Kolumne

Kinderkram: Kleine Kinder werden gross

Gerne läuft man ja Gefahr, die Veränderungen bei Menschen oder Dingen, die man täglich sieht, zu übersehen. Selbst wenn die Entwicklung in sechs Jahren vom Neugeborenen zum Schulkind extrem ist.

Katharina Rutz
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Erst wenn die Kleider schon wieder zu klein geworden sind, erkennt man die Veränderung seiner Kinder.

Erst wenn die Kleider schon wieder zu klein geworden sind, erkennt man die Veränderung seiner Kinder.


Walter Schwager / BAD

Seit dem Tag der Geburt sehen wir Mütter unsere Kinder praktisch täglich. Mehr als vier oder vielleicht maximal fünf Tage war ich noch nie von ihnen getrennt.

Ich selber sehe schliesslich seit rund 20 Jahren gleich aus. Was natürlich nicht stimmt. Da sind Falten, ein paar Pfunde und Schwangerschaftsstreifen dazugekommen sowie kürzlich sogar die ersten grauen Haare. Aber von Jahr zu Jahr gibt es da wirklich keinen allzugrossen Unterschied.

Bei den Kindern allerdings ist der jährliche Unterschied schier unglaublich gross.

Oder ist das jetzt wieder etwas, dass nur wir Mütter bei unseren eigenen Kindern wahrnehmen?

Dann beispielsweise wenn die Leggings vom Frühjahr im Herbst bloss noch bis zur Mitte der Waden reicht? Wenn Kleider, kaum sind sie einmal getragen, schon wieder aus dem Schrank geräumt werden können, weil sie zu klein geworden sind?

Oder dann, wenn der Papa plötzlich keinen Platz mehr auf dem Sofa hat, weil er sich abends als letzter vor den TV gesellt? Neben Mama haben da nämlich schon zwei lang gestreckte Mädchen ihren Platz eingenommen.

Kürzlich stand ich tatsächlich eine gefühlte halbe Stunde völlig ungläubig vor zwei Fotos, die ich nebeneinander auf den Küchentisch gelegt hatte. Das eine Foto zeigt meine Tochter im ersten Kindergartenjahr, das zweite Bild im zweiten Jahr.

Es waren zwei vollkommen unterschiedliche Gesichter von ein und derselben Person.

Deshalb warne ich Mütter mit Kindern in diesem Alter jetzt vor: Vom ersten zum zweiten Kindergartenjahr verschwindet alles Babyhafte aus den Zügen eurer süssen Kleinen und macht Platz für von Selbstvertrauen funkelnde Augen, eine starke Charakternase und eine riesige Zahnlücke.

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (6)
und Sarah (5), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.