Kolumne

Kinderkram: Kindererziehung oder Pferdeerziehung - was ist schwerer?

Eins vorweg: Kinder sind nicht gleich Pferde, das ist mir natürlich bewusst. Pferde sind nämlich um einiges einfacher gestrickt.

Katharina Rutz
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Sich Zeit zu nehmen und ein Spiel zu spielen, nützt oft mehr als die konsequenteste Erziehung, um von den Kindern ein gewünschtes Verhalten zu erzielen.

Sich Zeit zu nehmen und ein Spiel zu spielen, nützt oft mehr als die konsequenteste Erziehung, um von den Kindern ein gewünschtes Verhalten zu erzielen.

Katharina Rutz

Ich habe zwei Kinder und drei Pferde. Ich liebe meine Pferde sehr und meine Kinder über alles.

Manchmal komme ich deshalb nicht umhin, meine Kinder mit meinen Pferden zu vergleichen. Oder besser gesagt deren Erziehung. Zwei meiner Pferde hatte ich vom Fohlenalter an und war deshalb für ihre Erziehung ebenfalls verantwortlich.

Nun, bei Pferden ist das um einiges einfacher.

Während man beispielsweise Pferde praktisch immer mit einem Leckerli ködern kann, ist das bei Kindern schon eher schwierig. Vor allem, wenn sie dann einfach zwei Stühle aufeinander stellen, um selber an die Schokolade zu gelangen, die sie wollen.

Während man beim Pferd durchaus gerechtfertigt mal kräftig am Strick rucken darf, damit es lernt genügend Abstand zu wahren und der Führperson nicht auf die Füsse zu treten, haben Kinder weder ein Halfter an noch einen Strick umgebunden. Physische Massregelungen haben in der Kindererziehung von heute ohnehin absolut nichts mehr zu suchen. Was also tun, wenn da ein so kleiner Mensch vor einem steht mit einem Willen so gross wie der Alvier und die Churfirsten zusammen?

Was bei Kindern und Pferden gleichermassen gut funktioniert, sind Selbstsicherheit, Ruhe und Zeit.

Je sicherer ich mir mit meinen Forderungen bin, desto besser werden sie umgesetzt und meine Kinder putzen ihre Zähne tatsächlich jetzt und nicht erst in zwei Stunden.

Je ruhiger ich während ihrer Trotzanfälle bleibe, weil sie die Leggings anziehen wollen und nicht die warmen Jeans mit Strumpfhosen, desto schneller ist ihre Wut wieder vorbei.

Je mehr Zeit ich mir für meine Kinder nehme, um beispielsweise ein Spiel zu spielen, desto eher sind sie danach bereit, meinen Anweisungen Folge zu leisten.

So einfach ist das. Und wenn ich das nächste Mal vor meinen Töchtern stehe und wir wieder einmal testen, wer den anderen am lautesten anschreien kann, dann erinnere ich mich hoffentlich wieder daran, was ich hier aufgeschrieben habe.

Bei den Pferden nützt übrigens ein lautes Nein um einiges besser ...

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Katharina Rutz (Bild: Urs Bucher)

Hauptberuflich Mami von Lilly (5)
und Sarah (4), nebenberuflich
Journalistin, Bäuerin und
Pferdenärrin.