Kirchenkonzert in Buchs: Das Publikum konnte Kraft und Zuversicht aus der Musik schöpfen

Mechthild Neufeld von Einsiedel erfreute in der Herz-Jesu-Kirche in Buchs die Zuhörer mit Werken von Johann Sebastian Bach.

Esther Wyss
Drucken
Teilen
Kurz vor dem Konzert bespricht sich Musikerin Mechthild Neufeld von Einsiedel mit Pfarrer Erich Guntli.

Kurz vor dem Konzert bespricht sich Musikerin Mechthild Neufeld von Einsiedel mit Pfarrer Erich Guntli.

Bild: Esther Wyss

Der Kirchenraum in der Herz-Jesu-Kirche erstrahlte in gedämpftem Licht unzähliger Kerzen, was eine intime Atmosphäre schuf. Leise und klar erklang die Melodie des Chorals «Christ, unser Herr, zum Jordan kam». Einfühlsam, mit starkem musikalischem Ausdruck bezauberte Mechthild Neufeld von Einsiedel die Zuhörer.

Was still und leise begann, ertönte wie ein Rufen im weiten Raum. Die Töne perlten wie ein sprudelnder Bach, Wasser das quirlig über Steine springt, fliesst, anschwillt, die Zuhörer in Bann zieht und mitreisst. Im Schlussakkord sind die wirbelnden Wasser, die Wogen geglättet. Aufmerksame Stille breitete sich in der Kirche aus.

Bibelzitate und besinnliche Gedanken

Mit dieser Darbietung stimmte die Musikerin die Zuhörer auf das Thema der Orgelvesper «Die Schöpfung» ein. Musik, die Wasser gleich fliesst. Musik von Johann Sebastian Bach als Quelle aus der wir Kraft, Zuversicht und Mut schöpfen, was besonders in der aussergewöhnlichen Zeit mit Covid-19 und mit all den vielen Vorschriften besondere Bedeutung erlangt. Es folgten die Choralpartiten «Allein Gott in der Höh».

Wer mit offenen Sinnen hinhörte, konnte das Choralmotiv erst im Sopran, dann im Bass und wieder im Sopran erkennen. Zwischen den Musikstücken sprach Pfarrer Erich Guntli einige Worte, zitierte Texte aus der Bibel, las das Gedicht «Gemeinsam» von Rosa Ausländer und machte sich Gedanken über die Schöpfung und die spezielle Situation in Zeiten der Coronapandemie.

Die Schöpfung wird den Menschen überleben

Guntli sprach über das Sehnsuchtsbild der Schöpfung, die Schönheit der heilen Welt, unberührter Natur, das fliessende Leben, die Balance, die uns in die Heile-Welt-Falle locken kann. Die Menschheit müsse jedoch seit dem Sündenfall erkennen, dass die Welt und damit die Schöpfung nicht nur gut und schön, sondern auch grausam sei. Es möge zynisch klingen, sagte Pfarrer Erich Guntli, aber es gäbe Hinweise dafür, dass die Natur, die Schöpfung den Menschen überleben werde. Die Schöpfung entwickle sich weiter, so oder so, mit oder ohne Menschen.

Die wundervollen Intonationen und durchdachtes Registrieren erleichterten den Zuhörern das Motiv und die musikalischen Feinheiten herauszuhören. Die volltönende Choralbearbeitung «Wir glauben all’ an einen Gott» trug die Gedanken durch den Kirchenraum. Die Orgelmusik erhob sich wohlklingend, steigerte sich und endete in einem gewaltigen Schlussakkord. In der Toccata in d griff Mechthild Neufeld von Einsiedel kräftig und virtuos in die Tasten. Gewaltig, fast trotzig hallte die Musik durch die Kirche. Musikalisch und technisch versiert meisterte die Musikerin auch die anspruchsvollsten Passagen.

Zum Schluss die Kirchenglocken

Als Abschluss des Konzertes, das ganz Johann Sebastian Bach gewidmet war, gab die Musikerin die Fuge in d zum Besten. Die Musik entwickelte sich aus der Tiefe, immer höher steigend bis scheinbar in die Unendlichkeit reichend. Nachdem der letzte Akkord erklungen war, herrschte beredte Stille, die nach einer kurzen Atempause in das Läuten der Kirchenglocken überging. Die Kollekte der Orgelvesper war für die Stiftung Storchennest in Grabs bestimmt.