Krise wegen Corona? Fehlanzeige! Diese Grabser Firma kann sich vor Aufträgen kaum retten

Die auf Verpackungs-Drucklösungen spezialisierte Etimark AG spürt die momentane Situation rund um das Coronavirus auf besondere Weise: Ihre Kunden aus der Lebensmittelbranche sorgen für aussergewöhnlich viel Arbeit. Die grösste Sorge ist, dass die Grenzgänger nicht mehr kommen dürfen. Dann müsste die Produktion zurückgefahren werden.

Hanspeter Thurnherr
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Die Etimark AG erhält zur Zeit besonders viele Aufträge von ihren Kunden aus der Lebensmittelindustrie.

Die Etimark AG erhält zur Zeit besonders viele Aufträge von ihren Kunden aus der Lebensmittelindustrie. 

Bild: Haqnspeter Thurnherr

Viele Firmen stehen vor der Herausforderung, wie sie mit dem drastischen Rückgang ihrer Geschäftstätigkeit als Folge der vorgeschriebenen Massnahmen zur Milderung der Verbreitung des Coronavirus fertig werden können.

Doch es gibt auch Beispiele mit der gegenteiligen Herausforderung, wie beispielsweise die Firma Etimark im Grabser Industriegebiet. Die Verpackungsdruckerei ist spezialisiert auf die Herstellung von Stanzdeckeln und Platinen zur Versiegelung von Bechern und Behältern sowie Selbstklebeetiketten. Beides vorwiegend für die Lebensmittelindustrie.

Höhere Abverkäufe - und die Kunden wollen ihre Lager wieder füllen

«Aufgrund der Krisensituation bestellen unsere Kunden noch mehr als sonst. Zum Einen, weil bei ihnen höhere Abverkäufe verzeichnet werden und sie zurzeit mehr produzieren. Zum Anderen, um ihre eigenen Lager an Verpackungen zu füllen, vermutlich aus Angst vor Lieferengpässen», sagt Udo Schulz. Er ist Mitglied der Geschäftsleitung und Mitinhaber der Etimark AG.

«Schon zu normalen Zeiten sind wir sehr gut ausgelastet. So stellt uns die aktuell stark gestiegene Nachfrage vor grosse Herausforderungen.»

Der Lösungsansatz: Etimark hat eine vollständige Samstagschicht auf allen Anlagen eingeführt, um mit ihren Mitarbeitenden die zusätzlichen Aufträge bewältigen zu können. Zusätzliche oder temporäre Mitarbeitende einzusetzen sei kurzfristig nicht realisierbar.

«Alle Mitarbeitenden ziehen voll mit»

«Wir benötigen an unseren Anlagen Fachkräfte und diese sind generell schwer zu finden. Daher könnten wir, ohne die Loyalität unserer Mitarbeitenden, diese schwierige Situation kaum meistern. Wir sind sehr froh, dass alle Mitarbeiter voll mitziehen und mit den eingeführten Sechstagewochen einen grossartigen Einsatz leisten», bedankt sich Schulz.

Alle Mitarbeitenden seien aktuell gesund und «an Bord». Herausfordernd sei es auch für jene Mitarbeitenden, welche nach den Schulschliessungen die Kinder zu Hause haben. Doch auch hier bietet Etimark flexible Lösungen mit Homeoffice und bei den Schichtzeiten.

Hoffen, dass die Grenzgänger weiter kommen dürfen

Sorgen macht sich Udo Schulz, ob die Grenzgänger auch in den nächsten Wochen noch zur Arbeit kommen können.

«Würden sie ausfallen, würde es zu einer Reduktion der Produktionskapazität kommen.»

Wichtig sei nun, dass alle Mitarbeitenden gesund bleiben. Ein Vorteil bei Etimark: Als Unternehmen, das für die Lebensmittelindustrie arbeitet, gelten schon in normalen Zeiten erhöhte und zertifizierte Hygienemassnahmen.

Strenge Hygiene-Massnahmen zusätzlich verstärkt

Schon vor den Massnahmen des BAG wurden die betriebsinternen Massnahmen zusätzlich verstärkt.

«Bis auf die Aussentüren und die WC/Umkleideräume sind alle Türen in der Fabrik offen, damit die Mitarbeitenden keine Türgriffe und -knöpfe berühren müssen. Wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, tragen die Mitarbeiter einen Mundschutz. Die Griffe an den geschlossenen Türen sowie oft berührte Maschinenteile, Tastaturen etc. werden täglich mehrfach desinfiziert. Wir appellieren oft an unsere Leute, vor allem auch im Privaten strikte eine gründliche Hygiene und die öffentlichen Massnahmen einzuhalten», erklärt Schulz.

Die Kunden brauchen jetzt Liefer-Sicherheit

Rechnet er damit, dass Etimark in ein Auftragsloch fällt, nachdem die Kunden die Lager aufgefüllt haben? «Das könnte passieren. Aber wir hoffen, nicht allzu stark. Wir setzen darauf, dass die Kunden nachher vermehrt auf uns zählen, wenn wir in diesen Zeiten die Aufträge zu ihrer Zufriedenheit ausführen können,. Die Kunden brauchen jetzt Sicherheit und werden dies honorieren.»

Auffangen kann man einen später möglichen Rückgang, indem aufgebaute Überzeiten dann an den Mitarbeitern orientiert kompensiert werden.

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