Das Fabriggli in Buchs feiert: Ein kleines Theater kommt gross raus

Das Fabriggli feiert am Sonntag den 40. Geburtstag im kleinen Kreis. Und nächste Woche mit einem grossen Publikum.

Armando Bianco
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Das Fabriggli ist bekannt für seine hochstehenden Eigenproduktionen.

Das Fabriggli ist bekannt für seine hochstehenden Eigenproduktionen.

Bild: PD

Am Sonntag, 9.Februar, dem eigentlichen 40.Geburtstag des Werdenberger Kleintheaters Fabriggli, feiert das Team zusammen mit geladenen Gästen im kleinen Kreis dieses runde Wiegenfest. Und kommende Woche kommt das Publikum in den Genuss von drei besonderen kulturellen Veranstaltungen. Am Freitag kommt es zu einem Satiregipfel mit Renato Kaiser, Kirsten Fuchs und Markus Koschuh. Am Samstag gibt es eine Irish-Rock-Party mit den Formationen Saint City Orchestra und The Led Farmers. Am Sonntag schliesslich tritt das Duo Okidok mit dem Programm «Hahaha» auf – eine clowneske Stunde für Kinder ab fünf Jahren und Erwachsene.

Ein heller Stern über die Buchser Grenzen hinaus

Am 9.Februar 1980 wurde das Werdenberger Kleintheater Fabriggli in Anwesenheit seines Göttis Emil eröffnet. Dem waren über 3000 Stunden Fronarbeit vorangegangen, in denen ein ehemaliges Stickereilokal, wie es in dieser Gegend etliche gab, zu einem Kleintheater umgebaut wurde. Anfangs war der Betrieb nur für zwei Jahre zugesichert und eine Art Experiment. Das Fabriggli hat in der Region als kleiner Veranstalter mittlerweile einen sehr hohen Stellenwert (siehe Interview unten). Das Kleintheater hat sich in 40 Jahren eine ganz besondere Geschichte erarbeitet. Im Jahr 2002 wurde es nach einem weiteren Um- und Anbau wiedereröffnet, und erstrahlte als heller Stern in der Theaterszene, weit über die Grenzen von Buchs hinaus.

«Kultur löst viel Gutes aus»

Liebes Fabriggli, heitere Fahne, 40 Jahre alt bist du schon? Das ist fast mein ganzes Leben und ich bin doch auch schon eine Weile auf der Welt. 40 Jahre voller Tatendrang, Enthusiasmus und Kleinkunst: Kulturvermittlung at it’s best! Es ist so unfassbar wichtig, was ihr für die Region leistet. Kultur geht direkt ins Herz und löst viel Gutes aus in jedem Menschen. Als ich im Obertoggenburg mit Kleinkunst im Zeltainer begonnen habe, hat mir der damalige Fabriggli-Leiter Peter Eggenberger unglaublich viel beigebracht, fast wie ein Götti. Das vergesse ich niemehr. Ihr habt euch einen super Ruf erarbeitet und alle wollen sie bei euch auftreten. Macht bitte weiter so und dann resümieren wir wieder beim 50-jährigen. Bravo!

Martin Sailer, Kleintheater Zeltainer, Unterwasser

Nicht wenige Kulturschaffende machten auf der Fabriggli-Bühne einen ihrer Schritte in eine erfolgreiche Zukunft. Für seine kulturelle Bedeutung hat das Fabriggli in den letzten 40 Jahren viel Lob und Applaus aus der Kleinkunstszene, dem Publikum und der Öffentlichkeit erhalten. Ebenso wurden dem Betrieb einige Preise zuteil, etwa im Jahr 2001 den Anerkennungspreis der Kulturstiftung des Kanton St.Gallen. Oder im Jahr 2004 den Kulturpreis der Stadt Buchs für den Gesamtbetrieb und im 2007 den Kultpreis der Stadt für die Jugendabteilung «Poggcorner».

«Das Fabriggli als Geburtshelfer»

Wenn ich ans Fabriggli denke, dann als Geburtshelfer fürs Alte Kino Mels. Es war an der Vorstellung «Die tapfere Hanna» von Gardi Hutter vor vielen Jahren, als im Fabriggli noch Säulen die Sicht von gewissen Plätzen aus versperrten. An Sitzplätze war indes schon längst nicht mehr zu denken, aufgrund des Andrangs mussten etliche Besucher mit dem Boden vorliebnehmen. Aber was machte das schon aus, wenn man dafür schier den Atem der Künstlerin spürte, ihre Nähe das Erlebnis gleichsam potenzierte. Der Kleintheater-Virus hatte mich! Und – was für ein Zufall – die Clownfrau Gardi Hutter spielte einige Jahre später im Alten Kino Mels die erste Vorstellung. Herzliche Gratulation dem Fabriggli zum 40. Geburtstag.

Hans Bärtsch, Altes Kino Mels

Kinder und Jugendliche haben im Theaterbetrieb seit jeher einen hohen Stellenwert, was sich im Angebot an Aufführungen, Workshops oder der Zusammenarbeit mit den Schulen zeigt.

Katharina Schertler Secli, Präsidentin des Fabriggli Vereins.

Katharina Schertler Secli, Präsidentin des Fabriggli Vereins.

Lisa Jenny

Interview mit der Fabriggli-Präsidentin

Katharina Schertler Secli steht im Werdenbergber Kleintheater Fabriggli schon seit vielen Jahren an der Front und ist aktuell Präsidentin des Vereins. Sie wirft einen Blick auf die aktuelle Situation und in die Zukunft.

In der globalisierten Wirtschaft werden Kleine zunehmend von Grossen verdrängt. Wie ist das in der (Klein-)Theaterszene?

Katharina Schertler Secli: Wir meinen zu spüren, dass es hipp ist, beispielsweise nach Zürich an ein grosses Konzert oder im Sommer an alle grossen Open Airs zu fahren und dafür meist sehr viel Geld auszugeben. Das Kleine, Feine, Nahe verliert etwas an Wertschätzung. Trotzdem haben wir kleinere Veranstalter einen sehr hohen Stellenwert. Ohne uns kleine Bühnen könnten Frischlinge keine Bühnenerfahrung machen. Und wenn das Publikum mal entdeckt hat, wie cool eine Vorstellung ist, bei der man so nahe am Künstler dran ist, dann mag es uns auch nicht mehr missen. Unsere Besucherzahlen sind stabil, Tendenz aufwärts.

Was macht das Kleintheater Fabriggli attraktiv, um als Freiwilliger seine Freizeit in den Betrieb zu investieren?

Ein tolles Team, wertschätzender Umgang, nahen Kontakt mit teilweise sehr bekannten Künstlern, bereichernde Beziehungen und Erlebnisse, vielfältige und spannende Arbeiten, befriedigende Momente, Spass und Freude, viele Lernfelder, Mitgestaltungsmöglichkeiten, Mitverantwortung, eingebettet sein, gute Atmosphäre, ein Stück Heimat und Familie. Aber natürlich ist die Grenze zur Ausbeutung nah, da muss man schon ein Augenmerk darauf haben und aufpassen, dass wir nicht unser wunderbares Team über jede Grenze hinaus belasten.

In welche Richtung wird sich das Fabriggli entwickeln?

Das Fabriggli hat in den vergangenen 40 Jahren bewiesen, dass es sich an gesellschaftliche und kulturelle Entwicklungen anpassen kann und sich doch treu bleibt; ganz nach dem Motto «Alles wird besser, das Fabriggli bleibt gut». Das Werdenberger Kleintheater soll also einerseits das bleiben, was es seit Beginn weg ist: ein Stück Heimat für unser Publikum in der Region und für wiederkehrende Künstler. Ein kultureller Stern, der in der Region, aber auch weit darüber hinaus, leuchtet. Es soll aber auch am Puls der Zeit sein, spüren, was die Gesellschaft braucht. Es soll in jeder Zeit unterhalten, berühren, zu Diskussionen anregen, zum Denken verführen, provozieren und Generationen verbinden.