Kriminalgericht Vaduz
Einbrecher wird von Liechtenstein in die Schweiz ausgeliefert

Nachdem ein Albaner sechs Jahre für millionenschwere Einbrüche in Liechtenstein verbüsste, wartet eine Haftstrafe in der Schweiz.

Bettina Stahl-Frick
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Rund drei Millionen Franken erbeutete der Angeklagte in Liechtenstein und wurde 2017 dafür vom Kriminalgericht verurteilt. Weil er sich zuvor mehrfach auch in der Schweiz strafbar gemacht hat, wartet dort eine fünfjährige Haftstrafe.

Rund drei Millionen Franken erbeutete der Angeklagte in Liechtenstein und wurde 2017 dafür vom Kriminalgericht verurteilt. Weil er sich zuvor mehrfach auch in der Schweiz strafbar gemacht hat, wartet dort eine fünfjährige Haftstrafe.

Symbolbild: Silas Stein/Keystone

Zuletzt stand der 41-jährige Albaner im Mai 2017 vor dem ­Kriminalgericht in Vaduz. Zusammen mit zwei weiteren ­Einbrechern erbeutete er in Liechtenstein mit rund 20 Einbrüchen rund drei Millionen Franken. Die Beute hätte er jeweils gleich abgeben müssen und davon nur wenig behalten dürfen. Dies ersparte ihm den Gang ins Gefängnis allerdings nicht – der Mann wurde zu einer sechsjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, die er in einer österreichischen Haftanstalt verbrachte.

St. Galler Kantonsgericht forderte die Auslieferung

In diesen Tagen läuft seine Haftfrist aus, zwei Drittel hat er verbüsst und in wenigen Stunden wäre er ein freier Mann. Hätte er zuvor nicht auch in der Schweiz sein Unwesen getrieben, weswegen das Kantonsgericht St. Gallen bei den liechtensteinischen Behörden um Auslieferung ersuchte. Bereits 2019 wurde er in der Schweiz zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt – für die Verhandlung hat ihn die Liechtensteiner Polizei kurzzeitig überführt.

Doch der Angeklagte legte Berufung ein: Zum einen war ihm die Strafe zu hoch, zum anderen wehrte er sich gegen den Landesverweis. Während zwölf Jahren dürfte er nicht mehr in die Schweiz einreisen. Zu einer Berufungsverhandlung ist es dort bislang noch nicht gekommen. «Daher wäre es eine Auslieferung auf Vorrat», monierte der Angeklagte über seinen Verteidiger. Und dies sei nicht zulässig. Ausserdem sei das Rechtshilfeersuch inhaltlich nicht nachvollziehbar. Vor allem aber wolle er endlich wieder einmal zu seiner Familie in seine Heimat Albanien zurückkehren. Sein Bruder und sein Vater seien während seiner Haftzeit verstorben und ein weiterer Bruder sei schwer krank. Insgesamt habe er 52 Monate hinter Gitter verbracht und habe nun genug ­Busse getan.

Unheil quer durch die Schweiz getrieben

Die Staatsanwältin befand die Auslieferung zur Strafverfolgung in der Schweiz allerdings als zulässig. Gerade vor dem Hintergrund, dass sich der Angeklagte von September 2014 bis November 2016 quer durch die Schweiz, von West nach Ost, wegen gewerbs- und bandenmässigen Diebstahls, mehrfacher Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs strafbar gemacht hatte.

Obergericht beschliesst die Auslieferung

Nach einer kurzer Beratung beschloss der Senat des Obergerichts, den Angeklagten in die Schweiz auszuliefern. «Die familiären Probleme sind bedauerlich», sagte der Senatsvorsitzende. «Sie vermögen allerdings keinen Härtefall zu begrün­den.» Auch verhindere die Tatsache, dass für die Berufungsverhandlung in der Schweiz noch kein Termin festgelegt ist, die Auslieferung nicht.

Dem Angeklagten steht nun noch die Option einer Revisionsbeschwerde an den Obersten Gerichtshof offen. Akzeptiert er aber den Beschluss des Obergerichts, wird er in den nächsten Tagen in eine Schweizer Haftanstalt überführt.