Spagat zwischen traditioneller Sömmerung und Freizeittrends: Alpbesitzer in der Region stehen vor grossen Herausforderungen

Der diesjährige Alpwirtschaftskurs der Alpsektionen Sarganserland-Linthgebiet-Werdenberg-Rheintal fand im Alpgebiet zweier Flumser Ortsgemeinden.

Martin Nauer
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Ortspräsident Marco Gadient (links) erklärt Kursleiter Marco Bolt, weshalb für die Biker separate Trails gebaut worden sind.

Ortspräsident Marco Gadient (links) erklärt Kursleiter Marco Bolt, weshalb für die Biker separate Trails gebaut worden sind.

Bilder: Martin Nauer

Zwei Schwerpunkte standen im Mittelpunkt der Tagung, welche von den Ortsgemeinden Flums Grossberg und Flums Dorf organisiert wurde: zum einen «der Spagat zwischen traditioneller Sömmerung und Freizeittrends» und zum andern «Unfallverhütung in der Alpwirtschaft». Den Kurs eröffnete Marco Bolt mit der Besammlung der Teilnehmer auf dem Maschgenkamm.

Hans Bartholet, Präsident der Ortsgemeinde Flums Dorf, und Alpmeister Hans Hobi stellten dabei ihre Ortsgemeinde und deren Alpen Panüöl, Fursch und Prod im Detail vor. Von den übrigen Alpen im Schilstal und Spitzmeilengebiet zählte Hobi deren Namen und Besitzer auf.

Konflikte sind in der Regel vorhersehbar

Ein anschauliches Referat zur Unfallverhütung auf den Alpen hielt wenig später Heinz Feldmann von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) auf dem Prodkamm, zu dem die 120 Kursteilnehmer auf dem Höhenweg gewandert waren. Kaiserwetter hatte die kurze Wanderung zum Genuss werden lassen.

Feldmann, Sicherheitsfachmann für Brandschutz, Alpwirtschaft und Käsereien, schilderte die rasante Entwicklung des Tourismus in den Alpgebieten. «Wandern und Biken sind zunehmend beliebter geworden», stellte er fest.

«Das Biken – auch in Gebieten, die früher nur von trainierten Sportlerinnen und Sportlern befahren wurden – hat durch die Erfindung des E-Bikes zusätzlichen Schub erhalten.»
Eine grandiose Umgebung: Der Alpwirtschaftskurs in Flumserberg wurde am vergangenen Wochenende von vielen Besucherinnen und Besuchern begleitet.

Eine grandiose Umgebung: Der Alpwirtschaftskurs in Flumserberg wurde am vergangenen Wochenende von vielen Besucherinnen und Besuchern begleitet.

Wo Wanderer, Biker und Viehherden sich im selben Gebiet bewegen würden, seien Konflikte nicht zu vermeiden. Er wies auf Unfälle mit Mutterkühen und Auseinandersetzungen zwischen Landwirten, Fussgängern und Bikern hin, die von einigen Medien lustvoll breitgeschlagen würden. Der Sicherheitsexperte riet erstens dazu, vorzubeugen. Es gelte, das Konfliktpotenzial früh zu erkennen und Massnahmen zu ergreifen.

Alpbesitzer können viel bewirken

Seitens der Alpbesitzer und der Bewirtschafter könnte zur Vermeidung von Zwischenfällen und Unfällen zwischen Vieh, Wandervolk und Bikern viel bewirkt werden. Eindeutige Streckenführungen und Zäune sowie gut sichtbare Markierungen und Hinweistafeln würden dazu beitragen. Zum zweiten empfahl er, sich über die gesetzlichen Grundlagen, Haftung und Versicherungsfragen zu informieren. Im Internet (unter www.bul.ch) seien entsprechende Informationen abrufbar.

Auf der Prodalp und später auf der Tannenbodenalp war das friedliche Nebeneinander von Tourismus und Alpwirtschaft in Natura zu betrachten. Marco Gadient, Ortspräsident vom Grossberg: «Wir haben die Entwicklung des Sommertourismus kommen sehen. Zwar nicht so rasant, wie geschehen. Aber wir haben reagiert. Gemeinsam mit den Bergbahnen haben wir für die Biker separate Strecken gebaut und verhindern so, dass sie über die Weiden fahren.»

«Wie es gelingt, die Ansprüche der Alpwirtschaft mit denen des Tourismus unter einen Hut zu bringen, leben die Ortsgemeinden als Eigentümer der Alpen, die Bergbahnen Flumserberg und alle vom Tourismus profitierenden Betriebe vor», sind Bartholet und Gadient überzeugt.

Von gesteigerter Wertschöpfung berichtet

Nach dem Abstieg von der Prodalp nach Madils hinunter und einem Mittagessen im ebenfalls neu gestalteten Restaurant Sennenstube auf der Alp Tannenboden kam der Kurs in den Genuss einer Führung durch die neue Alpkäserei. Diese ist seit Mitte Mai in Betrieb, kann die tägliche Milchmenge von neun Alpen verarbeiten und bis zu 140 Käse produzieren.

Die gemeinsamen Bestrebungen, den Sommertourismus zu fördern, und die neue Alpkäserei hätten sichtbar zu einer gesteigerten Wertschöpfung zu Gunsten des Tourismus und der Alpwirtschaft geführt, erklärte Gadient nach der Führung.