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Kolumne

Kinderkram: Leistungsdruck beginnt im Kindergarten

Es heisst Kindergarten und meine naive Vorstellung davon ist, dass meine Kinder dort vor allem eines tun: Kind sein und spielen.
Katharina Rutz
Das zweite Kindergartenjahr ist dem Schulübertritt gewidmet. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Das zweite Kindergartenjahr ist dem Schulübertritt gewidmet. (Bild: Thi My Lien Nguyen)

Vielleicht lernen sie auch, still zu sitzen, zuzuhören und etwas auszuführen, was ihnen aufgetragen wird, so gut sie es eben können. Sie lernen ausserdem, selbstständiger zu werden, sich alleine zu behaupten, Freundschaften zu schliessen oder Konflikte auszutragen.

Als Lilly in den Kindergarten kam, wurde aber rasch klar, dass es heute im Kindergarten um Kompetenzen geht. Ein Stift muss korrekt gehalten werden, die Buchstaben sollten bereits in der korrekten Schulschrift geschrieben werden.

Natürlich muss nicht geübt werden, den Namen zu schreiben, aber das Kind könnte sich ja dafür interessieren. Aha.

Die Linie darf nicht übermalt werden und die Männlein müssen fünf Finger haben. Neben die Linie schneiden, gibt kein Häkchen auf dem Beobachtungsbogen. Notiert wird, wie weit die Kinder zählen und welche Namen ihrer Gspändli sie bereits lesen können.

Nicht zu vergessen die Selbsteinschätzung. Ich habe meine erste Selbst- einschätzung bei meinem ersten Bewerbungsgespräch gemacht. Lilly also im ersten Kindergartenjahr.

Abgehärtet von den vielen Anforderungen gingen Lilly und ich ins zweite Kindergartenjahr. Dieses begann nun mit der Broschüre «Vom Kindergarten ... in die Schule». Sie umfasst sechs Seiten und zählt die Kompetenzen auf, die für den Schulübertritt nötig sind: Selbstkompetenzen, Sozialkompetenzen, Sachkompetenzen. Unter jedem Punkt wird ausführlich ausgeführt, was darunter verstanden wird.

Da gibt es Kompetenzen, bei denen ich nicht weiss, ob ich sie selbst überhaupt habe ...

Ich habe mich über die Broschüre geärgert. Und zwar nicht deshalb, weil ich Angst habe, dass Lilly diese Kompetenzen nicht erfüllt. Sondern, weil jetzt schon der enorme Leistungsdruck unserer Gesellschaft bei uns in der heilen Bauernhofwelt angekommen ist.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (5)
und Sarah (4), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.

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