Kritiker des Landesspital-Neubaus monieren: «Zuerst bauen, dann hirnen»

Die Liechtensteiner stimmen am Wochenende über einen Spitalneubau ab. Unter den Gegnern des 72-Millionen-Neubauprojektes ist auch der Fürst.

Regula Weik
Merken
Drucken
Teilen
Das «alte» Landesspital (Bild) soll durch einen Neubau ersetzt werden, über den Liechtenstein am Wochenende abstimmt..

Das «alte» Landesspital (Bild) soll durch einen Neubau ersetzt werden, über den Liechtenstein am Wochenende abstimmt..

Pepo Frick, Hausarzt und Co-Präsident der Freien Liste, kann nur den Kopf schütteln über die Pläne der Liechtensteiner Regierung. Diese plant einen Neubau für das Landesspital; am Wochenende wird darüber abgestimmt.

Die Regierung wolle sich partout ein Akutspital leisten – und das «im Wissen, dass viele Liechtensteiner eine Behandlung im Ausland vorziehen, das nicht zuletzt aus Qualitätsgründen», so Frick im Interview mit dem «Liechtensteiner Vaterland».

Fürstentum profitiert von Angeboten in der Schweiz

Der Arzt und Politiker schaut dabei vor allem Richtung Schweiz und stellt fest: Das Fürstentum profitiere seit Jahrzehnten von diversen Angeboten des Kantons St.Gallen.

«Und nun fährt unsere Regierung einen zermürbenden Wettbewerb mit dem Regionalspital Grabs.» Knapp 40000 Einwohnerinnen und Einwohner zählt das Fürstentum Liechtenstein.

Pepo Frick stellt fest:

«Das Einzugsgebiet ist viel zu klein, um die von der regierungseigenen Studie geforderten 5000 stationären Fälle pro Jahr zu erreichen – und damit auch die erforderliche Qualität»

Er ist nicht der einzige, der dem 72 Millionen teuren Neubau des Landesspitals in Vaduz skeptisch gegenüber steht. Die Strategie eines Alleingangs sei heute überholt, meinte kürzlich auch Ado Vogt von den «Unabhängigen» an einer Podiumsveranstaltung in Triesen. Vaduz habe in Konkurrenz mit Grabs die kürzeren Spiesse.

«Weshalb warten wir nicht einfach ab, was in St.Gallen passiert? Was wir jetzt machen, ist zuerst bauen, dann hirnen», so Vogt. Er spielte damit auf Pläne der St.Galler Regierung an, die fünf Regionalspitäler schliessen will – allerdings nicht Grabs. Das dortige Spital soll ausgebaut werden.

Viele Liechtensteiner zieht es nach Grabs ins Spital

Der Liechtensteiner Gesellschafts- und Gesundheitsminister Mauro Pedrazzini wehrt sich dagegen, die St.Galler Spitalentwicklung abzuwarten:

«Politisch ist es schwierig, Spitäler zu schliessen.»

Der Prozess im Kanton St.Gallen könne noch sehr lange dauern. Für ihn ist auch klar: Wäre Liechtenstein einst der Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland beigetreten, würde das Spital in Vaduz jetzt genauso geschlossen wie jene in Altstätten und Walenstadt.

Das Regionalspital in Grabs bietet über die Grundversorgung hinaus gehende Leistungen an. (Bild: Mareycke Frehner)

Das Regionalspital in Grabs bietet über die Grundversorgung hinaus gehende Leistungen an. (Bild: Mareycke Frehner)

Bereits heute lassen sich zahlreiche Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner ennet der Landesgrenze behandeln.

2503 legten sich vergangenes Jahr in Grabs ins Spitalbett, 28 Prozent aller Patienten – Tendenz steigend. 2013 war es noch ein Viertel gewesen. Und: 27 Prozent aller Mütter, die in Grabs gebären, sind Liechtensteinerinnen. 2018 kamen 238 Liechtensteiner Babys im Werdenberg zur Welt – das ist die grosse Mehrheit aller Liechtensteiner Kinder. 2014 ist die Geburtsabteilung am Landesspital geschlossen worden.

Grabs: Leistungsangebot liegt deutlich über der Grundversorgung

Das Spital Grabs sei in der Region und in Liechtenstein «gut etabliert», antwortet denn auch Stefan Lichtensteiger auf die Frage, wie er die Konkurrenzsituation durch einen Spitalneubau in Vaduz einschätze. Dann fügt der CEO und Vorsitzende der Geschäftsleitung der Spitalregion Rheintal-Werdenberg-Sarganserland an:

«Konkurrenz ist im Gesundheitswesen grundsätzlich nichts Neues.»

Heute operieren zahlreiche Liechtensteiner Ärzte als Belegärzte in Grabs. Befürchtet Lichtensteiger, diese bei einer Zustimmung zum Neubau ans Spital in Vaduz zu verlieren? «Wo ein Belegarzt operiert, entscheidet er selbst», antwortet der CEO. Die Belegarztverträge der Spitalregion seien «keine Exklusivverträge». Die Ärzte könnten somit auch an anderen Spitälern operieren, wenn sie das möchten – also auch am Landesspital Liechtenstein.

Doch, so Lichtensteiger, das Spital Grabs biete ihnen ein attraktives Umfeld. Sein Leistungsangebot gehe deutlich über die Grundversorgung hinaus. Er nennt Intensivstation, Schlaganfallstation, Brust- und Gefässzentrum.

Millionenspende aus Liechtenstein für Grabs

Während die Liechtensteiner über den Neubau für ihr Spital erst noch abstimmen müssen, ist in Grabs der 2014 an der Urne genehmigte Neubau bereits im Bau. Die ersten Räume werden nächsten Mai bezogen, abgeschlossen sein sollen die Bauarbeiten 2025. Setzt sich die Regierung mit ihrer Spitalstrategie durch, wird das Spital Grabs um 60 Betten aufgestockt; diese wären dann Ende 2026 bezugsbereit.

Aktuell in Planung ist ein ambulantes Onkologiezentrum – «dank einer Spende von zehn Millionen aus Liechtenstein», wie Lichtensteiger festhält.

Landesfürst: «Wir brauchen kein eigenes Spital»

Wie die Abstimmung im Nachbarland am Sonntag ausgehen wird, ist offen. Die Haltung von Fürst Hans-Adam II. ist dagegen klar. Aus Sicht des Monarchen braucht Liechtenstein kein eigenes Spital. Wegen der Kleinheit des Landes würden nie die nötigen Fallzahlen erreicht, um die notwendige Qualität garantieren zu können.

Diese Haltung des Fürstenhauses ist nicht neu. Erbprinz Alois hatte bereits letztes Jahr im «Vaterland» festgehalten, ein eigenes Landesspital sei «kein entscheidendes Merkmal für die Souveränität Liechtensteins».