Kolumne
Kinderkram: Und was ist heute ausverkauft?

Einkaufen während Zeiten von Corona ist ein kleines Abenteuer.

Katharina Rutz
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Mit einigen geliehenen und einigen in der hintersten Schrankecke hervorgekramten alten Kerzen habe ich es trotz Verkaufsverbot von Geburtstagskerzen geschafft, dass meine Tochter ihre fünf Kerzen ausblasen und sich etwas wünschen konnte.

Mit einigen geliehenen und einigen in der hintersten Schrankecke hervorgekramten alten Kerzen habe ich es trotz Verkaufsverbot von Geburtstagskerzen geschafft, dass meine Tochter ihre fünf Kerzen ausblasen und sich etwas wünschen konnte.

Katharina Rutz

Zuerst wusste man nie so recht, ob es die benötigten Produkte noch in den Läden gibt. Jetzt weiss man nie so recht, gehört dieses oder jenes zum Grundbedarf oder nicht?

Es stellte sich heraus, dass ich offensichtlich andere Ansichten über Grundbedarf habe wie die Behörden.

In «meiner» Filiale eines grossen Detailhändlers sah es in den letzten Wochen etwa so aus: Kurz nach dem Lockdown gab es eine Woche lang kein WC-Papier, dann jeweils ein spärliches Angebot. Erst kürzlich stand ich wieder einmal vor einem vollkommen ausverkauften Gestell in einer anderen Filiale.

Frischhefe war zwei Wochen ausverkauft. Danach gab es sie wieder, doch seither ist die Trockenhefe ausverkauft. «Lieferunterbruch» hiess es am Gestell. (Übrigens habe ich bereits vor Corona Zopf und Brot gebacken.)

Vor etwas mehr als zwei Wochen ist irgendwer darauf gekommen, dass auch die Detailhändler gewisse Produkte nicht mehr verkaufen dürfen, welche nicht dem Grundbedarf angehören. Plötzlich waren einige Gestelle abgeräumt und andere mit Absperrband und Warnhinweis versehen.

Eierfarbe gab es in Woche eins noch. In Woche zwei, als ich mich eindecken wollte, war das Gestell weg. Kein Grundbedarf oder ausverkauft? Ich werde es nie erfahren. Glücklicherweise hat mir die Nana ihre Zwiebelschalen ausgeliehen.

Dann kamen die Geburtstagsvorbereitungen für Sarah. Für ein (online bestelltes) Spielzeug brauchte ich Batterien. Diese waren zum Glück nicht abgesperrt. Aber – das Gestell war leer gekauft. Glücklicherweise war eine Kollegin gerade bei einem anderen Detailhändler und wurde für mich fündig.

Schliesslich hatte ich eine Torte gebacken, aber die Kerzen dazu fehlten noch.

Ich wollte diese schnell einkaufen. «Wir dürfen keine Kerzen verkaufen zur Zeit», hiess es bei der Verkäuferin. Echt jetzt? Mit ein paar alten und ein paar geliehenen konnte Sarah dann trotzdem noch ihre fünf Kerzen ausblasen und sich etwas dazu wünschen.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.