Kinderkram: Über die Vereinbarkeit von Kindern und Pferden

Reiten ist ein sehr zeitintensives Hobby. Babys sind ebenfalls sehr zeitintensiv. Beides gleichzeitig zu wollen, scheint mir im Nachhinein manchmal eine schlechte Idee.

Katharina Rutz
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Wenn die eigenen Kinder reiten wollen, freut sich die reitende Mama. Solange bis sie allein reiten wollen und wild galoppieren und springen.

Wenn die eigenen Kinder reiten wollen, freut sich die reitende Mama. Solange bis sie allein reiten wollen und wild galoppieren und springen.

Sandra Ardizzone / AGR

Allerdings bin ich bei weitem nicht die Einzige, die es trotzdem durchgezogen hat – zum Glück. Für alle Mütter, die nicht gleichzeitig ein so zeitintensives Hobby pflegen, hier einige Erklärungen zur Veranschaulichung.

Üblicherweise erhält eine frisch gebackene Mutter Ratschläge wie: Wenn das Baby schläft, dann schlafe du auch. Oder: Wenn das Baby schläft, schaffst du vielleicht die Wäsche, dann darfst du zufrieden sein.

Nun, wenn du Pferde hast, dann sieht das so aus:

Wenn das Baby schläft, dann mistest du den Stall aus.

Wenn das Baby wieder schläft, bewegst du dein Pferd, während das Baby im Kinderwagen unter dem Baum neben dem Reitplatz steht. Die Wäsche rennt nicht weg.

Von anderen Müttern höre ich oft, dass sie gerne einen Babysitter in Anspruch nehmen, wenn sie zum Einkaufen gehen, zum Coiffeur, zur Kosmetikerin oder ins Fitness. Mit Pferden gehst du nie zur Kosmetikerin und selten zum Coiffeur und wenn, dann nur dorthin, wo du deine Kinder mitnehmen kannst.

Denn wenn du einen Babysitter hast, gehst du ausreiten. Auch wenn es gerade dunkel ist, regnet oder schneit.

Wenn die Kinder in den Kindergarten kommen, freuen sich die Mütter über die neu gewonnene Freiheit. Endlich sind die Kinder aus dem Haus und die Mama hat wieder Zeit für sich selbst.

Dieses Gefühl hat sich bei mir eigentlich nicht eingestellt. Da ich meine Pferde nie aufgegeben habe, war die Zeit mit ihnen automatisch immer Zeit für mich. Aber etwas wurde besser: das schlechte Gewissen während des Reitens. Komm, ich geh nochmals reiten, die Kinder sind ja eh weg.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass reitende Mütter die ganze Mamisache etwas lockerer angehen. Nur in einer Sache liegen die Nerven blank.

Wird das Kind auch reiten?

Natürlich wünschen wir uns das mehr als alles andere. Aber welche Reitschule genügt dann unseren Ansprüchen? Habe ich ein genügend ausgeglichenes Pferd im Stall? Welches ist die beste Sicherheitsweste? Und was, wenn die Tochter tatsächlich irgendwann ALLEIN wild über das Stoppelfeld galoppieren will? Oh Schreck.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.