Kolumne

Kinderkram: «Schöa», «schüü» oder «schöö»: Die Sache mit dem Slang

Amerikanische Eltern wollen offenbar nicht, dass ihre Kinder britische Ausdrücke aus der Serie Peppa Wutz verwenden. Ich komme nicht umhin, dafür Verständnis aufzubringen.

Katharina Rutz
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Vom «Tippilzouar ùnd Schmeattar»-Dialekt gibt es ein Wörterbuch auf der Gemeindeseite - wohl für Zugezogene wie mich.

Vom «Tippilzouar ùnd Schmeattar»-Dialekt gibt es ein Wörterbuch auf der Gemeindeseite - wohl für Zugezogene wie mich.

Katharina Rutz

Kürzlich las ich auf so einer Schund-News-Webseite einen Artikel über Peppa Wutz. Die Serie heisst im britischen Original Peppa Pig und hat offenbar auch ihren Weg in die Kinderzimmer der USA gefunden. Für einmal sehen sich nun die amerikanischen Eltern damit konfrontiert, dass ihre Kinder die britischen Ausdrücke bestimmter Begriffe verwenden und nicht umgekehrt die ganze Welt den amerikanischen Slang.

Darüber regen sie sich offensichtlich auf.

Unverständlich? Na Ja ... Ich bin bekanntlich eine Toggenburgerin und obwohl ich unseren Dialekt nie als besonders elegant empfand, hänge ich doch sehr an ihm. Spätestens als ich einmal im Deutschunterricht vor der ganzen Klasse das Wort «Käse» in Mundart sagen musste, weil nur wir das Ä eben genau auf diese Weise in diesem Wort aussprechen. Da war ich doch etwas stolz.

Als ich dann ins Rheintal zog und auch noch in ein Dorf mit einem ausgesprochen ausgeprägten Dialekt, habe ich noch keinen Gedanken daran verschwendet, dass meine eigenen Kinder plötzlich sprechen könnten wie von einem anderen Kontinent. Ich war zunächst einmal bemüht, meinen Liebsten zu verstehen.

Nun, inzwischen habe ich mich an den «Tipilzouer»-Dialekt gewöhnt und kann den «Ääadli» oder dem «Hääss» bereits ein wenig Heimat abgewinnen. Und wenn sie schon nicht «Schmalz, Nidel» und «Gäbsä» sagen, dann sprechen die Mädchen wenigstens wie der Papa.

Doch dann kommt Sarah daher und sagt weder «schöö» noch «schöa». Sie sagt:

Es war «schüü».

Die Grossmutter und die Tante kommen beide aus dem Glarnerland und es lässt sich (als arbeitende Mutter) kaum vermeiden, dass meine Mädchen mit beiden recht viel Zeit verbringen. Offensichtlich so viel Zeit, dass die Jüngere sogar ihre Dialektworte übernimmt. Plötzlich verstehe ich die amerikanischen Eltern.

Vielleicht ist Sarah einfach nur ein Sprachtalent und die Episode ist vergessen, wenn sie irgendwann sechs Sprachen spricht.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.