Bevölkerungsstatistik im W&O-Gebiet: Konfessionelle «Wende» zeichnet sich ab

Die Zahl der Katholiken im Werdenberg könnte bald jene der Evangelischen überholen. Denn seit Jahren wird die Differenz kleiner.

Hanspeter Thurnherr
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Noch haben Evangelische Christen im Werdenberg zahlenmässig die Mehrheit, doch die Katholiken holen auf. Das Bild zeigt die Evangelische (vorne) und die Katholische Kirche von Buchs. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Noch haben Evangelische Christen im Werdenberg zahlenmässig die Mehrheit, doch die Katholiken holen auf. Das Bild zeigt die Evangelische (vorne) und die Katholische Kirche von Buchs. (Bild: Hanspeter Thurnherr)

Der Film «Zwingli», der derzeit in den Kinos läuft, erinnert daran, was vor gut 500 Jahren auch im Werdenberg passierte. Die Reformation veränderte die religiöse «Landschaft» innert kürzester Zeit. Mit Ausnahme von Gams schlossen sich alle Werdenberger Dörfer mehrheitlich der neuen Bewegung an. Seither ist das Werdenberg konfessionell evangelisch dominiert.

Doch das könnte sich schon bald ändern. Denn durch den wirtschaftlichen Aufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg kamen in den letzten Jahrzehnten überwiegend Gastarbeiter und Migranten aus den katholischen Ländern Italien, Spanien, Portugal und Kroatien ins Werdenberg. Sie sorgten dafür, dass die Zahl der Katholiken trotz vermehrter Kirchenaustritte zunahm. Zwar ist dieses Wachstum in den vergangenen Jahren nur noch gering ausgefallen. Aber im Vergleich zum stetigen Rückgang bei den evangelischen Mitchristen holen die Katholiken trotzdem auf. Dies zeigen die Zahlen der Bevölkerungsstatistik, welche der W&O jährlich bei den Einwohnerämtern im Werdenberg erhebt.

Die «Anderen» dominieren

Am Ende des Jahres 2008 lebten in den sechs Gemeinden 11259 Katholiken. Ende 2018 waren es 11646. Vor zehn Jahren zählte man 14150 Evangelische. Am vergangenen Silvester waren es nur noch 12265, ein Minus von 1885 Personen. Die Differenz zwischen Katholiken und Evangelischen verkleinerte sich innert dieser Zeitspanne von 2891 auf nur noch 619 Personen. Betrachtet man die einzelnen Gemeinden, sticht Gams heraus. Dort sank die Katholikenzahl (-57) und stieg die Zahl der Evangelischen (+18). In den anderen ist es umgekehrt – mit einer einzigen Ausnahme: Grabs verlor auch leicht an Katholiken (-16). Seit 2013 leben übrigens in der Stadt Buchs mehr Katholiken als Evangelische.

In den vergangenen zehn Jahren hat die Gesamtbevölkerung im Werdenberg um 3801 Personen zugenommen. Daher erstaunt es nicht, dass die Zahl der anderen Konfessionen (Freie Evangelische, Orthodoxe, Muslime etc.) und der Konfessionslosen – diese alle werden in der W&O-Statistik unter «Anderen» zusammengezählt – überproportional zugenommen hat. Die «Anderen» haben mittlerweile mit 14895 Personen sowohl die Katholiken wie die Evangelischen zahlenmässig überholt. Im Jahre 2008 zählten die «Anderen» erst 9596 Personen. Die Spitzenposition haben sie aber bereits im Jahre 2015 übernommen.