Kolumne

Kinderkram: Faszinierend, wie rasend schnell Sechsjährige lesen und schreiben lernen

Sprache war schon immer wichtig für mich. Und so versetzt mich auch die Sprachentwicklung meiner Mädchen - so trocken das klingt - immer wieder in Erstaunen.

Katharina Rutz
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Solche Zettelchen sind der Lohn für alle Anstrengungen und lassen das Mamaherz überquellen.

Solche Zettelchen sind der Lohn für alle Anstrengungen und lassen das Mamaherz überquellen.

Katharina Rutz

Ich mag Sprache und ich mag Fremdsprachen. Mit meinem Neffen für die Englischprüfung zu lernen, ist für mich willkommene Repetition und fast schon mit einem Hobby zu vergleichen.

Die ersten Worte meiner Mädchen habe ich jeweils herbeigesehnt.

Die ersten zusammenhängenden drei Worte meiner Tochter werde ich nie vergessen. Lilly sass im Hochstuhl am Tisch als sie ganz bestimmt und selbstverständlich sagte: «Ich Papa gehen». Sie wollte zu Papa, der gerade am Melken war. Lilly war früh damit, Worte zusammenzuhängen, wie ich später nachgelesen habe. Ich erfuhr, dass dies ein wichtiger Schritt in der Sprachentwicklung ist. Ich war fasziniert davon.

Heute, wenn Lilly Hausaufgaben macht, bleibe ich manchmal die ganze Zeit daneben sitzen. Dies, obwohl es nicht nötig wäre und ich eigentlich sowieso nicht der Typ bin, der ständig neben den Kindern sitzt. Hier aber vergesse ich die Zeit vor lauter Staunen. Fasziniert, wie rasend schnell die Sechsjährigen in der ersten Klasse lesen und schreiben lernen.

Und natürlich bin ich wahnsinnig stolz auf Lilly.

Aus den Buchstaben wurden Silben, aus den Silben Worte. Lilly fängt nun an, auch nach den Buchstaben zu fragen, die sie noch nicht kennt, damit sie im Bilderbuch lesen kann. Das erste Mal, dass sie mir eine Bilderbuchseite vorgelesen hat, werde ich wohl auch nicht mehr vergessen. Das gemeinsame Lesen mit meiner Tochter wird fortan zu meinen Highlights im Mamaleben zählen, genauso wie das gemeinsame Reiten.

Auch das Schreiben scheint ihr keine grosse Mühe zu bereiten. Zunächst hat sie zusätzlich zu ihren Hausaufgaben begonnen, alle Vornamen, ihren Nachnamen und das Wort Familie auf kleine Zettel zu notieren.

Und kürzlich erhielt ich meinen ersten kleinen Brief von ihr, mit den Worten:

«MAMA, ich lipe Tich.»

Ich muss wohl nicht erwähnen, wie sehr mein Mamaherz überquoll.

PS: Kinderkram macht Ferien. Die nächste Kolumne erscheint am Freitag, 27. November 2020.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.