aufgetretene Opposition ist also vorderhand resigniert verstummt.

Walter Götti kritisiert den Führungsstil

So steht nur noch Walter Götti aus Fontnas mit Namen zu seinen für die Kivo wenig schmeichelhaften Aussagen, die allerdings von vielen Leuten geteilt werden: «Dieser unmögliche Führungsstil muss ein Ende haben. Vertrauen kann man nicht befehlen, sondern es muss durch überzeugendes Handeln gewonnen werden.» Götti, der sich in dieser Sache «der Gerechtigkeit wegen» exponiert, hat nichts zu verlieren. Er ist nämlich gar nicht Mitglied der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde. «Ich bin ein religiöser Mensch und habe schon an einigen guten Anlässen dieser Kirchgemeinde teilgenommen. Ich habe mir ernsthaft überlegt, ihr beizutreten», so Walter Götti. Momentan sei dies aber kein Thema mehr.

Laut ihrer Medienmitteilung hofft die Kivo, dass der von etwa 100 Leuten besuchte Abend dazu beigetragen habe, dass der Entscheid der Kivo nachvollzogen werden könne. Diese hofft auf ein Ende «der Falschaussagen und einigen massiven Anschuldigungen». Selbstkritisch gibt sich Martin Graf in der Medienmitteilung: «Im Nachhinein betrachtet wäre es sinnvoll gewesen, die Öffentlichkeit zeitnaher zu informieren. Dies hätte all den Gerüchten und Mutmassungen viel weniger Raum gegeben. Das Informationsbedürfnis haben wir schlichtweg unterschätzt.»

Kivo: Mit dem Neuanfang soll Ruhe einkehren

Nun will die Kivo den Blick aber nach vorne richten. Den bevorstehenden Abgang von Pfarrerin Christina Nutt, die sich mit dem Pfarrehepaar Lehner solidarisiert (vgl. Kasten), nehme man zur Kenntnis. Die Vakanzen sollen vorerst durch Stellvertretungen besetzt werden. «Die Besetzung der Stellen dürfen wir nicht überstürzen. Aufgabe ist es nun die Bedürfnisse und Anspruchshaltungen der verschiedenen Gruppen sowie die Zusammenarbeitsform an die künftigen Stelleninhaber klar zu formulieren», erklärt Martin Graf. Mit dem Neuanfang solle Ruhe einkehren. Kirchbürgerinnen und -bürger seien eingeladen, die Zukunft der Kirchgemeinde mitzugestalten.