Kolumne

Kinderkram: Bittersüsse, morgendliche Abschiede

Fünf Mal pro Woche verabschiede ich mich am Morgen von meinen Mädchen - und es ist für mich jedes Mal eine Achterbahn der Gefühle.

Katharina Rutz
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Wenn die Kinder auf dem Weg in die Schule sind, wird es still im Haus. Etwas zu still für meinen Geschmack.

Wenn die Kinder auf dem Weg in die Schule sind, wird es still im Haus. Etwas zu still für meinen Geschmack.

Dieter Hawlan/Fotolia

Vor ein paar Wochen habe ich einmal über meine persönlichen Meilensteine des Mamaseins berichtet. Nicht diese grossen, offensichtlichen, sondern die kleinen.

Heute möchte ich sogar noch einen unspektakuläreren, alltäglichen Moment in meinem Leben als Mama beschreiben. Ein sich von Montag bis Freitag wiederholendes Ritual von vielleicht zehn Minuten. Was dieser Alltagsmoment allerdings immer wieder an Gefühlen in mir auslöst, lässt mich stets staunen.

Es ist der morgendliche Abschied, wenn meine beiden Mädchen zur Schule bzw. zum Kindergarten aufbrechen. Und nein, ich bin keine Glucke, das habe ich schon mehrfach hier beschrieben.

Für Mütter von schulpflichtigen Kindern sind die Morgen – auf jeden Fall sind es meine Morgen – durchgetaktet. Aufstehen, anziehen, frühstücken, kämmen, Znüni richten, Kurzbesprechung was wer wo wie, WC, Zähne putzen (wenn ich Glück habe), Schuhe suchen, Jacke auswählen (nein, die ist mir zu heiss, ich will die andere), Kontrollblick, damit nichts vergessen geht.

Jetzt hopp, hopp!

Dann ab auf die Strasse, Kuss, Tschüss, mach’s gut. Weg sind sie.

Da steht sie dann, die Mama. Mitten auf der Strasse, etwas verloren und kann den Blick nicht von den fröhlich plappernden, zügig davonziehenden Mädchen abwenden. Wann um Himmels willen sind die beiden so gross geworden, so selbstständig, so selbstbewusst, so wunderbar?

Dann folgt die Stille.

Zunächst ist sie erdrückend. Es ist still auf der Strasse, still im Flur, still in der Küche und still im ganzen Haus.

Glücklicherweise wartet ja immer die Arbeit. Heute gerade wieder das Schreiben dieser Kolumne. Ansonsten der Haushalt, die Tiere, Büroarbeiten für den Landwirtschaftsbetrieb, das Rüeblifeld.

Und wenn ich allzu wehmütig bin und gerade nichts sonst ansteht, warten – richtig – die Pferde. Bei einem flotten Ausritt im Gelände geht die Zeit, bis die Mädchen wiederkommen, am schönsten vorbei.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.