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Frümsner Lehrerin Ursula Gächter wird nach 40 Jahren pensioniert

Am Freitag hat Ursula Gächter nach 40 Jahren als Primarlehrerin ihren letzten Schultag. 39 Jahre davon unterrichtete sie in Frümsen. Mit dem W&O warf sie einen Blick zurück und voraus.
Corinne Hanselmann
Ursula Gächter tritt am Freitag nach 40 Jahren als Primarlehrerin in den Ruhestand. (Bild: Corinne Hanselmann)

Ursula Gächter tritt am Freitag nach 40 Jahren als Primarlehrerin in den Ruhestand. (Bild: Corinne Hanselmann)

Ursula Gächter war eine gute Schülerin in der Primarschule und ging sehr gerne zur Schule. «Wohl auch, weil ich zwei ganz tolle Lehrerinnen hatte», erzählt die langjährige Frümsner Primarlehrerin, die in Stein aufgewachsen ist. «Zusammen mit zwei Freundinnen entschied ich mich nach der Sekundarschulzeit für den Lehrerberuf.» Während fünf Jahren besuchte sie das Lehrerseminar in Wattwil.

«Im Jahr 1979 erhielt ich dann das Primarlehrer-Patent. Es gab damals sehr wenige freie Lehrerstellen. Ich schrieb viele Bewerbungen, erhielt aber vorerst keine feste Anstellung.»

Während eines Jahres übernahm die junge Lehrerin Stellvertretungen in Sevelen, Amden, Schänis, Rapperswil, Flums und Montlingen. «Es war spannend, in so viele verschiedene Schulen und Lehrerzimmer reinzusehen. Das war ein guter Anfang und ich merkte, was mir zusagt und was weniger.»

Der Nebel im Tal störte die Toggenburgerin zu Beginn

Während dieses Jahres schickte sie unter anderem eine Bewerbung nach Frümsen, wo eine Mittelstufenstelle frei wurde. «Am 7. Juni 1980 erhielt ich einen Brief», erinnert sie sich. «Der Schulrat lud mich zu einem Vorstellungsgespräch ein.» Dort erfuhr sie, dass auch der Unterstufenlehrer gekündigt hat. «Weil sich gleichzeitig auch ein männlicher Kollege beworben hatte, war für die Herren vom Schulrat klar, dass dieser die Mittelstufe und ich als Frau die Unterstufe unterrichten werde, das war gar kein Thema», erzählt die 61-Jährige schmunzelnd. «Für mich hat das aber gepasst, ich war ja froh, dass ich eine Stelle bekam.» Für den Schulrat war auch klar, dass der Lehrer im Lehrerhaus wohnen wird und nicht die Lehrerin.

Trotzdem ist Ursula Gächter der Schule Frümsen seither treu geblieben. «Am Anfang hatte ich noch etwas Heimweh nach dem Toggenburg, ich fand den Nebel hier im Tal furchtbar.» Oft sei sie deshalb am schulfreien Mittwochnachmittag ins Toggenburg gefahren.

Schule und Gesellschaft wandelten sich

Vieles hat sich im Schulwesen seither verändert. «Gestaltete ich damals den Unterricht für jede der drei Klassen separat, unterrichten wir heute an unserer Schule in altersdurchmischten Abteilungen. Früher war Frontalunterricht üblich – heute haben im Klassenunterricht verschiedene Lernformen Platz. Die Kinder werden stärker miteinbezogen und lernen vermehrt mit- und voneinander», vergleicht Ursula Gächter den heutigen Unterricht mit früher. Doch auch die Kinder seien nicht mehr gleich wie früher.

«Ich erlebe die Kinder heute offener und spontaner. Zudem zeigen sich die Kinder individueller, wohl auch, weil Familien und Familienmodelle vielfältiger geworden sind. Das Wissen, das viele Kinder heute bei Schuleintritt mitbringen, ist geprägt von Internet, weiteren Medien und einem breit gefächerten Angebot im sozialen Umfeld.»

Oftmals haben schon jüngere Schulkinder einen eng getakteten Tagesablauf. «Ich frage mich manchmal, ob dabei das unbeschwerte Kindsein nicht zu kurz kommt», so Ursula Gächter nachdenklich.

Auch die Zusammenarbeit mit den anderen Lehrkräften hat sich verändert. Waren Lehrer früher eher Einzelkämpfer, wird heute viel im Team zusammengearbeitet. Das gefällt Ursula Gächter: «Ich finde es toll, dass man vieles miteinander im Team entwickeln kann. Es findet ein Austausch untereinander statt und Entscheide werden gemeinsam gefällt und getragen.» Dass der administrative Aufwand stark zugenommen hat, gefällt ihr weniger.

«Das ist in den vergangenen Jahren etwas mühsam geworden.»

Auch Lehrer sind am ersten Schultag nervös

In der 40-jährigen Lehrertätigkeit sind Ursula Gächter die ersten Schultage der Erstklässler immer besonders in Erinnerung geblieben.

«Obwohl ich das fast 40 Mal gemacht habe, war ich immer wieder etwas nervös, wenn die neuen Schülerinnen und Schüler kamen. Das war immer ein spezieller Tag, nicht nur für die Kinder und Eltern, sondern auch für mich als Lehrerin.»

Auch Erfahrungen, die man mit den Kindern ausserhalb des Schulzimmers machte, blieben ihr häufig besonders gut in Erinnerung. «Wir haben in den Neunzigerjahren einmal eine Schweizerreise mit allen Kindern von der ersten bis zur sechsten Klasse gemacht. Die Schule Frümsen hatte damals Geld geerbt, das den Kindern zugutekommen sollte. Kinder, Lehrkräfte und Schulbehörde waren eine ganze Woche lang gemeinsam mit dem Car unterwegs. Das war schon ein grossartiges Erlebnis», schwärmt sie noch heute. «Der Pingpong-Tisch auf dem Pausenplatz ist übrigens auch noch ein Relikt von dieser Erbschaft.»

Im Alter von 45 Jahren verbrachte Ursula Gächter einen Teil ihres Bildungsurlaubs in Australien. Sie besuchte unter anderem eine Sprachschule in Perth. «Eine spezielle, neue Erfahrung – so unter lauter jungen Studenten und Studentinnen», denkt Gächter zurück. Vor gut 15 Jahren absolvierte sie dann die Schulleiterausbildung und übernahm für vier Jahre die Leitung in Frümsen. Das Unterrichten und die Arbeit mit den Kindern sagten ihr aber besser zu und seit rund zehn Jahren unterrichtet sie nun im Teamteaching gemeinsam mit Marlis Reich in Frümsen die 1. bis 3. Klasse.

«Ich werde Kinder und Kollegen zu kurz haben»

Derzeit erlebt Ursula Gächter nun ihre allerletzten Schultage. Am Freitag tritt die 61-Jährige in den Ruhestand. «Es ist ein Wechselbad der Gefühle», gibt sie zu.

«Auf der einen Seite freue ich mich auf die Pensionierung. Auf der anderen Seite werde ich die Kinder und meine Kollegen sicher zu kurz haben.»

Dennoch freut sie sich, bald mehr Zeit zu haben zum Wandern, Lesen oder Skifahren. Auch auf Velotouren mit dem E-Bike, Zeit im Garten, den einen oder anderen Segeltörn oder kleinere Reisen freut sie sich. «Ich bin aber nicht diejenige, die jetzt grad auf eine längere Weltreise geht. Die schulfreie Zukunft lasse ich jetzt erst mal auf mich zukommen. Ich möchte die Tage nicht gleich wieder stundenplanmässig verplanen», sagt Ursula Gächter.

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