Kolumne

Kinderkram: Schwimmkurs-Beobachtungen über die es sich wundern lässt

Obwohl ich jede, wirklich jede Mutter für ihre Leistung respektiere, komme ich manchmal nicht umhin, mich über sie zu wundern.

Katharina Rutz
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Beobachtet man andere Mütter, machen sich bisweilen die Augenbrauen selbständig, da man nicht umhin kommt, sich etwas zu wundern - auch wenn man das gar nicht will.

Beobachtet man andere Mütter, machen sich bisweilen die Augenbrauen selbständig, da man nicht umhin kommt, sich etwas zu wundern - auch wenn man das gar nicht will.

Corinne Hanselmann

Meine ältere Tochter besucht den Schwimmkurs. Gezwungenermassen sammeln sich da in der Umkleide, bei den Duschen und im relativ kleinen Vorraum des Hallenbads die Mütter mit den Geschwistern der Schwimmkurskinder auf engem Raum. Und ebenfalls gezwungenermassen hört man da einiges mit.

Wie andere Mütter mit ihren Kindern umgehen. Wie sie mit ihnen reden. Was sie ihnen zu essen und zu trinken geben. Und so weiter.

Manchmal würde ich dann auch lieber wegschauen und weghören, da ich grundsätzlich wirklich jede Mutter für ihre Leistung achte und nichts über das Leben dieser Frauen weiss.

Aber, manchmal macht mein Kopf sich selbständig und denkt mit hochgezogenen Augenbrauen halt doch grad, was er will.

Ist es wirklich so schwierig nachzuvollziehen, dass ein Kind ob all dem Trubel in der Umkleide vielleicht kurz vergisst, sich selber auszuziehen und ins Badekleid zu hüpfen? Warum kann man da nicht kurz ein paar Handgriffe helfen, statt darauf zu bestehen, dass die Kleinen alles selber tun müssen.

Zumal sich meine Tochter inzwischen vollkommen alleine umzieht, nachdem wir schon einige Schwimmkurse hinter uns haben.

Ist es wirklich nötig, jetzt so gestresst sein Kind anzukeifen? Es geht ja nicht um eine Prüfung und es ist schliesslich erst fünf vor fünf. Ausserdem geht eh alles viel schneller, wenn die Umkleide nicht mehr so voll ist und der Spind nicht dauernd von einer anderen Mutter blockiert wird.

Wie zum Teufel macht das diese Mutter, jeden Freitag so perfekt gestylt und geschminkt zum Schwimmkurs zu erscheinen als käme sie direkt aus der Chefetage irgendeiner Bank? Notabene hat sie es gar nicht nötig, irgendwelche Augenringe oder Sorgenfalten unter Schminke zu verstecken, so strahlend sehen diese Mütter aus.

Als wäre jede Sekunde ihres Lebens social-media-tauglich.

Ah wie jämmerlich ist es, sich für die Trinkschokolade aus dem Automaten, die das Kind nach dem Schwimmkurs trinken darf, zu rechtfertigen. Was, es gibt bei Euch ernsthaft nur mittwochs und sonntags etwas Süsses? Vollkommen unverständlich.

Wie beruhigend, dass sich da auch die Augenbraue der dritten Mutter an unserem Tisch ganz kurz selbständig gemacht hat und in die Höhe gewandert ist.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.